Der Tag, an dem ich (fast) aus der Dolce & Gabbana Show flog

Kein Instagram-Account, keine Fashion Week? Chefredakteurin Barbara Haas über skurrile Ereignisse beim Einlass zur mailändischen Fashion Week.

Ich also in Mailand. Bei der Fashion Week. Passiert nicht oft, weil unser Fashion-Director Valerie dort deutlich besser aufgehoben ist. Aber cool ist es ja schon, und ich bin doch Chefredakteurin also bitte, danke Valerie check mir eine Einladung. Am besten für Dolce, immerhin DAS Highlight.

Alles easy, krieg ich die SMS, ein lieber Kollege bringt das Ticket mit, trefft euch doch am besten direkt on Location, schreibt die Frau Fashion Director. So soll es sein, ich hab mein einziges Dolce & Gabbana-Teil an und amüsiere mich über das Remidemi dort vor dem Eingang in der Viale Piave. Der Kollege kommt, gibt mir meine Karte und da steht: Valerie Z. drauf. Mich stört das ja nicht, grundsätzlich.

Nur aber leider sind dort die Herren von der Security immer sehr vorsichtig und der globale Terrorwahn hat da wenig Entspannung gebracht. Sie wollen also immer alles ganz genau wissen, wer wer ist und so. Deswegen muss sich jeder und jede ausweisen, Einladung hin oder her (naja, ich denke für Vogue-Chefin Anna Wintour machen sie eine Ausnahme). Und was hab ich? Eine Visitenkarte von der lieben Valerie. Gut, no risk no fun.

„Your ID please“, sagt der große Mann im schwarzen Anzug. Ich so: Tja, leider eh urblöd, aber ich hab nur die Visitenkarte mit. „Creditcard?“. Also nein, nur Cash, ich weiß ist so old school, aber mir taugts. „Show me your Facebook-Account!“ Naja, ich poste immer nur als Wienerin, gerade hab ich ein Livevideo (hier nachschauen) gemacht. Magst schauen? “Show me your Instagram-Account!” Langsam wird der große Mann genervt-böse und abgesehen davon, dass ich finde, ein Instagram-Account eignet sich nur bedingt zur Identifizierung im Ernstfall, will ich hier nicht noch eine neue Debatte. Mir reicht meine „Ich stehle gerade eine fremde Identität und fliege jede Sekunde auf“-Geschichte. Also sag ich artig: „Ich hab keinen Instagram-Account!“ Das war zu viel, wer bei der Fashion Show als Journalist gelten will, muss einen Instagram Account haben. Warum das nicht verhandelbar ist, erfahre ich eine Stunde später. Jedenfalls, der liebe Kollege, der die Einladung überreichte, merkt, dass ich hier nur noch drei Sekunden von Handschellen entfernt bin und macht das einzig richtige. Er schmust eine peripher bekannte D&G-PR-Frau verbal nieder und zieht mich mit ihrer „Erlaubnis“ an der Security-Mauer vorbei. Zum Glück hab ich mich früher oft bei Events/Konzerten/Discos reingemogelt, also hat sich mein Puls nur bedingt erhöht.

Bei der Fashion Show

Kurz denke ich noch nach, dass das natürlich schlechte PR gebracht hätte, wenn die Chefredakteurin der WIENERIN bei der Fashion Show wegen ID-Klau verhaftet worden wäre, aber da sitze ich längst auf meinem, Pardon, Valeries Platz und schau mir die richtig wichtigen Promis an. Das Ding ist nur: Ich kenn hier fast keinen und das liegt nicht an meiner mangelnden Society-Kompetenz.

Nach der Show werde ich von hunderten kreischenden Tenenager-Mädchen vor dem Eingang aufgeklärt. „Did you see Cameron Dallas?“ Ich so: „Nein, aber ich kenn Cameron Diaz.“ Belustigt von meinen eigenen Schmäh tippe ich Cameron Dallas bei Google ein. Der Bub hat … 15 Millionen (!) Follower – bei Instagram, er ist einer der mächtigsten Influencer der Welt. Ich atme tief aus und ich bin ehrlich fassungslos, dass ich ohne Instagram-Account da rein durfte. D&G, ihr müsst da nächstes Mal echt strenger sein.

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