Der mit den Puppen tanzt

Ausgerechnet eine Sex-Gummipuppe aus dem Internet beschert dem Ex-Kinderstar Ryan Gosling eine seiner besten Filmrollen.

Ausgerechnet eine Sex-Gummipuppe aus dem Internet beschert Ryan Gosling eine seiner besten Filmrollen. Dabei ist er das letzte Mal mit zwölf im Mickey Mouse Club mit seinen Obszönitäten aufgefallen. Wer nie mit einem Saubermann-Image kämpfen musste, geht wohl auch als Ex-Kinderstar nicht unter.

Text Julia Wagner Fotoswww.viennareport.at/Henny Garf, 2006 Senator Film

Man könnte sagen, dass Ryan Gosling der Erste war, der Britney Spears etwas über Sex beigebracht hat. Da waren sie gerade einmal zwölf und tanzten beide in der Kindersendung Mickey Mouse Club neben Kollegen wie Christina Aguilera oder Justin Timberlake. Und weil Gosling als Kind ziemlich versaut war, erzählte er seiner kreuz­braven Kollegin brühwarm alles weiter, was er von Erwachsenen aufschnappte. So was wie Stellungen im Bett und so. Bis sich Spears’ und Aguileras Mütter beim Disney-Konzern über ihn beschwerten.

Später fragte sich Gosling öfter, ob er etwas mit Britney Spears’ Werdegang zu tun habe. „Als ich sie am Höhepunkt ihrer Karriere ziemlich sexy mit dieser Schlange bei den MTV Awards tanzen sah, dachte ich nur: ,Ist das jetzt meine Schuld?‘“, sagt der 27-Jährige amüsiert.

Was aus der ehemaligen Sauberfrau geworden ist, kann man jeden Tag in den Klatschblättern nachlesen. Und aus dem Schmuddel-Teenie? Um es mit den Worten der renommierten New York Times zu sagen, ist Gosling heute „einer der aufregendsten Schauspieler seiner Generation“. Einer in der ­Tradition von Johnny Depp oder Sean Penn, die ganz in ihren Rollen aufgehen, bis man sie kaum wiedererkennt.

Warum aus dem ehemaligen Kinderstar kein koksendes Häufchen Elend wurde – wie aus so vielen seiner Leidensgenossen –, erklärt er so: „Ich habe es immer gehasst, ein Kind zu sein. Viele Gleichaltrige wurde ja eher dazu gezwungen, Kinderstars zu sein, aber ich wollte das immer selbst, weil ich ein Erwachsener sein wollte.“ Es kommt nicht von ungefähr, dass sein Spitzname in der Schulzeit Trouble war, weil er Regeln hasste und auf Hänseleien gerne mit Fäusten antwortete. „Ich war kein Sportler, konnte weder gut lesen noch schreiben. Meine Lehrer dachten, dass ich dumm sei, so wie ich selbst“, sagt er. Irgendwann kam er sogar in eine Klasse mit geistig behinderten Schülern. Seine Mutter, eine strenggläubige Mormonin, nahm Ryan dann ein Jahr aus der Schule, weil er von Mitschülern verprügelt wurde. Sie schmiss ihren Job hin und unterrichtete ihn zu Hause. In einem Monat waren sie mit dem Stoff der fünften Klasse durch und Gosling beschäftigte sich den Rest des Jahres mit Dingen, die ihn wirklich interessierten: die Beatles, Chet Baker, Bilder malen, Bibelfilme gucken – und zu Castings gehen.

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Lesen Sie über Ryan Goslings Aufstieg zum Star und über seinen neuen Film Lars und die Frauenin Ihrer Mai-WIENERIN.

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