Der Satz "Du bist zu dünn!" kann ernste Folgen haben

Eine neue Studie weist auf die Gefahren des "Thin-Shamings" hin.

Viele Frauen waren schon einmal in der Situation, auf ihr Gewicht angesprochen zu werden. Ob sie dabei als zu dick oder als zu dünn bezeichnet werden, macht wenig Unterschied - beides hat negative Folgen, wie jetzt auch eine Studie der North Carolina State University herausgefunden hat.

Das "Mager-Stigma" ist real


Die Studie sagt, dass Familie und FreundInnen versuchen können, die Diät einer Person zu sabotieren, auch unterbewusst. Lynsey Romo, die Studienautorin, sagt: "Oft wenn eine Person versucht, Gewicht zu verlieren, werden ihre Bemühungen durch Freunde, Familie oder Kollegen untergraben. Viele Menschen, die abgenommen haben, erhalten ein ,Mager-Stigma', Kommentare über ihr Gewicht und die Aufforderung doch wieder zuzunehmen."

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Romo hat 40 qualitativen Interviews mit Menschen geführt, die sich zum Zeitpunkt der Interviews als dünn bezeichnet haben, aber die früher übergewichtig waren. 21 davon waren Frauen, 19 waren Männer. Im Durchschnitt haben sie 35 Kilo verloren. Die Studienautorin sagt: "Alle 40 Studienteilnehmer haben berichtet, dass Leute in ihrer Umgebung versucht haben, ihre Bemühungen zu untergraben oder niederzumachen. Das nenne ich ,Mager-Stigma'."

Die Studie, die im Magazin Health Communicationveröffentlicht wurde, fand auch heraus, wie die Betroffenen mit der Negativität umgingen. Sie benutzten etwa spezielle Kommunikationsstrategien, um mit dem ,Mager-Stigma' umzugehen, um sowohl ihren Gewichtsverlust als auch ihre sozialen Beziehungen aufrecht zu erhalten. Sie betonten zum Beispiel, dass sie ihre Essgewohnheiten aus gesundheitlichen Gründen geändert hätten oder weil sie mehr Energie haben wollten. Sie fanden also Rechtfertigungen für ihr Gewicht.

Manche aßen dann demonstrativ etwas Ungesundes


Manche der TeilnehmerInnen fühlten sich aufgrund von Sagern wie "Du bist zu dünn" beschämt und würden dann bei Familienfesten kleinere Mengen von ungesundem Essen zu sich nehmen. Andere nahmen Essen von FreundInnen an, das sie normalerweise nicht essen würden - etwa Kuchen auf einer Party. Die Studienautorin gibt den Tipp, dem Umfeld vor einer Diät die Beweggründe klarzumachen, damit man sich später keine negativen Kommentare anhören muss. "Insgesamt zeigt die Studie, wie wichtig das soziale Umfeld bei Veränderungen des Lebensstils ist und wie wichtig die Rolle von Kommunikation dabei ist, diese Beziehungen zu navigieren", schreibt die Expertin.

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