Das Vanity Fair-Video für Hillary Clinton ist sexistisch

Das Kultur- und Lifestyle-Magazin Vanity Fair versuchte sich an humorvollen Vorschlägen für Neujahrsvorsätze. Und scheiterte.

Neujahresvorsätze sind so ein Ding. Die lebensverändernden Pläne, die meist eh nicht eingehalten werden, sollten aber prinzipiell nur für einen selbst getroffen werden. Anderen Menschen zu sagen, wie sie ihr Leben leben sollten, kann eigentlich nur in die Hose gehen - wie das Kultur- und Lifestyle-Magazin Vanity Fair erfahren musste.

Am 23. Dezember postet der Vanity Fair-Twitteraccount ein Video, in dem RedakteurInnen der ehemaligen US-Außenministerin und Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton humoristisch gemeinte Neujahresvorsätze ans Herz legen. Das Video wurde von Vanity Fair's Hive produziert, einer mobilen Seite, die sich vor allem Wirtschafts- und Politikthemen widmet. Der wohl lustig gemeinte Unterton der Videobotschaft kommt bei den ZuseherInnen ganz und gar nicht an. Auf Twitter wurde das Video schnell für seinen Sexismus verurteilt.

Die sechs Vorschläge für Hillary Clintons 2018 sind:

* Sie soll an einer einer Forsetzung ihres Buches "What happened"arbeiten. Titelsvorschlag: "What the hell happened".

* Jemand aus ihrem IT-Team soll auf ihrem Smartphone die Auto-Vervollständigung deaktivieren, damit aus "F" nicht gleich "Formiere ein Wahlkomitee" wird. (Anmerkung: In der US-amerikanischen Politik wird so ein Wahlkomitee eingesetzt, um herauszufinden, ob ein/e potentielle/r KandidatIn dafür geeignet ist, sich einer Wahl zu stellen. Üblicherweise passiert das in der Phase vor den Vorwahlen der Präsidentschaftswahl.)

* Sie soll einen Kurs zur wechselseitigen Nasenatmung halten.

* Sie soll mehr Fotos im Wald machen.

* Sie soll sich ein neues Hobby suchen, wie Freiwilligenarbeit, stricken, Improvisations-Comedy oder "einfach alles, was dich davon abhält, nochmal bei einer Wahl zu kandidieren."

* Sie soll ihre Voodoopuppe von James Comey wegschmeißen.

TwitteruserInnen prangerten den enormen Aufwand an, den die Redaktion auf sich nahm, um einer talentierten Politikerin vorzuschlagen, doch lieber ein bisschen zu stricken.

"Ich fluche nicht oft auf Twitter, aber geht scheißen! Das ist ernsthaft ein Video, in dem der ehemaligen Außenministerin gesagt wird, sie solle anfangen zu stricken. Was auch immer man von Hillary Rodham Clinton hält, einer Frau, die ihr gesamtes Leben, in guten wie in schlechten Zeiten, der Politik gewidmet hat, das ist einfach extrem sexistisch."

"Vanity Fair zusammengefasst: Sechs weiße, junge Menschen halten Champagnergläser und wollen, dass Hillary Clinton ihr Lebenswerk und ihre Plattform hinter sich lässt und die Klappe hält. Gut zu wissen."

"Wer auch immer die Idee hatte, das zu machen und wer auch immer grünes Licht dafür gab, sollte entlassen werden. Und die Person, die das finale Video gesehen hat und es online gestellt hat, sollte ebenfalls entlassen werden. Wie Trump sagt: "You're Fired, You're Fired"

Andere fragten, wo die Neujahresvorschläge für mächtige, männliche Politiker, die an einer Wahl gescheitert sind, wären.

"Zeigt mir, wo Joe Biden die gleiche Behandlung erfahren hat. Ihr wisst schon. Der Typ, der es DREIMAL versucht hat und es nie auch nur in die Vorwahlen geschafft hat."

"Genau? Oder einer der vielen anderen Männer, die verloren - wirklich verloren und weiter in der Öffentlichkeit waren. Eine weibliche Präsidentschaftskandidatin (die die zweithöchste Anzahl der absoluten Stimmen in der Geschichte erhielt, allen Widerständen zum Trotz) kann nicht mal ein Buch über die gestörteste Wahl aller Zeiten schreiben."

Aktivistin und Schauspielerin Patricia Arquette fasste zusammen:

"Hey HÖRT AUF FRAUEN ZU SAGEN WAS SIE VERDAMMT NOCHMAL DÜRFEN UND NICHT DÜRFEN. Lasst euren Mütterkomplex hinter euch."

Und dictionary.com half mit der Definition:

"Das Wort dafür, einer Frau mit einem Jus-Abschluss von Yale zu sagen, sie solle anfangen zu stricken, ist... (Link zum Wörterbucheintrag von "Sexist")"

Der Hashtag #CancelVanityFair, also ein Aufruf, bestehende Abos des Magazins zu kündigen, macht inzwischen die Runde. Vanity Fair selbst hat zurückgerudert. Das Video sei ein "ein Versuch, humorvoll zu sein, der das Ziel verfehlt hat."

Hillary Clinton: The Future is female!

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