Design? Bleibt in der Familie!

Sie sind alt, aber keineswegs verstaubt: Traditionsunternehmen. Wir haben die Nachfahren von drei heimischen Dynastien in ihrem­ Privatdomizil besucht.

Sie sind alt, aber keineswegs verstaubt: Traditionsunternehmen. Wir haben die Nachfahren von drei heimischen Dynastien in ihrem­ Privatdomizil besucht. Eine Geschichte über schweres Erbe, großen Erfolg und neue Entwicklungen.

Text Marion Genetti Fotos Ingo Pertramer

Die Eheleute: Ulrike Wittmann und Heinz Hofer-Wittmann
Tätigkeit: Erzeugung und Verkauf von Polstermöbeln
Geschichte: 1896 als Sattlerei gegründet, spezialisierte sich der Familien­betrieb in den 1950er-Jahren auf die Fertigung von qualitativ hochwertigen Polstermöbeln. Ulrike Wittmann führt gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinz Hofer-Wittmann den Familienbetrieb seit rund zwanzig Jahren in vierter Generation.
Höhepunkt der jüngsten ­Geschichte: Ausstattung Wiener Hofburg und Thermenhotel Loisium
Prominente Kunden: Heinz Fischer, Angela Merkel, Claudia Schiffer
Preise: auf Anfrage
Mitarbeiter: 150
Hauptsitz: Etsdorf/Niederösterreich

Frau Wittmann, wann haben Sie die Liebe zum elterlichen Betrieb entdeckt? Und wann war klar, dass Sie den Laden übernehmen würden?
Ulrike Wittmann: Das war keine bewusste Entscheidung, sondern Zufall. Ich habe fünf Schwestern. Für meinen Vater war immer klar, dass er den Betrieb nur an eine seiner Töchter weitergeben würde, damit kein Chaos entsteht.

Warum ist die Wahl auf Sie gefallen?
Es war früher ja so, dass die Erstgeborenen ein gewisses Vorrecht hatten. Dementsprechend hat mein Vater uns auch der Reihe nach gefragt. Nachdem meine älteren Schwestern nicht wollten, habe ich als Viertgeborene zugeschlagen.

Warum haben Sie Ja gesagt?
Weil ich ohnehin schon in der Branche, genauer gesagt im Einrichtungshandel, tätig war. Mir hat das Einrichten, das Arbeiten mit Materialien und Farben Spaß gemacht. Dazu kommt, dass mein späterer Mann auch im Betrieb gearbeitet hat. Wir haben uns dort sozusagen kennen und lieben gelernt. Und so haben wir dann die Herausforderung gemeinsam angenommen.

Haben Sie einen Druck gespürt, das Erbe antreten zu müssen?
Eigentlich nicht. Nachdem so viele Kinder da waren, war der Druck gut verteilt. Und ich habe mir gedacht: Irgendwer wird diesen schönen Betrieb doch haben wollen. Meine Eltern waren zudem nicht besonders streng. Mein Vater hat nur zu mir gesagt, ich soll mir die Arbeit anschauen und dann entscheiden, ob sie mir Spaß macht.

Wie war die Übergabe?
Heinz Wittmann: Unproblematisch. Der Schwiegervater hat sich von einem Tag auf den anderen zurückgezogen. Das war angenehm – eine kluge, elegante Lösung.

Welche Rolle hat der Betrieb in Ihrer Kindheit gespielt? Mussten Sie mithelfen?
Ulrike Wittmann: Wir haben neben der Werkstätte gewohnt, der Übergang zwischen Firma und Wohnhaus war fließend. Mitgeholfen haben wir nicht. Das ist von den Eltern überhaupt nicht forciert worden. Vielleicht liegt das daran, dass es zu chaotisch gewesen wäre, wenn sechs Töchter mitgearbeitet hätten. Oder mein Vater wollte uns Mädchen das einfach nicht zumuten.

(...)

Und wer steckt hinter den Traditionsunternehmen Neue Wiener Werkstätte und J. & L. Lobmeyr? Lesen Sie es in der November-WIENERIN!

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Ulrike Wittmann und ihr Mann Heinz Hofer-Wittmann in ihrer Wiener Wohnung.

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Sohn Karl-Hans IV. Polzhofer, Mutter Friederike, Vater Karl III., Tochter Karin (von links nach rechts).

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Bei den Cousins Andreas, Leonid und Johannes Rath (von links nach rechts) kämpfen alle für einen und einer für alle.

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