Der 8. März

Marlene Streeruwitz: Zeigen Sie mir emanzipierte Frauen, die all ihre Wünsche verwirklichen konnten und selbst im Alter keinen Diskriminierungen wegen ihres Frauseins ausgesetzt sind, dann können wir überlegen, ob wir den Frauentag noch brauchen. Derzeit schützt in unserer Gesellschaft nur die Zugehörigkeit zu privilegierten Gruppen vor dem Verlust an Bedeutung als Frau. Zumindest durch „Zusatzleistungen“ wie Karriere und Schönheit vor den äußersten Verächtlichkeiten davonzukommen, darauf sind hierzulande viele Frauen stolz. Das sollen sie auch sein. Aber die Grundsituation der Benachteiligung ist damit eben nicht behoben, sondern nur überdeckt.

Was werden Sie am 8. März tun?

Brauer-Kvam:

Ich werde arbeiten, wie viele Frauen. Toll wäre es, wenn wir an diesem Tag einen Feiertag hätten und Frauen zum Beispiel freien Eintritt in ein Spa bekämen, wo sie den ganzen Tag Kraft schöpfen und sich in Ruhe austauschen könnten.
Shaki: Ich verstehe den Tag nicht als „Fühl dich wohl, denn du bist eine Frau“ -Tag, sondern als Erinnerung daran, dass die Frau in manchen Teilen der Welt schlechter gestellt ist, ob in der Bildung, im Gesundheitswesen, im Job. Bei uns empfinde ich das nicht so, hier muss man eher aufpassen, dass die Frau nicht zum Kampfweib mutiert.
Frauenberger: Am 8. März lade ich von 15 bis 20 Uhr alle Frauen ins Rathaus ein, wo 50 Institutionen zum Beraten und Vernetzen warten.Verabschiedet wird jede Besucherin von mir mit einer roten Rose.
Streeruwitz: Ich werde an diesem Frauentag ein paar Seiten von Simone de Beauvoirs Das andere Geschlecht lesen und traurig belustigt feststellen, wie sehr diese Analyse immer noch oder wieder stimmt und dann werde ich erneut eine Lehre daraus ziehen. Emanzipation ist ja eine Lebensform und bleibt immer ein Abenteuer.

Reicht es, an dem Tag solidarisch an andere Frauen zu denken?

Streeruwitz:
Frauenpolitik ist – wie jede Politik – davon abhängig, dass es öffentliche Bekenntnisse gibt, die dann in politische Maßnahmen münden. Dass diesen öffentlichen Bekenntnissen nichts zugetraut wird, ist eine der seltsameren Eigenschaften unserer Kultur und kommt wahrscheinlich aus der Erfahrung mit den Predigten der Priester.


Marlene StreeruWitz. Von der Schriftstellerin und Regisseurin erschien zuletzt der Roman Kreuzungen.


Ruth Brauer-Kvam. Die Schauspielerin ist ab Mai in Alle sieben Wellen in Wiens Theater an der Josefstadt zu sehen.


Renate Brauner ist Wiens Vize-Bürgermeisterin, Finanzstadträtin und Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen.

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