Deine Freunde: "Wir sind die coolste Kinderband der Welt"

Wie man das wird und welche Songs Sechsjährige cool finden, erzählen die drei Musiker aus Hamburg.

Die drei sind Freunde und sie sind die Band Deine Freunde: Florian „Flo“ Sump, Markus Pauli, Lukas Nimscheck aus Hamburg machen coole Musik für Kinder. Ihre aktuelle CD Keine Märchen stellen sie am 16.12.2018 auf dem Konzert im Festspielhaus St. Pölten vor.

 

WIENERIN: Flo, bekommt ihr eigentlich Fan-Post – was schreiben euch die Kinder?

Die meiste Post, die wir bekommen, sind gemalte Bilder von Kindern, die ein Konzert von uns besucht haben und das dann später zuhause nachzeichnen. Am beeindruckendsten finden wir, dass sie dabei ganz oft ein gutes Auge für Details beweisen. Was zum Beispiel oft vorkommt: dass der genaue Bühnenaufbau oder die Beschaffenheit der Traversen, an denen unser Licht hängt, originalgetreu wiedergegeben werden! Manche wollen uns aber auch einfach nur mal fragen, was unsere Lieblingsfarbe ist.

Ihr nennt euch die coolste Kinderband der Welt (und eure Fans bestätigen das). Wie wird man das?

Wir haben das einfach von Anfang an und dann sieben Jahre lang behauptet. Irgendwann haben die Leute angefangen, uns zu glauben. Beharrlichkeit ist das Zauberwort, man muss nur einen langen Atem und ein bisschen Überzeugungskraft haben. Dicke Beats helfen aber auch.

Mit euren Texten schafft ihr es wunderbar, die Anliegen eurer Fans punktgenau zu treffen. Wieso könnt ihr, was Eltern oft nicht hinbekommen: euch in die Kinderseelen einzufühlen und es zur Sprache zu bringen?

Eltern wird ja oft eingetrichtert, dass sie sich wirklich immer erwachsen verhalten müssen oder die Bedürfnisse der Kinder möglichst oft aus der reflektierten Perspektive eines Erwachsenen spiegeln sollten. Wenn ein Kind mit sauberen Klamotten und undichten Schuhen in eine Pfütze springen will, ist die normale erwachsene Reaktion darauf: „Spring da nicht rein, du wirst ganz schmutzig, und dann müssen wir nach Hause und dich umziehen!“. Unsere Musik nimmt sich die Freiheit, diese reflektierte erwachsene Perspektive gar nicht erst einzunehmen, sondern die Sicht des Kindes in genau diesem Augenblick zu vertreten, in dem alles schreit: „Ich will mit Anlauf in diese Pfütze springen!“ Und weil wir uns dann wirklich auch viel Mühe beim Texten und der musikalischen Untermalung solcher Situationen geben, fühlen sich die Kinder in unserer Musik einfach oft erkannt und gut vertreten. Wir schlagen uns aber nicht einfach billig auf die Seite der Kinder, nach dem Motto „Eltern sind uncool“, sondern versuchen einfach, das ganz normale verrückte Familienleben mit einer ordentlichen Portion Humor wiederzugeben.

Und warum hören euch die Eltern eurer Fans eigentlich genauso gern?!

 Das soll jetzt nicht zu widerlich angeberisch klingen, aber wir hören unsere Musik doch selber auch gern. Wir finden es furchtbar, wenn man sich weniger Mühe im musikalischen Prozess gibt, nur weil das Endprodukt für Kinder ist. Soll man denn deswegen langweilige Musik machen, nur weil man eine junge Hörerschaft hat? Unsere Zeit ist uns viel zu kostbar und unser Publikum zu wichtig, um denen halbherzig irgendeine uninspirierte Suppe vorzusetzen. Sie muss schmecken, egal ob groß oder klein. Und uns selbst muss sie auch begeistern.

Auf Konzerten dürfen die Eltern nicht vorne bei den Kindern stehen. Weshalb? Und schummeln sie sich manchmal trotzdem mit nach vorn?

Weil Eltern in der Regel größer sind als ihre Sprösslinge und drei davon schon reichen, um allen, die hinter ihnen stehen, den Spaß zu verderben. Wie der Typ mit zu großem Hut, der sich im Kino genau vor einem selbst setzt. Außerdem haben wir gemerkt: Die Kinder gehen viel mehr ab und singen leidenschaftlicher mit, wenn sie in einem Pulk von anderen Kindern stehen, statt neben der eigenen Mama. Der Abgehfaktor wird dadurch deutlich erhöht, dass die Kinder einen komplett eigenen Bereich haben.

Irgendwann verabschieden sich eure Fans von euch, weil sie älter geworden sind und andere Musik hören wollen. Wann kommt dieser Zeitpunkt? Und: Was habt ihr bis dahin diesen kleinen großen Fans mitgeben können?

Unser Kernpublikum ist ca. 6 bis 11 Jahre alt, manche sind jünger, manche älter. Dazu kommen dann die Eltern und in manchen Fällen auch die Großeltern. Worauf wir auf jeden Fall stolz sind: Das Wissen, für viele der Kinder das erste richtige, bassgeladene Konzert gespielt zu haben. Das werden die nie vergessen, genauso wie wir unsere ersten Konzerterlebnisse nie vergessen werden. Und wir geben uns wirklich Mühe, eine gute Show abzuliefern, mit allem was, dazugehört. Eben nicht nach der Devise „Für Kinder reicht der minimalste Aufwand“, sondern eher im Gegenteil „Ey, lasst uns die Messlatte für alles, was nach uns kommt richtig ekelhaft hoch hängen.“

Wie verändert sich eure Hip-Hop-Musik von Album zu Album? Das Kopfnicken euer Fans als Zeichen für ‚Wir haben alles richtig gemacht’ bleibt wahrscheinlich immer der Maßstab, oder?

 Solange sie weiter so unfassbar laut mitsingen, müssen wir uns keine Sorgen machen. Außerdem genießen wir das Gefühl, uns musikalisch komplett austoben zu dürfen, ohne dass es uns übel genommen wird. So bunt, chaotisch und widersprüchlich die Kindheit ist, darf es in unserer Musik auch sein. Authentizität bedeutet in diesem Fall ständiger Wandel und ein sich immer wieder neu findender Sound. Deshalb macht es uns auch so viel Spaß, weil wir einfach tun können, was wir wollen. Solange die Raps tight und die Beats fett bleiben.

"Schokolade" von Deine Freunde

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