Der goldene Penis 2019 - Das Sexisten-Ranking

Sexismus-Vorwürfe mit einem Urlaub aussitzen, ungenierte Täter-Opfer-Umkehr und Mansplaining auf „hohem“ Niveau: die Top Ten der sexistischsten Aktionen des Jahres

Dezember, der Monat in dem es klassischerweise Preise, Rankings und Rückblicke regnet. Bei der WIENERIN blicken wir auch zurück. Allerdings auf die weniger rühmlichen Momente der vergangenen zwölf Monate und zeichnen die sexistischsten Aktionen mit dem Goldenen Penis 2019 aus.

Denn davon gab es leider auch dieses Jahr eine ganze Menge - Grund genug, sie hervorzuheben. So einfach möchten wir ihnen ihren Sexismus nämlich nicht durchgehen lassen. An dieser Stelle ein Special Shoutout an einen Herren, der es leider aufgrund unseres Redaktionsschlusses nicht mehr ins Ranking geschafft hat: der Tiroler SPÖ-Politiker Georg Dornauer. Wir erinnern: Er meinte über eine bettlägrige Politikerkollegin, dass er sie sich "nicht in der Horizontalen" vorstellen wolle. Nach Kritik rechtfertigte er den Sager als "flapsig" und meinte, Sexismus fange "beim Empfänger [sic?!] an" (mehr dazu hier). Tatsächlich ist Sexismus die Herabwürdigung einer Person aufgrund ihres Geschlechts - wer das nicht versteht, hat in der Politik nichts verloren. Schade, dass selbst die ÖVP, die in diesem Jahr ebenfalls (mehrfach!) an prominenter Stelle im Ranking vertreten ist, hier mehr Durchschlagskraft gegen Sexismus bewies als die roten Politiker-KollegInnen - sie schloss Efgani Dönmez nach einem sexistischen Tweet aus der Partei aus, Dornauer ist nach wie vor im Amt.

Ein Ranking wie der typisch österreichische Vorstand

Unsere diesjährige Riege der PreisträgerInnen sieht jedenfalls wenig anders aus als der typische österreichische Unternehmensvorstand: Die Top Ten der größten SexistInnen des Landes sind 2018 beinahe ausschließlich männlich (das war nicht immer so, wir erinnern uns etwa an Nina Proll, die es mit ihrer Unverständnis über #metoo letztes Jahr auf Platz 2 schaffte). Trotzdem geben die Quotenfrau gleich wir selbst – und zwar mit gutem Grund.

Außerdem geht nach der Überreichung des Platin-Penis im vergangenen Jahr an Marcus Franz der Spezial-Preis heuer ins Ausland. Anwärter darauf gibt es viele.

Wer ihn bekommt? Hiermit präsentieren wir feierlich unsere Top-Ten.

Der Goldene Penis: Die 10 sexistischsten Aktionen des Jahres

Goldener Penis 2019

Platz 1: Der Facebook-Account des Craftbeershop-Besitzers - Wem auch immer er gehorcht

Der goldene Penis 2018 Platz 1

„Da du prominent bist, f*** ich dich gerne in deinen fetten Arsch, damit dir einer abgeht, du kleine, dreckige Bitch!“ Ekelhafte Nachrichten an Sigi Maurer, von einem Craftbeershop-Facebook-Account, der mittlerweile jedem in Österreich ein Begriff ist (WIENERIN berichtete). Aber wer hat’s verschickt? Der Besitzer will’s jedenfalls nicht gewesen sein. Und damit bekam er auch vor Gericht recht – trotz massiver Zweifel seitens des Richters. („Ich bin überzeugt, dass der Kläger lügt.“) Kurzum: Es gibt keine Möglichkeit, gegen sexistische, frauenfeindliche Hassnachrichten vorzugehen. Ernüchternd – nicht nur für Sigi, sondern für alle Frauen in Österreich. Ein verdienter Platz eins.

Platz 2: Die Türkis-Blaue Regierung

Der goldene Penis 2018 Platz 2

Beginnen wir bei einem Regierungsprogramm, das von zig Seiten ganze zwei der Frauenpolitik widmet. Setzen wir fort mit einer Politik, die Benefits für die Oberschicht auf dem Rücken sozial Benachteiligter garantiert – Alleinerzieherinnen, Pflegerinnen, Migrantinnen. Schlicht: einer Politik der Ungleichberechtigung. Wir würden gerne mit etwas enden, aber wir befürchten: Es ist noch nicht vorbei.

