Der Tag, an dem ich meine Chefin mit einem Pokéball bewarf...

Martina Parker scheut bei Pokémon Go kein Risiko: Auf der Schulter ihrer Chefin saß ein Wildes Taubsi! Nur 100 Punkte, aber you gotta catch them all!

Gestern wäre ich fast aus dem Standmeeting der WIENERIN geflogen. Ich habe die Chefredakteurin mit einem Pokéball beworfen, denn auf ihrer Schulter saß ein Wildes Taubsi. Gut, Wilde Taubsis gibt es wie Sand am Meer. Sie bringen nur 100 Punkte und sind es echt nicht wert seinen Job zu riskieren.

ABER, als echte Pokémon Go Jägerin kann man sich einfach keine Beute entgehen lassen. Das Motto lautet: „You gotta catch them all!“ Und im Übrigen spiele ich nicht im Team Weisheit, oder im Team Intuition, sondern im Team Wagemut.

Deshalb konnte ich mir auch nicht verkneifen, der Chefredakteurin zu erklären, dass der nächstgelegene Pokéstop, der FKK Saunaclub Goldentime, in der Pokémon App als Famous Brothel geführt wird. Das fand sie leider auch nicht mal halb so lustig wie ich.

Famous Brothels sind im Übrigen eher selten Pokéstops. Für Uneingeweihte, das sind zumeist Sehenswürdigkeiten, an denen man Pokébälle, Eier und Tränke bekommt, um für die Pokémonjagd bestens gerüstet zu sein. Und diese App-Funktion trägt wirklich zur Bildung bei. Endlich weiß ich, wie all die Kirchen und Denkmäler rund um mich heißen!

Pokémons jagen ist natürlich nicht ungefährlich. Es soll ja sogar Pokémon-Spieler geben, die beim Spielen der Augmented-Reality-App in ein militärisches Sperrgebiet geraten sind. Wenn beim Spiel also plötzlich statt Pokébällen echte Kugeln fliegen, ist man definitiv falsch!

Auch vor Räubern sollte man auf der Hut sein: Laut Boulevardzeitungen haben es Gangster schon mehrfach ausgenutzt, dass Spieler auf Monsterjagd so in Pokémon Govertieft waren, dass sie nahende Handydiebe nicht bemerkt haben.

Aber ich hab beim Spielen noch nie einen Gangster getroffen. Ich treff immer nur meine Nachbarin, die Neubauer Anita, absolute Pokémonexpertin und Meisterin im Aufstellen von Lockfallen, Aufpäppeln kranker Pokémons und Ausbrüten von Pokémoneiern.

Die Ausbrüterei scheitert ja oft an der Zeit. Denn die Brutmaschine entwickelt das Ei nur, wenn man während des Brütvorgangs Kilometer läuft. Und die Chefredakteurin hat natürlich auch Null Verständnis, dass man die angekündigte Kolumne nicht schreiben kann, weil man stattdessen 10 km laufen muss.

Ich kann für die Aufzucht nicht mal meinen Anfahrtsweg zur Arbeit nutzen, denn beim Autofahren funktioniert die Brutmaschine nicht. Man muss langsamer fahren, also zum Beispiel mit einem Golfwagerl, sagt die Neubauer Anita. In Bad Tatzmannsdorf fahren angeblich jetzt alle NUR DARUM mit den Golfwagerln rum.

Aber ich darf nicht Golfwagerl fahren, sondern muss schreiben, um den Schnitzer vom gestrigen Standmeeting auszumerzen. Die Lösung aus der Misere: Ich lege mein Smartphone auf meinen alten Plattenspieler. Dort zieht es brav seine Runden, während ich tippe.

Das Ergebnis dieser künstlichen Geburt. Ein frisch geschlüpftes Pantimos und diese Kolumne. Da soll doch bitte noch einer sagen, Pokémonspieler seien deppert!

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