Der Caine war sein Schicksal

Michael Caine gegen Jude Law: Wie geht der Kampf der Star-Giganten aus – im Film und im wirklichen Leben?

Ein erfolgreicher Krimiautor im tödlichen Katz-und-Maus-Spiel mit dem jugendlichen Liebhaber seiner Frau: Michael Caine gegen Jude Law. Wie geht der Kampf der Star-Giganten aus – in Ein Mord für zwei – und im wirklichen Leben?

Text Peter Hiess Fotos Marcel Hartmann/Exclusive by Getty Images, Cinetext, Filmladen Filmverleih

Der einzige Zweck seines Lebens besteht darin, möglichst viele hübsche Mädchen flachzulegen. Die Rede ist von Alfie. Gespielt von Michael Caine, 33. Wir schreiben das Jahr 1966 und Alfie ist die Verkörperung des Swinging London. Bei seinen Affären lässt er gebrochene Herzen zurück – aber das seien nun mal „Lektionen fürs Leben“. Erst als er sich selbst verliebt, zahlt er drauf: Shelley Winters lässt ihn wegen eines jüngeren Liebhabers sitzen ...
Wir schreiben das Jahr 2004. Jude Law, 32, ist nun Alfie: ein britischer Limousinen­chauffeur in Manhattan, der einen One-Night-Stand nach dem anderen abschleppt. Erst als er die Geliebte seines besten Freundes verführt, wird’s schwierig – und er lernt wertvolle Lektionen über das Leben und die Liebe, wie das in US-Filmen der Nuller-Jahre üblich ist. Das Remake wird ein verdienter Flop. Ein Kritiker schreibt, dass Law „einfach das Zynismus-Reservoir fehlt, aus dem sich Caine so mühelos bedienen konnte“.
Caine: 1/Law: 0 Punkte.

„Michael hatte in den 60er-Jahren in England dieselbe Wirkung auf das Publikum wie Humphrey Bogart in Amerika“, sagt Jude Law. „Vorher versuchten die Amis englisch zu klingen; dann kam Bogey und war einfach Bogey. Bei Michael war es genauso – plötzlich konnte ein britischer Schauspieler blond sein und Dialekt sprechen.“
Michael Caine ist ein echter Cockney. Geboren 1933 als Maurice Joseph Mickle­white im Londoner Stadtteil Rotherhithe, Sohn eines Lastenträgers am Fischmarkt und einer Putzfrau, mit 15 Schulabschluss, dann Gelegenheitsjobs und zum Militär, wo er im Koreakrieg kämpft. Nach Anfängen bei Theater und Fernsehen macht er ab 1964 Filmkarriere – als arroganter britischer Offizier in Zulu und hornbrillentragender Agent Harry Palmer in Ipcress – Streng geheim. Seither ist er neben Jack Nicholson der einzige Schauspieler, der in jedem Jahrzehnt seit den Sixties für den Oscar nominiert wird – und ihn auch zweimal bekommt (für Hannah und ihre Schwestern und Gottes Werk und Teufels Beitrag).
Jude Law ist ein echtes Bürgersöhnchen. Geboren 1972 in London, als Sohn eines Lehrerehepaars, mit 17 Schulabschluss. Lernt 1994 bei seinem zweiten Film Shopping seine spätere Frau Sadie Frost kennen, mit der er drei Kinder hat. Bisher zwei Oscar-Nominierungen – für Der talentierte Mr. Ripley und Unterwegs nach Cold Mountain. Man darf hoffen …
Caine: 1/Law: 1 Punkt(Jugendbonus).

Fortsetzung der Abrechnung: Lesen Sie in der Dezember-Wienerin, wie Jude Law unterm Strich abschneidet.

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