Das war mein Jahr

Die WIENERIN stellt mutige Frauen aus dem In- und Ausland vor, die in den vergangenen 12 Monaten an ihren Einsätzen und Erfahrungen gewachsen sind.

Lange haben sie den Boden für ihre Visionen gepflügt und Hoffnung gesät. 2008 konnten sie endlich die Ernte einfahren. Die WIENERIN stellt mutige Frauen aus dem In- und Ausland vor, die in den vergangenen 12 Monaten an ihren Einsätzen und Erfahrungen gewachsen sind. Darunter: Monika Hauser, die den Alternativen Nobelpreis erhielt. Die 10-Jährige Nujood Ali, die sich aus ihrer Zwangsehe befreite. Oder die Tierrechtlerin Sabine Koch, die erst im Gefängnis saß und dann eine politische Karriere startete.

Text Johanna Jenner Mitarbeit Martina Polleres Fotos Elisabeth Handl, Nicolaas de Bruin, AP, Medica Mondiale

Hilft Frauen in Krisenregionen
Monika Hauser, 49 (D), Gründerin von medica mondiale
Ihr Erfolg 2008: Bekam für ihren Einsatz für vergewaltigte Frauen in Kriegsgebieten den Alternativen ­Nobelpreis verliehen.

Herbst 1992. In Bosnien herrscht Krieg. Monika Hauser, Gynäkologin in Köln, blättert in der deutschen Frauenzeitschrift Emma und liest: „Serbische Soldaten machen aus der Textilfabrik ein gigantisches Bordell, sie erniedrigen, benutzen und vergewaltigen die Frauen.“ Sofort ist ihr klar: „Ich will helfen! Vor Ort.“ Kurze Zeit später reist sie auf eigene Faust ins Kriegsgebiet. In Zenica, einer Flüchtlingsstadt, will sie mit Spendengeldern ein Frauenzentrum errichten. Offene Türen rennt die damals 34-Jährige nicht ein: „Ein Frauenprojekt in Bosnien? Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?“ , sagt ein deutscher Diplomat in Zagreb zu ihr, den sie um Hilfe bittet. Dennoch: Während Hausers Freunde daheim Spenden sammeln, stellt sie ein Team aus Ärztinnen und Psychologinnen zusammen, um sowohl die Seelen als auch die Körper der schwer traumatisierten Frauen wieder zu heilen.

Nach beharrlichem Kampf gegen bürokratische und politische Hindernisse, schafft sie die letzte Hürde: Im Frühjahr 1993 eröffnet das Zentrum Medica Zenica. Genau zu dem Zeitpunkt, als erste Granaten im Stadtzentrum explodieren. UN-Truppen fordern die Kölner Ärztin auf, das Land zu verlassen. „Ich bin doch nicht hierher gekommen, um zu gehen, wenn es schwierig wird“, reagiert sie verärgert – und bleibt. Über 4.000 Frauen werden bereits im ersten Jahr ambulant allgemeinmedizinisch, gynäkologisch und psychologisch betreut. Diese ganzheitliche Betreuung ist bis heute Merkmal der Organisation medica mondiale, die Hauser bald darauf gründet.

Im April 1999 verbreiten die Medien dann erneut erschütternde Bilder: Rund eine halbe Million Menschen retten sich aus Kosova vor Massakern und Vergewaltigungen nach Albanien. Als Monika Hauser dies im TV sieht, packt die Mutter eines Sohnes sofort das Nötigste. Am Ostersamstag bricht sie auf, um zwei weitere Zentren in Albanien aufzubauen. Ganz nach ihrem Motto: „Nicht aufhören anzufangen.“ Es folgen Hilfsprojekte für Frauen in Afghanistan, im Tsunami-Gebiet Indonesien, im Sudan, der Republik Kongo oder in Liberia.

2008 feiert medica mondiale das 15-jährige Jubiläum. Im Oktober erhält Monika Hauser den Alternativen ­Nobelpreis. „Die Auszeichnung ist für uns Bestätigung und Ansporn für unsere Arbeit, die sehr anstrengend ist und permanent auf Widerstand stößt.“

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Lesen Sie auch über die Leistungen von Nujood Ali, Katja Eiblmayr und Sabine Koch – in der Jänner-Ausgabe der WIENERIN.

Und: Sie können die großartigen Leistungen dieser Frauen unterstützen. Mit Spenden bei folgenden Vereinen/Gruppierungen:

Sabine Koch, Tierrechtlerin

- Wiener Tierschutzverein: http://www.wr-tierschutzverein.org/

Spenden:P.S.K. Kontonr.: 1717.000 Blz.: 60000

- Basisgruppe Tierrechte: www.basisgruppe-tierrechte.org,
Erste Bank
BLZ: 20111
KTN: 04210189998
Monika Hauser, Gründerin von Medica Mondiale
Jede Spende ermöglicht Medica Mondiale, mehr Frauen überlebenswichtige medizinische, psychologische und juristische Hilfe zukommen zu lassen.
Online-Spendenformular unter: http://www.medicamondiale.org
Spenden aus dem Ausland:
IBAN: DE92 3705 0198 0045 0001 63
BIC: COLSDE33
Wenn Sie für unsere WIENERIN 2008, die Forscherin Erika Jensen-Jarolim, spenden möchten, finden Sie hier alle Informationen.

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Monika Hauser, Gynäkologin und Gründerin der Organisation medica mondiale.

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Nujood Ali und die jemenitische Menschenrechtsanwältin Shada Nasser bei der Verleihung des Frauen des Jahres 2008-Awards.

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