Der ewige Junge

Moderne Männer sind Teenies – und das bis zum Rentenalter. Verantwortung können sie nicht buchstabieren, dafür aber wochenlang von nichts als Korn und Cornflakes leben. Männer, die nicht erwachsen werden wollen, sind ein Gesellschaftsphänomen.

Warum den Männern die Lust am Erwachsenwerden abhanden gekommen ist, darüber streiten Experten weltweit. Hier die Bestandsaufnahme einer noch sehr jungen Forschung in Zitaten.

Die Ursachen

  • "Für Jugendliche lohnt es sich nicht mehr erwachsen zu werden. Was reizvoll am Erwachsenenleben ist, dürfen sie ja bereits schon", schreibt die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung in ihrem Themenblatt Hotel Mama

  • "Dem Peter-Pan-Syndrom" liegt eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung zugrunde. Die Betroffenen fühlen sich vom Vater abgelehnt, sind verunsichert. Sie überspielen ihr mangelndes Selbstwertgefühl mit Prahlerei und coolem Machogehabe", erklärt Psychologin Doris Huber.

  • "In der Diskussion über die Emanzipation der Frau und ihre Doppelbelastung kommt die Rolle des Mannes viel zu kurz. Ihre bisherige Rolle als Haupternährer haben die Mäner weitgehend verloren. Eine andere wurde noch nicht definiert. Also ziehen sie sich in ihre eigene Interessenwelt zurück", sagt Freizeitforscher Horst W.Opaschowski.

  • " Auch einst positive männliche Qualitäten, wie Mut und Unerschrockenheit, wie Prinziptreue und Ehre, wurden gesellschaftlich umgedacht. Mut wurde z.B. als Agressivität denunziert, aus der guten alten Prinzipientreue wurde Rücksichtslosigkeit und Verdrängung", schreibt Walter Hollstein, Professor für Geschlechterforschung.

Die Lösungsansätze

  • "Wir sollteneiniges neu angehen. Etwa die nie zu Ende gedachte Vorstellung einer reifen Männlichkeit, die die Hege der Kinder und die Gleichheit zwischen den Geschlechtern begrüßt", mein Historiker Gary Cross
  • "Nach welchen Werten sich Männer orientieren sollen? Mut! Grenzen setzen! Dinge durchziehen! Es gilt, den Schalter von Passivität auf Aktivität umzulegen. Es geht nicht um den Applaus der Frauen, nicht daruf wie es aussieht. Wer cool sein will, liegt prinzipiell falsch", meinen Andreas und Stephan Lebert, die Autoren von Anleitung zum Männlichsein.

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Erst lacht man mit und über ihn. Dann klingt der erste Gefühlsrausch ab – und er nur noch wie ein Clown.

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