Dating-Trend 'Wokefishing': Wie Feministinnen abgeschleppt werden sollen

Es ist das große Rätsel beim Online-Dating: Ist der Typ wirklich 'woke' oder tut er nur so?

Wokefishing: Wie Feministinnen abgeschleppt werden sollen

Es ist die Gretchenfrage datingwilliger Feminist*innen in diesem Jahrtausend: Wie hast du's mit dem Feminismus? Streuen wir dann noch ein Bewusstsein für Intersektionalität, Antirassismus und Kapitalismuskritik drüber, hat sich der verfügbare Datingpool ziemlich verkleinert. Um der Liebeserfolgsaussichten Willen ist es dennoch gescheit, Grundwerte und Prinzipien über Tinder- und Bumblebios abzugleichen und mit einem Swipe auszusortieren. Aber was, wenn die Leute lügen?

Feminist und Antirassist - aber nur in der Bio!

Um anderen zu gefallen, geben sich Menschen in Dating-Apps wie im offline-Leben anfangs wohl immer wie eine slightly bessere Version ihrer selbst. Beim "Wokefishing" tun sie aber progressiver, aktivistischer und aufgeschlossener, als sie es tatsächlich sind. Erstmals in einem VICE-Artikel erwähnt, meint der Begriff App-Nutzer*innen mit nicht-so-progressiven Ansichten, die merken, dass diese Ansichten ihrem Datingpotential schaden.

Anstatt sich über die Ursache dieser Ablehnung Gedanken zu machen, zu reflektieren und weiterzubilden, gehen die Wokefisher den leichteren Weg und plappern nach, was sie meinen, dass potentielle Datingpartner*innen hören wollen. Dazu zählen etwa Männer, die mit "I am a feminist"-T-Shirts posieren und dir beim ersten Date erzählen, dass Frauen biologisch besser für die Elternrolle geschaffen sind, ihre kleinen Frauengehirne einfach nicht so gut mit Zahlen können, der Gender Pay Gap ein Mythos ist und Männer ja zum Bundesheer müssen, weswegen das Patriarchat gar nicht existieren kann. Oh boy ...

Über Grundwerte lässt sich nicht lange lügen

Ähnliche Werte sind eine Grundlage funktionierender, langfristiger Beziehungen. Eine Umfrage aus 2018 belegt, dass Menschen seltener romantische Gefühle entwickeln, wenn sich die politische Einstellung des*der potentiellen Partner*in von der eigenen unterscheidet. Es ist eben alles politisch - auch das Beziehungs- und Datingleben. Dating-Apps lassen auch deswegen oft nach politischer Einstellung sortieren.

Gerade in Zeiten aktiver feministischer und antirassistischer Bewegungen und einer Pandemie, die soziale Ungleichheit besonders hervorhebt, gibt es mehr als genug Themen, bei denen man sich einig sein kann - oder eben nicht. Die Fassade der Wokefisher lässt sich im täglichen Miteinander nicht besonders lange aufrecht erhalten. Ähnlich wie beim Catfishing, wo sich Menschen als völlig andere Personen ausgeben, imitieren die Wokefisher nur eine politische Persönlichkeit. Das ist nicht nachhaltig und kann besonders für selbst von Diskriminierung Betroffene belastend sein. Denn wer will eine*n Partner*in, der*die die erfahrene Ungerechtigkeit am Ende auch noch unterstützt? Richtig: Niemand.

 

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