Der Grund, warum du in Beziehungen bleibst, die dich nicht (mehr) erfüllen

Eine neue Studie sagt: es hat nichts mit der Angst vor dem Alleinsein zu tun.

Viele kennen die Situation: man ist als Paar lange zusammen, alles läuft irgendwo so dahin - aber so richtig glücklich ist man zusammen nicht mehr. Und trotzdem bleibt man zusammen. Aber warum eigentlich? Dieser Frage ging eine aktuelle Studie aus dem Journal of Personality and Social Psychology auf den Grund, und kam zu einem überraschenden Ergebnis.

Unglückliches Paar

An der Angst davor, "alleine zu enden", liegt es nämlich nicht. Vielmehr jedoch an der Angst, dem Partner/der Partnerin damit etwas Schlechtes anzutun, so Studienleiterin Samantha Joel. "Je mehr die Menschen glauben, dass der Partner/die Partnerin abhängig von ihnen und der Beziehung ist, desto weniger wahrscheinlich werden sie eine Trennung initiieren." 

Für die Studie hat Joel mit anderen ForscherInnen 500 Menschen befragt, die bereits in einer romantischen Beziehung von durchschnittlich 38 Monaten sind, aber darüber nachdenken, sich zu trennen. Zwei Monate später schauten sich die ForscherInnen dann an, wer geblieben ist, und warum. 

Ist der Wunsch nach einer sicheren Beziehung purer Egoismus?

Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Dauer der Beziehung, die hineingesteckten Ressourcen und Emotionen Faktoren bei einer Trennung sein können. Auch das Gefühl, später alleine oder frustriert übrig zu bleiben, sei ein Grund, warum manche in einer unerfüllten Beziehung bleiben, sagt die Psychologin.

Doch was diese Studien alle nicht untersucht haben: dass nicht nur Eigeninteresse eine Rolle spielt. Auch altruistische Motive können und sind ein Grund, warum Menschen in Beziehungen bleiben, aus denen sie eigentlich lieber ausbrechen würden.

Wir wollen unsere PartnerInnen nicht verletzen, und denken darüber nach, was sie möchten oder nicht möchten.

Samantha Joel, Psychologin

Wenn PartnerInnen also das Gefühl haben, der/die Andere wäre angewiesen auf diese Beziehung und noch stark emotional investiert, ist eine Trennung unwahrscheinlich(er). Joel: "Ganz allgemein kann man sagen: wir wollen unsere PartnerInnen nicht verletzen, und denken darüber nach, was sie möchten oder nicht möchten."

Was jedoch auch klar ist: oft können Menschen nicht realistisch einschätzen, was die andere Person tatsächlich möchte oder wie schmerzhaft eine Trennung wirklich für ihn/sie wäre. Deshalb rät die Expertin: wenn sich die Beziehung nicht bessert, ist es immer besser zu gehen. "Wer will schon einen Partner/eine Partnerin, der/die nicht wirklich in der Beziehung sein will?"

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