Design statt Drogen

Der WIENERIN Charity Award 2009 geht an: Gabriele Gottwald-Nathaniel. Die Diplom-Sozialarbeiterin gibt ehemaligen Suchtkranken eine Zukunft.

Der WIENERIN Charity Award 2009 geht an: Gabriele Gottwald-Nathaniel. Die Diplom-Sozialarbeiterin gibt ehemaligen Suchtkranken eine Zukunft. Im Rahmen ihres Projekts gabarage fertigen sie aus Abfall kultverdächtige Designobjekte an. Um noch mehr Menschen den Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen, sammelt die WIENERIN Spendengelder. Helfen Sie uns helfen!

Text Marion Genetti Fotos Michael Appelt, beigestellt

Eine Nähmaschine rattert. Angelika, 24, sitzt konzentriert über sie gebeugt, kontrolliert den Verlauf des Fadens und setzt zum Weiternähen an. Stich für Stich, bis die Tasche fertig ist. Von Stich zu Stich hat sie auch früher gelebt. Angelika war acht Jahre lang heroinabhängig. Davon loszukommen hat Kräfte gekostet, von denen sie nicht immer glaubte, sie zu besitzen. Noch schwieriger war es, nach dem Entzug einen Job zu finden. Doch Angelika blieb nicht auf dem Abstellgleis stehen, auf dem der Arbeitsmarkt sie geparkt hatte. Seit acht Wochen ist sie in der Werkstatt von gabarage upcycling ­design (www.gabarage.at) im vierten Wiener Gemeindebezirk und arbeitet daran, zurück ins normale Leben zu finden. Mit Kreativität und Routine.

gabarage upcycling design ist ein sozialökonomischer Betrieb, der ehemalige Suchtkranke wie ­Bianca auf den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben vorbereitet. Was theoretisch klingt, nimmt sehr reale Formen an: Hier werden aus alten LKW-Planen hippe ­Taschen gefertigt. Ausrangierte Fußbälle erstrahlen plötzlich als Kultlampen. Alte Skier bekommen ein Zweitleben als Wandgarderobe. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die ehemaligen Drogenabhängigen bestimmen selbst, was sie entwerfen, produzieren und anschließend im Showroom verkaufen wollen. Ein gabarage-Luster wurde sogar von der Designmesse Blickfang ausgezeichnet. „Der Name gabarage ist ein Wortspiel aus garbage (Englisch für Müll) und ­Garage“, erklärt Gründerin und Diplom-Sozialarbeiterin Gabriele Gottwald-­Nathaniel, während sie durch die Werkstatt wuselt. „ Wir arbeiten mit Menschen, die die Wegwerfprodukte der Gesellschaft sind, und wir arbeiten mit Abfallmaterialien.“

Derzeit gibt es neben sieben Fixangestellten 20 Mitarbeiter mit Suchtvergangenheit im Unternehmen. „Diese Menschen hätten in ihrer aktuellen Situation keine Chancen am Arbeitsmarkt. Wegen ihrer Vorstrafen, der Schwere ihrer Erkrankung oder mangelnder Berufserfahrung und Ausbildung“ , sagt die gabarage-Chefin. Seit der Gründung des Betriebs im Jahr 2003 haben bereits 100 Menschen von der Maßnahme profitiert. Hier verdienen sie monatlich 900 Euro, haben einen geregelten Arbeitstag und bezahlten Urlaub. Für die meisten eine komplett neue Erfahrung und der erste Schritt (zurück) in die Gesellschaft. 80 Prozent der gabarage-Mitarbeiter schaffen nach dem Ausbildungsjahr erfolgreich den Umstieg in die „ normale“ Arbeitswelt. Und das Ziel: ihr Leben nicht von Drogen bestimmen zu lassen, sondern es selbst in die Hand zu nehmen.

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Wie sich Gabriele Gottwald-­Nathaniel zur gabarage-Chefin entwickelte, lesen Sie in der April-Ausgabe der WIENERIN.

Das WIENERIN-Spenden-Konto für die Unterstützung von gabarage upcycling design: Kontonummer: 00510-015-908, Bankleitzahl: 60000 (PSK Bank).

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Gabriele Gottwald-Nathaniel schafft den Spagat, sozial und umweltfreundlich zu arbeiten. Sie hilft ehemaligen Suchtkranken, die aus „Mist“ Designobjekte machen, beim Wiedereinstieg in den Job.

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In der gabarage arbeiten sieben Fixangestellte und 20 mit Suchtvergangenheit.

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