Das misst der Kiweno-Selbsttest wirklich

Nach unzähligen Artikeln und großem Erfolg für das Tiroler Start-up kommt jetzt die Verunsicherung. Kann der Kiweno-Selbsttest wirklich Nahrungsmittelunverträglichkeiten bestimmen? Ein Faktencheck.

Spätestens seitdem Kiweno-Gründerin Bianca Gfrei in der Puls4 Start-up Show 2 Minuten 2 Millionen 7 Millionen Euro Werbebudget für Ihr junges Unternehmen abgestaubt hat, kennen wirklich alle im Land das Unternehmen. Nach dem großen Jubel machen sich aber auch kritische Stimmen breit die behaupten, die Kiweno-Tests wären kaum aussagekräftig und führen die KonsumentInnen in die Irre. Was steckt dahinter?

Der Test

Kiweno basiert auf dem Foodscan-Test von Yorktest. Dieser ist in Punkto Aussagekraft bei Experten umstritten, weil er laut Ärzten eben keine Basis für eine Eliminationsdiät (Anm.: Das Weglassen von Nahrungsmitteln) sein kann. Trotzdem listet Kiweno eine Vielzahl an Lebensmitteln auf, die mit dem Nutriscreen Test angeblich ausgetestet werden. Was misst Kiweno also wirklich? „Der Test misst die Stärke der Immunreaktion, woraus sich Empfehlungen für die Nahrungsmittelauswahl ableiten lassen.“, so Dr. Roland Fuschlberger, ärztlicher Leiter von Kiweno. „Anhand der Skala bekommt der Nutzer Auskunft, welche Lebensmittel er auf Basis des durchgeführten Tests gut verträgt und welche zeitlich gemieden werden sollten.“ Getestet wird mit dem standardisierten ELISA-Testverfahren, welches unter Ärzten durchaus anerkannt ist. Als Problematisch sehen Experten an, dass mit dem Test lediglich IgG- oder IgG4-Antikörper gegen Nahrungsmittel gemessen werden. Diese sind aber eine normale Reaktion des Körpers auf jede Art von Lebensmittel nach dem Essen. Zahlt man also rund 100 Euro dafür zu erfahren, dass man etwas gegessen hat? Und sollte man aufgrund dessen bestimmte Lebensmittel weglassen und sein gesamtes Leben umstellen?

Die Kritiker

Die Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie hat es sich nach dem Kiweno-Hype nicht nehmen lassen, in einer offiziellen Stellungnahme darüber aufzuklären:

„Symptome wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Hautausschläge, Müdigkeit etc. werden oftmals in Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit gebracht. Jedoch verbirgt sich nicht hinter jedem Symptom eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Die Abklärung bedarf unbedingt ärztlicher und diaetologischer Expertise. Selbstdiagnose und Selbsttests sind hier nicht angebracht, wie die führenden europäischen und deutschen Gesellschaften für Allergologie und Immunologie bestätigen (Allergo J 2009; 18:267-73).

Der allergenspezifische Nachweis von IgG- oder IgG4-Antikörper gegen Nahrungsmittel zur Abklärung und Diagnostik von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist ungeeignet und strikt abzulehnen! Die IgG4-Antikörper gegen Nahrungsmittel sind nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht als Indikator für Unverträglichkeiten zu verstehen. Diese entstehen als natürliche Immunantwort nach wiederholtem Kontakt mit Nahrungsmittelbestandteilen.

Durch diese Austestungen werden irreführende Ergebnisse erzielt, welche eine ungerechtfertigte und häufig einschneidende Diät indizieren und somit eine massive Lebenseinschränkung für die Betroffenen bedeuten.“

Das sagt Kiweno

Dr. Roland Fuschelberger, ärztlicher Leiter von Kiweno entgegnet: „Dieser Test dient der Prävention und ersetzt keine medizinische Behandlung. Jedoch wurde er unter medizinischer Anleitung entwickelt, um eine fachlich fundierte Aussage über etwaige Nahrungsmittelunverträglichkeiten liefern zu können. Ein ganzheitlicher Therapieplan kann natürlich nur von Experten erstellt werden. Aber dafür werden zuerst Daten und Resultate benötigt. Die Ergebnisse von Kiweno können auch als Ergänzung für die medizinische Therapieplan-Erstellung herangezogen werden.“

Was bringt Kiweno also für die Kunden?

Laut Dr. Fuschelberger bekommt der Kunde ein Verständnis dafür, welche Lebensmittel für ihn geeignet sind und auch problemlos vertragen werden. „Durch das tiefere Verständnis möchten wir die Selbstverantwortung der Nutzer stärken, aber auch die Beschäftigung mit gesunder Ernährung in den Vordergrund rücken.“

Wir haben den Kiweno Nutriscreen getestet - das Ergebnis lesen Sie hier.

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