Der Club der alten Väter

Früher kauften sich alternde Hollywood-Stars eine Harley. Heute legen sie sich eine Familie zu. Nichts kaschiert den Bierbauch schließlich so gut wie ein schwangeres Honeybunny im Arm. Ein VIP-Report über die neuen Männer, die sich als alte Väter entpuppen.

Kombis gelten gemeinhin als unsexy. Nicht so in Hollywood. Hier erfreut sich der Fünftürer wachsender Beliebtheit. Denn Hollywoods alternde Stars haben erkannt, dass man in der Midlife-Crisis imagemäßig gut beraten ist, sich statt einer Harley-Davidson eine Familie zuzulegen. Wahrhaft cool ist nicht etwa der Easy Rider mit der Bikerbrille, sondern der Daddy mit dem Kindersitz. Im Mai wird Kevin Costner dem Club der Kombifahrer beitreten. Und freut sich schon drauf. Denn: "Nichts hält so jung wie ein Baby."

Junge Frau, alte Geschichte.

Multimilliardär Donald Trump betreibt diese Art der Verjüngung quasi schon institutionell. Im 12-Jahres-Rhythmus lässt er sich scheiden, um sodann mit einer deutlich Jüngeren als der Verflossenen ein Kind zu zeugen. So verließ er 1992 Ivana, damals immerhin schon 43, und die drei Kinder für die 29-jährige Marla Marples, die ihm 1993 Tochter Tiffany gebar. Sie wiederum wurde 2005 durch das Model Melania ersetzt, sieben Jahre jünger. Mit ihr zeugte The Don Sohn Barron. Frei nach dem selbst erklärten Motto: "Ich zeuge Kinder, also bin ich jung." Dass sein Nachzügler nur gut anderthalb Jahre älter ist als sein Enkelkind, das ihm sein Erstgeborener Donald Trump Jr. im Sommer 2007 geschenkt hat, ist ein Schönheitsfehler, der den Immobilien-Tycoon herzlich wenig stört: "Ist doch prima. Dann können sie zusammen spielen."

"Männer wie Donald Trump, Mick Jagger oder Paul McCartney nennen wir Posterdaddys'", plaudert Jeremy Ritzlin, Hollywood-Psychologe mit Star-Klientel, aus dem Therapeuten-Nähkästchen. "Sie lassen sich im Anzug ablichten, an der Hand eine junge Frau, auf dem Arm ein Baby. Und beide bestätigen lächelnd: 'Der bringt's noch.'" Der britische PR-Guru Simon Fuller bezweifelt allerdings, dass dieses Konzept aufgeht: Ein alter Mann mit Neo-Familie mache sich verdächtig, über sein Alter hinwegtäuschen zu wollen – und genau das ließe die Boulevard-Presse nicht zu: "Die spottet nur, Tenor:,Er hat das Geld, sie die Jugend',,Er hat die Erfahrung, sie den Körper',,Sie hat einen Vaterkomplex, er eine Midlife-Krise'. Und wie die Schlagzeile, Vater mit 65' zu einem weniger angegrauten Image beitragen soll, ist mir auch schleierhaft."

Immerhin: Psychologisch kann dem Modell Alter-Mann-nimmt-sich-junge-Frau eine positive Wirkung auf das "gefühlte Alter" nicht abgesprochen werden: "Die junge Frau ist das Vitalfutter des alten Mannes, ein Serum gegen schwindende Lebenskräfte, ein unbeschriebenes Blatt, auf dem er seinen Lebensroman noch einmal von vorne schreiben kann", sagt die Psychologin Charlotte Hetzer.

Vergessene Kinder.

Leider kommt es bei der Neufassung des Lebensromans oft zur Selbstzensur: Weniger glamouröse Kapitel werden einfach aus der Vita gelöscht - inklusive (unehelicher) Kinder. Eines von ihnen ist Sarah Streeter. Die heute 43-Jährige leidet sehr darunter, dass ihr Vater, Rockbarde Rod Stewart, zwar regen Kontakt zu seinen anderen sechs Sprösslingen aus immerhin vier Beziehungen hat, zu ihrer Hochzeit im Juli 2004 aber nicht erschienen ist. "Ich erwarte nicht, dass er mich zum Altar führt - schließlich haben wir uns in den vergangenen 25 Jahren nur einmal jährlich getroffen. Aber eine handgeschriebene Karte wäre nett gewesen." Stattdessen gab's einen Gutschein über 7.500 Euro für das Nobelkaufhaus Harrod's. Den Sarah nie eingelöst hat: "Ich will nicht, dass er glaubt, es ginge mir um sein Geld", erzählte sie dem Sunday Mirror. "Ich möchte, dass er sich öffentlich zu mir bekennt."

