Despacito & Co: So sexistisch ist Reggaeton

Der Song „Despacito“ von Luis Fonsi und Daddy Yankee regiert aktuell die Charts – es würde sich aber lohnen, mal genauer beim Trend-Sound Reggaeton hinzuhören. Denn die Texte strotzen vor frauenfeindlichen Zeilen.

Das Rennen um den Sommerhit 2017 scheint bereits geschlagen: „Despacito“ läuft in den Radios auf Heavy Rotation und bringt die Musikrichtung des Reggaeton, einem lateinamerikanischen Mix aus Reggae, HipHop und Merengue auch in Europa in aller Munde.

Die Musik geht zweifellos ins Ohr, klingt nach Sommer, Sonne, Lebensfreude. So unschuldig sind die Texte leider nicht. Sind sie bei „Despacito“ noch vergleichsweise "freundlich", geht es in den Lyrics anderer Reggaeton-Stars klar sexistisch und frauenfeindlich zu, wie das Online-Magazin bento Anfang der Woche feststellt.

Ganz gemächlich will ich an deinem Hals atmen (…) Lass mich zu deinen gefährlichen Stellen vordringen, bis du anfängst zu schreien und deinen Nachnamen vergisst
Textzeile aus Despacito

Ein Problem, das den Reggaeton immer in Verruf bringt. Die Texte der Reggaeton-Hits sind eindeutig gewalttätig wie in „La Groupie“ von Lui G:

Ich schlag dich wie einen Hund, wie irgendjemanden, zieh dich an den Haaren, drück dich auf den Boden, benutz dich wie einen Besen und heul dabei wie ein Wolf
Textzeile aus "La Groupie" von Lui G

Widerstand gegen frauenfeindliche Texte

Widerstand gegen die sexistische Einstellung des Reggaeton findet auf mehreren Ebenen statt: Die Studentin Alejandra Hernandez hat bereits im Jahr 2014 den Hashtag #UsaLaRazon (dt. „benutz deinen Verstand“) installiert und will die Fans dazu bewegen, darüber nachzudenken, was sie da hören. Aus der Aktion heraus entstand eine deutliche Bilderserie, die zeigt, was passiert, wenn man die Texte beim Wort nimmt – aber aus der Perspektive der Frauen.

Die lesbische Reggaeton-Sängerin Romina Bernardo alias Chocolate Remix singt über Gewalt an Frauen und Mädchen und will mit feministischen Texten aufrütteln.

Nicht jeder männliche Reggaeton-Star ist ein Sexist: Es gibt auch männliche Stars des Genres, die mit dem frauenfeindlichen Bild nichts zu tun haben wollen. Einer der erfolgreichsten Sänger, J Balvin, erklärte in einem Interview, dass er aus Prinzip nicht schlecht über Frauen singt, wer das tue, sei verantwortungslos.

Reggaeton ist sexistisch? So einfach ist es nicht

Trotzdem müsse man bei aller berechtigten Kritik zwei Dinge miteinbeziehen, meint Dr. Petra Rivera-Rideau, Autorin von Remixing Reggaeton: The Cultural Politics of Race in Puerto Rico: Einerseits den sozialen Background und die großen sozialen Probleme der lateinamerikanischen Bevölkerung, die durch den Reggaeton eine Art Stimme finden, die sich noch dazu in der harten Sprache einer sozialen Unterschicht ausdrückt, und andererseits die Tatsache, dass Frauen auch in anderen Musikgenres zu Objekten degradiert und sexualisiert werden. „Wir leben in einer sehr patriarchalen Gesellschaft, die Frauen zu Objekten macht und bestimmte Arten von Beziehungen glorifiziert. (…) Reggaeton ist keine Blase, sondern Teil einer Gesellschaft, die viele Beispiele für Gewalt gegen Frauen liefert.“

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