Deswegen zahlen Frauen im Frisiersalon mehr

Frauen müssen für Beauty-Dienstleistungen oft mehr bezahlen als Männer. Warum ist das so? Und wie kann das sein? Wir haben nachgefragt.

Die Preise von Frisierdienstleistungen in Österreich beschäftigen seit ein paar Jahren sogar die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Hier darf eigentlich schon seit 2008 nicht mehr nach Geschlecht unterschieden werden. So lange gibt es dazu schon ein EU-Gesetz und die klare Richtlinie: „Gemäß Gleich­behandlungsgesetz darf niemand unter anderem aufgrund seines oder ihres Geschlechts beim Zugang zur Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen (wie zum Beispiel Frisierdienstleistungen) diskriminiert werden.“

2010 hat sich dann die Gleichbehandlungsanwaltschaft mit der Bundesinnung der Friseure auf eine Regelung dazu geeinigt und alle FriseurInnen darüber informiert, dass Preise nach Aufwand verrechnet werden sollten. Gemeinsam wurde auch eine Unisex-Musterpreisliste erstellt, an die sich große Friseur­ketten schon jetzt halten.

Wieso stehen in vielen Salons dann immer noch unterschiedliche Damen- und Herrenpreise im Schaufenster?

Leider hat diese Ungleichbehandlung hierzulande seit Jahren System. Der Grund dafür ist zutiefst österreichisch: Das war schon immer so. Laut Gleich­behandlungsanwältin Ines Grabner-Drews ist der günstige Friseurpreis für Männer historisch bedingt: „Der Herrenhaarschnitt war früher deswegen so billig, weil er an den staatlich gebundenen Brotpreis gekoppelt war. Das hat also eine lange Tradition.“ Und tatsächlich: Auch die Bundesinnung der Friseure bestätigt, dass es diese Regelung in den 1950er-Jahren tatsächlich gegeben hat. Plausible Gründe dafür gibt es schon lange keine mehr.

„Daraus ist die Tradi­tion entstanden, dass das Preisangebot sehr stark auseinandergeht. Sicherlich auch durch die geschlechter­stereotype Vorstellung ‚Mann hat nicht viele Ansprüche, Frau schon‘. Daran haben wir uns alle, vor allem die Männer, gewöhnt. Aber eine Kalkulation sollte nach Aufwand und nicht nach Geschlecht gemacht werden“, so Grabner-Drews. Fragt man bei FriseurInnen nach, heißt es, dass Männerschnitte längst genauso aufwendig geworden ­seien wie Damenfrisuren. „Früher sind die Herren so mitgelaufen, die haben oft nicht einmal Termine benötigt, da der Herr ja nur zehn Minuten zwischendurch braucht. Das ist schon lang nicht mehr so. Gerade die jungen Männer sind sehr anspruchsvoll. Wenn da ein Verlauf nicht exakt geschnitten ist, bekommen die die Krise“, bestätigt Katharina Strassl, Friseurin in Wien (katharina-strassl.com). Auch der Grazer Starfriseur Dieter Ferschinger (dieter-ferschinger.com) schlägt in diese Kerbe: „Männer sollten nicht weniger zahlen als Frauen. Der Zeitaufwand ist derselbe und der Schwierigkeitsgrad ist teilweise höher. Ein schön und exakt gearbeiteter Herrenschnitt ist teilweise viel aufwendiger, als bei den Damen ein paar Stufen oder Spitzen zu schneiden.“ Trotzdem ist es laut Marcus Eisinger, Innungsmeister der Wiener Friseure, so, dass nicht alle FriseurInnen die gleiche Dienstleistung gleich hoch verrechnen. Wo liegt also der Hund begraben?

Ganz einfach: Wo kein/e KlägerIn, da kein/e RichterIn. Das betrifft zu teure Duschgels genauso wie Dienstleistungen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft kann zwar Empfehlungen aussprechen, wird aber nur aktiv, wenn sich jemand aufregt. Schadenersatzansprüche aufgrund von Diskriminierung interessieren wenig, wenn sie niemand geltend macht. Es braucht also mündige Kundinnen, damit sich etwas ändert. Und die Solidarität der Männer. Katharina Strassl: „Im Endeffekt ist es so, dass die Preiserhöhungen bisher immer nur die Frauen getroffen haben. Nur weil die FriseurInnen nicht den Mumm haben, zu sagen: ‚So, liebe Herren: Eine halbe Stunde kostet 40 Euro.‘ Jeder Handwerker kostet mehr. Allein das Material wird im Jahr um drei Prozent teurer, es gibt Erhöhungen bei Lohn, Miete, Wasser, Strom, wer schluckt das alles? Wenn die Herrenpreise den Aufwand nicht decken, werden die Frauen das in Zukunft übernehmen müssen. Es geht um Fairness, auch von den Kunden.“

Wenn wir also das nächste Mal im Frisiersalon sitzen, achten wir auf die Preisliste.

(Der gesamte Artikel ist in der WIENERIN Print-Ausgabe März 2018 erschienen)

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