Doch diesen Wunsch hat Rod seiner Tochter nie erfüllt. Im Gegenteil. Anfang 2006 präsentierte der 61-Jährige der Presse stolz Söhnchen Alistair als "mein sechstes Kind". Sarah hatte er bei der Zählung seines Nachwuchses schlicht vergessen. Eine Tochter, die sieben Jahre älter ist als die Lebensgefährtin, macht wohl keinen jungen Fuß. "Das tat weh", gestand Sarah. Auch dass sie ihre Halbgeschwister nie kennengelernt hat, schmerzt sie. "Ich bin nicht neidisch, dass sie privilegiert aufgewachsen sind", sagt Sarah, die wenige Tage nach ihrer Geburt von ihrem Vater und ein paar Monate später auch von ihrer Mutter, der Malerin Susannah Boffey, verlassen und zur Adoption freigegeben wurde. "Aber ich wäre auch gerne Rods Tochter."

Hinter Vaterfreuden jenseits der Midlife-Crisis ausschließlich ein "Verjüngungsmotiv" zu vermuten, wäre aber nur die halbe Wahrheit. Manche späten Väter wollen einfach eine zweite Chance: "Sie verlassen irgendwann ihre Erstfrau, um einen neuen Anlauf zu wagen. Sie genießen dann das Familienleben, das sie zuvor der Karriere geopfert haben", sagt Jeremy Ritzlin, Hollywood-Psychologe.

Zweiter Anlauf.

Einer von ihnen ist Michael Douglas. Während Zweit-Gattin Catherine Zeta-Jones rund um den Erdball Filme dreht, geht er langsam in Rente und kümmert sich daheim um Töchterchen Carys Zeta und Söhnchen Dylan Michael. Mr. Douglas gilt heute als Hollywoods Vorzeige-Dad. Vor fünfundzwanzig Jahren, als sein Sohn aus erster Ehe mit Diandra noch im Sandkasten krabbelte, hätte man ihm dieses Prädikat wahrscheinlich nicht verliehen: "Ich war nicht wirklich da für Cameron. Als er geboren wurde, steckte meine Karriere gerade in einer Krise. Also habe ich mich um sie gekümmert, und nicht um ihn", bekennt Michael Douglas. "Ich glaube, einem Mann unter vierzig ist vieles wichtiger als Kinder. Und auch einem Vater unter vierzig ist vieles wichtiger als Kinder." In der Scheidungsklage soll Diandra diesen Aspekt sogar als den ausschlaggebenden für die Trennung angegeben haben - noch vor seiner Sexsucht. "Erst mit Mitte 60 habe ich die Zeit und die Muße gefunden, wirklich Vater zu sein. Ich habe mein Leben völlig nach den Kindern ausgerichtet", sagt Michael Douglas.

Auch David Bowie bekennt, dass er erst mit 53 wirklich bereit für ein Kind war. Als sein Erstgeborener, Sohn Duncan, 1971 zur Welt kam, hatte der Popstar ganz andere Probleme als volle Windeln. Er bastelte gerade an seinem Comeback mit Ziggy Stardust und laut seiner damaligen Frau Angela befand er sich auch in einer "sexuell verwirrenden Phase". Sie will ihn Anfang der 70er mit Mick Jagger im Bett erwischt haben, was Bowie aber anwaltlich dementieren ließ. Wie auch immer: 1992 heiratete er das Model Iman und bekam im Jahr 2000 Töchterchen Alexandria. "Wir haben sehr lange und geduldig auf dieses Kind gewartet. Iman und ich wollten beide, dass die Voraussetzungen perfekt sind. Unser Kind hat es verdient, dass wir voll und ganz für es da sein können. Mit Anfang 50 war die richtige Zeit für mich gekommen."

Jetzt, mit 62, habe ich die Zeit und die Muße, wirklich Vater zu sein.
Michael Douglas

Neben den Zweitberufenen hat der Hollywood-Psychologe Jeremy Ritzlin unter seinen VIP-Klienten noch eine weitere Gruppe ergrauender Zeuger identifiziert: die Zuwarter. "Diese Männer wollen erst mal ihr unabhängiges Leben und Lieben im Glamourbiz genießen", sagt er. Sie nehmen sich die Freiheit, die nur Männer haben: sich erst nach vierzig festzulegen. "Wenn sie dann merken, dass man der Midlife-Crisis auf einer Harley nicht davonfahren kann, kommt unweigerlich die, Soll das schon alles gewesen sein?'-Frage. Und in dieser Krise sind sie dann bereit, erwachsen zu werden - und: Vater." Während die Natur die Frau irgendwann aus dem Genpool nimmt, darf der Mann bis ins hohe Alter darin planschen. Wie etwa Sky Dumont, der mit 54 erstmals Vater wurde, Roman Polanski, der mit 60 anfing, Windeln zu wechseln, oder Richard Gere, der erst mit 51 Jahren bereit für Kinder war.

