Der hart umkämpfte Goldene Penis

Es ist wieder soweit: Der WIENERIN-Award des Jahres, der Goldene Penis 2017, ist vergeben und die 10 Preisträger haben sich mehr als würdig erwiesen. Österreich ist halt ein guter Boden für sexistische Aussagen, daher machen wir uns auch fürs kommende Jahr keine Sorgen.

Das Gerangel um die ersten Plätze war, wie bereits in den letzten Jahren, am Ende fast ein bisschen unübersichtlich. Da gab es ja einerseits die internationale #metoo-Debatte, die auch in Österreich für teils grenzwertige Diskussionen (nicht nur online, auch im Fernsehen) gesorgt hat. Dann gab es in den letzten Wochen noch die richtig radikalen Nestbeschmutzerinnen, die sich sogar dazu aufschwangen, den Heiligen Gral aka ÖSV und Skizirkus mit seiner sexuell-übergriffigen Vergangenheit zu konfrontieren. Und das bitteschön grad zum Start der Skisaison und obwohl "wir echt andere Aufgaben haben", wie es ein völlig entnervter ÖSV-Sportdirektor Hans Pum auf Puls4 nur noch schnaubend kommentieren konnte.

Lächerlich? Sexistisch!

Tja, andere Aufgaben, das war und ist auch schon das Stichwort für unseren diesjährigen Gewinner des "Goldenen Penis". Viele Kommentatoren, wie etwa auch Hans Rauscher im Standard, fanden nur ein Wort dafür: Schwachsinn. Andere meinten: Lächerlich, willkürlich, typisch österreichisch und so weiter. Die internationale Presse lachte uns aus, weil kleine süße Maskottchen plötzlich von der Polizei "beamtshandelt" werden mussten und weil sich rund um Halloween irgendwie niemand mehr auskennen wollte, ob und seit wann der US-Brauch jetzt auch zum Brauchtum gehören soll.

Die WIENERIN kommt zum Schluss: das Verhüllungsverbot (Antigesichts-Verhüllungsgesetz oder AGesVG), in Kraft seit 1. Oktober 2017, ist nicht nur Schwachsinn, sondern eindeutig das sexistischste Ding, das der Bundesregierung unter Federführung des ÖVP-Innenministers Wolfgang Sobotka im letzten Jahr eingefallen ist. Und zwar mehrfach. Einmal, weil es ja eigentlich gegen muslimische Frauen gerichtet hätte sein sollen. Blöderweise wäre dieser Einschnitt in die Religionsfreiheit nicht verfassungskonform gewesen, daher hat man sich so einen diffusen Text ausgedacht, der selbst ganz artige SchalträgerInnen am Fahrrad in den Polizei-Fokus rücken (dafür gibt es jetzt das gar lustige Schal-Legal-Spiel im Internet). Zum Zweiten, weil der angebliche Schutz der Frauen vor männlicher Bevormundung (Motto: "Ich setz dir eine Burka auf, damit dich kein anderer Mann sehen kann") dazu führt, dass meist männliche Polizeibeamte Frauen bitten sollen, sich zu enthüllen. Wie das in echt aussieht, haben uns die Kollegen in Nizza ja schon gezeigt.

Skipisten in der Sahara

Und zum dritten, weil dem Innenminister tatsächlich daran gelegen schien, muslimische Frauen zu verhetzen und auszugrenzen. Und zwar im vollen Bewusstsein, dass die komplette Vollverschleierung in Österreich ungefähr so ein brennendes Thema ist wie die richtige Skipistenpräparierung in der Sahara. Die Folge: Natürlich richten sich jetzt alle ausgrenzenden Blicke auf ganz normale Kopftuchträgerinnen. Daher ist das unsere Nummer 1. Tusch!

Doch wie gesagt, es gibt viele, die aufs Stockerl wollen. Geschafft hat es Schauspielerin Nina Proll mit ihrer ganz eigenen Art von Empowerment. Vieles dazu wurde schon geschrieben, eines ist uns aber dazu noch aufgefallen. Es ist unrichtig und unfair, Männern generell jede Art von Empathie und Reflexion abzusprechen, wie es Nina Proll im Interview mit Profil auf die Frage, ob Männer zwischen Kompliment und Übergriff unterscheiden könnten, deutlich machte: "Ich glaube nicht, dass Männer tatsächlich dazu in der Lage sind." Dafür und auch dafür, dass ihr unsere Nr. 3, Felix Baumgartner, heftig zu ihrem Rundumschlag gratulierte, macht sie zur Nr. 2. Der Felix hat es nach einem Jahr Absenz auch wieder in die Top-3 geschafft. Und zwar mit noch einer bemerkenswerten Aktion, nämlich ganz offen sexistisch gegen Puls4 Infochefin Corinna Milborn und ihren Körper zu posten.

Die restlichen Plätze wurden nach medialem Wellengang von unserer Redaktion vergeben, da war der künftige ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz dabei, der SPÖ-Mandatar Götz Schrage, der Ex-Grünen-Mandatar Peter Pilz, das stark diskutierte Palmers-Plakat und - ja, auch -, die WIENERIN selbst hat es in die Top-10 geschafft. Was wir damit sagen wollen? Sexismus ist kein Ding, das nur von Männern weitergetragen wird. Es geht uns alle an. Männer, Frauen, Medien, die ganze Gesellschaft. Denn es geht schlicht darum, ein sexistisches Klima zu erkennen, es zu benennen und versuchen, es zu ändern. Einfach deshalb, weil es sich ohne diese schlüpfrigen, oft so dumpfen oder massiv herabsetzenden Aussagen und Handlungen besser lebt.

Ironie bitte wieder "on" - ohne Sexismus

Es ist gut für alle, auch wenn Sexismus mit all seiner Schlüpfrigkeit so juicy zu sein scheint. Um das zu ändern, werden wir noch öfter in die Vergangenheit blicken müssen und dieser Blick wird wehtun, aber wenn wir wirklich was besser machen wollen für kommende Generationen, dann zahlt sich das aus.

Und insofern ist der "Goldene Penis" der WIENERIN auch ein Award, der Ironie in sich trägt. Weil was wir wirklich gar nicht glauben ist, dass mit dem Ende des Sexismus auch der Schmäh verstummen würde. Als kleines humorvolles Zeichen bekommen erst mal die Top-3-PreisträgerInnen in den nächsten Tagen ein hübsches und liebevoll gestaltetes Packerl zugestellt. Ein ganz besonderes schicken wir übrigens unserem Dauergast im Bewerb, Ex-NAbg. Marcus Franz, den wir furchtbar gerne mit dem Platin-Penis fürs Lebenswerk auszeichnen.

Unsere herzlichsten Glückwünsche an die verdienten PreisträgerInnen!

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