Platz 3: Efgani Dönmez, Ex-ÖVP-Abgeordneter

Der goldene Penis 2018 Platz 3

Im „Moment der Schwäche“ kann einem schon mal ein sexistischer Tweet rausrutschen, gell? Dönmez zwitscherte in einer Nacht des Septembers 2018: Man solle sich die Knie der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli anschauen, um eine Antwort darauf zu finden, warum sie ihre Position bekommen hat. Eine Schelmin, die eine Anspielung auf Fellatio um der Karriere willen vermutet. Oder Realistin …

Platz 4: Gustav Kuhn, Dirigent der Tiroler Festspiele Erl

Der goldene Penis 2018 Platz 4

Fünf Künstlerinnen erheben im Juli Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Festspielintendanten von Erl. Kuhn bestreitet alles vehement und verklagt die Frauen. In einem ORF-Interview versucht er sich an einer Definition von sexuellen Übergriffen und erklärt, die Opfer seien vielleicht gekränkt und würden ihn deshalb beschuldigen. „Das passiert ja immer wieder leider.“

Platz 5: Peter Pilz, Liste P.. ähh Jetzt

Der goldene Penis 2018 Platz 5

Sexismus-Vorwürfe können die Karriere eines Mannes zerstören, heißt es. Nun, Peter Pilz ist wohl das beste Beispiel dafür, dass diese Angst unberechtigt ist: Nachdem im Vorjahr Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den Politiker öffentlich wurden, ging Pilz „auf Urlaub“ und kehrte einige Wochen später in die Politik zurück. Ein Vorbild für die Männerwelt? Wir hoffen nicht.

Platz 6: Roman Rafreider, ORF-Moderator

Der goldene Penis 2018 Platz 6

Der ORF-Anchorman lieferte uns dieses Jahr eine Täter-Opfer-Umkehr par excellence: Nachdem Vorwürfe der häuslichen Gewalt öffentlich wurden, ließ er es sich nicht nehmen, über den psychischen Zustand seiner Ex zu lamentieren. Neu ist das nicht: Mutmaßliche Opfer erscheinen weniger glaubwürdig, wenn sie als „verrückt“ gelten. Dafür gibt’s einen prominenten Platz im Ranking.

Platz 7: Papst Franziskus, Pontifex

Der goldene Penis 2018 Platz 7

„Als ob man einen Killer anheuern würde, um ein Problem zu lösen“: So äußerte sich der Papst kürzlich zu Abtreibungen und stellte sie damit mit Auftragsmord gleich. Franziskus rechtfertigte seine Aussagen mit dem „Schutz anderer Rechte“. Schade nur, dass er dabei die Rechte jener Frauen vergessen hat, die sich wegen restriktiver Abtreibungsgesetze in Lebensgefahr begeben müssen …

Platz 8: Michael Ludwig, Wiens Bürgermeister

Der goldene Penis 2018 Platz 8

Er glaube, es sei „eine sehr starke persönliche Belastung, den Parteivorsitz und den Klubvorsitz zu übernehmen“, gab Ludwig zur Ernennung Pamela Rendi-Wagners als SPÖ-Chefin zu bedenken. Für eine Partei, die mehr als 100 Jahre gebraucht hat, um eine Frau an die Spitze zu stellen, dürfte das ungewohnt sein – anders ist dieser Mansplaining-Aussetzer auch nicht zu erklären.

Platz 9: Jens Jessen, deutscher Journalist

Der goldene Penis 2018 Platz 9

Ein Wutausbruch, den niemand gebraucht hat – den hat uns der deutsche Journalist Jens Jessen geliefert. Der jammerte in der "Zeit" darüber, dass alte, weiße Männer fünf Sekunden lang nicht das Wort haben. Die Rede ist natürlich von #metoo, für Jessen ein „Willkürregiment“, ausgelöst von einem „feministischen Volkssturm“. So viele Männertränen …

Platz 10: WIENERIN

Der goldene Penis 2018 Platz 10

Wer sich als Feministin für fehlerlos hält, werfe den ersten Stein: Wie im vergangenen Jahr verleihen wir uns selbst den zehnten Platz. Denn wir erwischen uns dabei, internalisierten Sexismus zu verbreiten, lassen uns von aufgeheizten Debatten mitreißen und verlieren uns dabei in unserer eigenen Blase. Dabei vergessen wir, dass gegen Sexismus vor allem eines hilft: darüber reden.

Der Platinpenis

Platinpenis

Letztes Jahr verliehen wir erstmals nicht nur in gold, sondern auch "platin". Der "Platinpenis" für das Lebenswerk ging an All-Time-Ranking-Platzhalter Marcus Franz, der mit seinen sexistischen Aussagen gleich mehrere Jahre hintereinander immer wieder für Aufreger sorgte.

Dieses Jahr geht der "Platinpenis" ins Ausland. Der Preisträger mag zwar einige zehntausend Kilometer von Österreich entfernt sein, seine zutiefst misogynen und sexistischen Aussagen kamen aber auch hierzulande an. Der ultrarechte Politiker Jair Bolsonaro, kürzlich zum Präsidenten Brasiliens gewählt, ist ein stetiger Reminder dafür, dass es immer noch ein bisschen schlimmer geht ("Frauen gehören in die Küche und sollten Kinder kriegen") und, dass wir kein hart-erkämpftes Recht für selbstverständlich nehmen dürfen.

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