Die Schönen und Reichen sind nicht etwa Vorreiter dieses Lebensmodells, sie sind nur die sichtbare Spitze eines demografischen Eisbergs. Der Genderreport der deutschen Familienministerin berichtet von einem neuen Phänomen in den Industrieländern: der 35plus-Vaterschaft. In den vergangenen 15 Jahren hat sich z.B. in Deutschland nicht nur die Zahl der Erstgebärenden jenseits der Mitte 30 fast verdreifacht, sondern auch die der "späten" Väter.

Alter Mann, guter Vater?

Bleibt nur eine Frage offen: Sind ältere Männer gute Väter? Der Autor und Zeit-Kolumnist Harald Martenstein, selbst 60 und Vater eines 19-Jährigen, erkennt jedenfalls deutliche Vorteile an den Spätberufenen: "Die Frauen können Beruf und Familie miteinander vereinbaren, weil zu Hause der alte Herr herumtüftelt, Breichen für sich und das Baby kocht und aus der Nibelungensage vorliest. Alte Männer sind bessere Väter, das sieht man auf jedem Spielplatz. Die jungen Väter wedeln auf dem Spielplatz mit ihrem Brusthaar und fassen am Klettergerüst die Au-pair-Mädchen an. Die alten Väter bauen mit ihren altersfleckigen Händen Sandburgen im Stile des Architekten Behnisch. Alte Männer basteln gerne, sie sind gelassener, sie brauchen weniger Schlaf, aber auch weniger Sex. Sie haben also nachts, wenn das Baby schreit, eine Menge Freizeit."

Soziologen und Psychologen sind sich des Nutzens später Vaterschaft nicht ganz so sicher. Zwar sei die 45plus-Fraktion reifer, ruhiger, finanziell abgesichert, doch ob das dem Nachwuchs wirklich nütze ...? "Wir wissen mittlerweile einiges über die Lebenssituation später Väter und Mütter, nicht aber über die der Kinder und wie sie mit der Tatsache, alte Eltern zu haben, umgehen", sagt der Grazer Erziehungswissenschaftler Werner Lenz.

"Auch darf man eines nicht vergessen: Eine späte Vaterschaft bringt auch ein nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko für den Nachwuchs. Studien zeigen: Väter über 40 haben ein steigendes Risiko, Kinder mit gesundheitlichen Problemen zu zeugen, wie Schizophrenie, Autismus, bestimmten frühkindlichen Krebsarten, Zwergenwuchs, Erbkrankheiten ...", sagt Andrew Wyrobek vom Lawrence Livermore National Laboratory.

Mini Me.

Solche Statistiken interessieren in Hollywood wenig. "In ihrer privilegierten Stellung fühlen sich viele meiner Klienten nicht betroffen", sagt VIP-Therapeut Jeremy Ritzlin. "Viele sind Narzisse. Sie wollen einen Mini Me zeugen. Jemand, der ihren Namen bewahrt, wenn sie nicht mehr sind."
Immerhin: Einsicht macht sich breit. Michael Douglas hat mit der Familienplanung abgeschlossen: "Ich ziehe es vor, den Schulabschluss meiner Kinder aufrecht stehend zu erleben, anstatt im Rollstuhl hingeschoben zu werden", sagt er. Donald Trump hält dagegen: "Jeder Mann, der zeugen kann, sollte Vater werden."

Alte Väter – kranke Kinder?
Mit dem Alter des Vaters steigt auch das Risiko einer psychischen Erkrankung bei Kindern. Eine Studie aus den USA und Schweden bringt dabei neue Erkenntnisse. Denn sie zeigt, dass gerade dieses Kriterium eine viel größere Rolle spielt als bisher vermutet wurde.

Werdende Väter brauchen Folsäure
Wenn eine Frau schwanger werden will, sollte sie bereits vor Eintritt der Schwangerschaft vermehrt Folsäure konsumieren, um so das Risiko eines offenen Rückens beim Kind zu minimieren. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass auch die Ernährung der Väter eine wichtige Rolle spielt.

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