Depressiv nach dem Sex? Das könnte der Grund sein

Sex ist dafür bekannt Glücksgefühle in uns auszulösen. Aber was, wenn das plötzlich nicht so ist? Forscher haben erste Antworten darauf gefunden.

Weinerliche Stimmung, depressive Gefühle oder Traurigkeit nach dem Orgasmus.

Immer mehr Frauen (und Männer) leiden - vermeintlich grundlos - unter psychischen Problemen nach dem Sex.

Die Auswirkungen und Gründe der bisher wenig beachteten Krankheit namens "Postkoitale Dysphorie" wurden nun untersucht - mit überraschenden Ergebnissen.

Depressiv nach dem Sex: Ist das "normal"?

Nach dem Sex fühlen wir uns glücklich, selbstbewusst und einfach nur befreit - so der Grundtenor unserer Gesellschaft. Aber was, wenn diese Annahme eigentlich gar nicht auf alle zutrifft?

Postkoitale psychische Probleme sind, einer neuen Studie zufolge, tatsächlich keine Seltenheit und kommen weit öfter vor, als bisher angenommen.

Die kleine (aber wegweisende) Untersuchung, die im Oktober 2016 im Fachjournal „Sexual Medicine“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass knapp die Hälfte (46 Prozent) der 195 untersuchten, heterosexuellen* Frauen (Durchschnittsalter 26) mindestens einmal in ihrem Leben unter postkoitaler Dysphorie, also depressiver Stimmung nach dem Sex, litten.

*35 der insgesamt 230 Teilnehmerinnen wurden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung (bi oder lesbisch) nicht gewertet. Den Studienautoren zufolge hätten diese signifikant andere Ergebnisse im Hinblick auf die Untersuchung gezeigt.

Die Studienautoren erklären, dass die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei der psychischen Krankheit nicht nur um ein Randphänomen handelt, sondern eines, das viele betrifft und nicht ignoriert werden sollte.

Umso verwunderlicher ist es daher, dass es bisher kaum Forschungen zu diesem Phänomen gab. Die Forscher forderten daher weitere Untersuchungen, um die Erkrankung näher beschreiben und verstehen zu können.

Wer ist betroffen?

Was genau die postkoitale Depression bewirkt ist nicht rechtlos geklärt.

Den stärksten Zusammenhang entdeckten die Wissenschaftler in puncto Missbrauch. Besonders Opfer von Kindesmissbrauch würden den Ergebnissen zufolge an an „postkoitaler Dysphorie“ leiden. Aber auch Opfer von Vergewaltigungen und nichtsexuellen psychischem Missbrauch seien oft betroffen.

Anderseits sind der Studie nach auch Frauen betroffen, die sich in ihrer Beziehung emotional stark dem Partner öffnen. So könne sich nach starker intimer Bindung ein Gefühl der Einsamkeit und des "im Stich gelassen Werdens" einstellen. Diese Ergebnisse würden allerdings keine eindeutigen Schlüsse zulassen, heißt es seitens der Studienleiter.

Wie kommt es zu postkoitaler Dysphorie?

Megan Fleming, eine New Yorker Spezialistin, erklärt im Interview mit Cosmopolitan: "Unter der Oberfläche staut sich sehr viel Balast an, der beim Orgasmus plötzlich losgelassen wird. Alles, was man bisher unter Verschluss gehalten hat, wird auf einmal losgelöst - das ist eine große Erleichterung."

Diese Entlastung kann für die Psyche allerdings auch sehr überwältigend sein. Schließlich verschwinden die Probleme aufgrund des Orgasmus ja nicht einfach (schön wär's): Aufgestaute Emotionen werden losgelassen und kommen so an die Oberfläche.

Dass das durchaus überwältigend und unerwartet kommen kann, ist also völlig normal. Es bedeutet auch, dass wir uns innerlich mit unseren Emotionen auseinandersetzen, anstatt sie in uns hineinzufressen.

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