Das passiert mit den Körpern von Babys, die man schreien lässt

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass es ein weit verbreiterter Irrglaube ist, dass man Babys einfach "schreien lassen" sollte.

"Einfach schreien lassen", hört man immer wieder. "Der beruhigt sich schon von selbst". Dass solche Weisheiten eher der Küchenpsychologie zuzuschreiben sind, hat die Süddeutsche Zeitung in Gespräch mit dem Arzt Karl Heinz Brisch, Chef der Psychosomatik am Haunerschen Kinderspital der Universität München herausgefunden.

Hinter der Empfehlung, Babys schreien zu lassen, steckt meist die Ideologie, dass Kinder nur aus Langeweile schreien würden, und erkannt hätten, dass sie durch das Brüllen die Aufmerksamkeit von Vater oder Mutter erregen können. Wer sich also immer gleich um sie kümmert, erzieht sie zu verwöhnten Kindern.

Babys nicht schreien lassen

Tatsächlich raten Ärzte das Gegenteil: Babys haben nicht gelernt sich selbst zu beruhigen und sie schreien länger, wenn Eltern sie warten lassen. Sie brauchen Liebe. Kinder werden durch diese Praxis frustriert und lernen, im Gehirn auf Notfallprogramm umzuschalten, das ähnlich wie der Totstellreflex bei Tieren in Todesbedrohung funktioniert. Das Kind lernt nicht, mit Stress umzugehen.

"Kinder brauchen verlässliche körperliche Nähe, um seelische Grundbedürfnisse zu befriedigen und Stress abzubauen", hat Fabienne Becker-Stoll, Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in Bayern der Süddeutschen erzählt. Das ist nötig, damit sie vertrauensvolle Bindung zu ihren Eltern und später anderen Menschen aufbauen können.

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