Das Wiener Duo EsRap

EsRap hält sich nicht an Normen. Während die 24-jährige Esra Özmen ihre toughen Lyrics ins Mikro schmettert, macht ihr jüngerer Bruder Enes den orientalisch geprägten Zwischengesang. Am 13. 9. spielen die toughen Geschwister live im Wiener Rabenhof. Uns erzählten sie, wie man als Frau an der Rapfront beurteilt wird und was die türkische Community dazu sagt.

In Ihren Texten geht es um Erfahrungen wie Fremdseinim eigenen Land, Flanieren in der Stadtund so weiter. Alles eigene Erfahrungen?

Esra: Ja. Ich habe mit 16 Jahren begonnen, Gedichte zu schreiben. Ich war das einzige Migrantinnenkind in meiner Schulklasse, habe mich unwohl gefühlt und war schüchtern. Im Jugendzentrum habe ich begonnen, die Gedichte zu rappen.

Wurden Sie denn wegen ihres türkischen Backgrounds ausgeschlossen?

Esra: Nicht direkt, aber ich hatte keine Freunde und es gab unangenehme Situationen. Zum Beispiel haben manche immer gelacht, wenn ich Fehler gemacht habe.

Die Musik war also eine Strategie gegen die Einsamkeit...

Enes: Naja, ich hatte in der Schule keine solchen Probleme, ich merke Ausgrenzung eher dann, wenn ich mit meiner Mutter unterwegs bin. Da gibt es oft böse Blicke, weil sie Kopftuch trägt. Aber ich habe als Jugendlicher auf Hochzeiten gesungen - türkische Volkslieder und Arabeske. Das ist ein aus dem Arabischen kommender Stil, den verwenden wir jetzt auch in unserer Rap-Musik.

Warum ausgerechnet Rap?

Esra: Rap ist Widerstand. Mein Großvater, der hier einwanderte, sagte: "Sprecht nicht laut, beschwert euch nicht." Dabei gibt es auch subtile Situationen, die nicht ok sind. Enes wurde einmal im Auto von der Polizei kontrolliert. Als sie gesehen haben, dass Österreicher ist, haben sie gefragt: "Und woher kommen deine Eltern?" Dabei geht sie das nichts an.

Esra, bitte schreib über mein Leben. Ich wurde zwangsverheiratet und mein Mann hat mich geschlagen.

Im Rap ist es eher ungewöhnlich, dass die Frau vorne steht und der Mann den Zwischengesang beisteuert ...

Enes: Ja, das hat mit unserer Kindheit zu tun, Esra ist älter als ich und hat mich immer beschützt. Das tut sie noch immer.

Esra: Als rappende Frau bist du einerseits interessant und bekommst viele Auftritte. Andererseits kommt Kritik von Männern. Oder von der türkischen Community, wo manche sagen: "Esra, du wirst irgendwann heiraten, also nimm es nicht so ernst." Meine Mutter ist da sehr cool. Sie antwortet: "Esra macht politische Musik und sie wird was Gutes daraus machen."

Die Familie steht also hinter euch?

Enes: Ja, total. Unser Opa ist voll religiös, aber er ist trotzdem vor kurzem zu einem unserer Konzerte gekommen. Und unsere Tante, die in der Bank arbeitet, erzählt allen ihren Kunden von uns. Das ist schon fast peinlich.

Esra: Es gibt aber immer mehr Leute, die verstehen, was wir machen. Letztens kam eine Nachbarin und sagte: "Esra, bitte schreib über mein Leben. Ich wurde zwangsverheiratet und mein Mann hat mich geschlagen."

Und wird es einen Song über die Nachbarin geben?

Esra: Ja, der Song wird vermutlich auch aufs Album kommen, das gerade in Arbeit ist. Denn die türkischen Frauen wollen auch aufbegehren.

Aktuell