Das Mädchen Wadjda

Die 10-jährige Wadjda will den Nachbarsbuben Abdullah bei einem Radwettrennen besiegen. Ein schöner Traum, denn Fahrrad fahren ist Mädchen im konservativen Saudi-Arabien per Gesetz strengstens untersagt. Aber Achtung, Sittenpolizei: Die Revolution sitzt schon im Sattel! Sturkopf Wadjda ist schwer zu bremsen …

Angepasst ist sie nicht gerade: Wadjdas (Newcomerin Waad Mohammed) bunte Lebenseinstellung kann man schon an ihrem Schuhwerk erkennen. Sie trägt lila Converse mit offenen Schuhbändern. Was für eine 10-Jährige in Europa völlig normal ist, stößt einer Schuldirektorin im saudischen Riad sauer auf. Schulmädchen haben dort nämlich dezent schwarze Kleidung zu tragen und das bis in die konservativen Schuhspitzen.

Das Mädchen Wadjda

Mit Einschränkungen, die ihre optische Erscheinung betreffen, kann Wadjda noch gut umgehen, wer aber versucht, ihren Kampfgeist einzusperren, stößt auf heftigen Widerstand. Wadjdas "Lieblings-Herausforderer" ist der gleichaltrige Nachbarsbub Abdullah (Abdullrahman Al Gohani). Wenn die beiden am Schulweg um die Wette laufen, gewinnt Wadjda. Nur sein glänzendes Fahrrad verschafft dem Burschen den nötigen Vorsprung um das Mädchen Wadjda im sportlichen Zweikampf zu schlagen.

Das Mädchen Wadjda

Als der örtliche Spielzeughändler ein grünes Fahrrad in sein (für westliche Verhältnisse bescheidenes) Sortiment aufnimmt, ist Wadjda davon besessen, den Drahtesel zu besitzen. Bezahlen kann Wadjda das Fahrrad nicht. Als auch ihre Mutter erwartungsgemäß den Erwerb des für Frauen verbotenen Vehikels vehement ablehnt, wird Wadja sehr erfinderisch. Schließlich findet in der Schule gerade der Koran-Rezitationswettbewerb statt. Die Gewinnerin erhält ein sattes Preisgeld. Aber darf Wadjda am Vorbereitungskurs überhaupt teilnehmen? Sie gilt nicht gerade als Vorzeige-Schülerin ...

Die Unterdrückung islamischer Frauen durch Zwangsheirat, gesetzlich geduldete Polygamie der Ehemänner, Verschleierungszwang, Verweigerung des Wahlrechts für Frauen, harte Strafen für ungehorsame Kinder und Teenager sind Themen, die bei westlichen Frauen auf Entsetzen und Unverständnis stoßen.
Die saudi-arabische Regisseurin Haifaa Al Mansour zeigt auf, wie sich Frauen fühlen, wenn sie erst einmal den Schleier ablegen dürfen: Gefangen, eingeschränkt in ihrer geistiger Mobilität und intellektueller Selbstbestimmung, ungeliebt, unterfordert. Was vordergründig nach bitterer Anklage klingt, entpuppt sich trotz inhaltlicher Schwere als Gesellschaftskritik mit Humor und Leichtigkeit. Al Mansour zielt auf den Verstand und trifft mitten ins Herz. Gleichzeitig schafft sie es, mit einer kleinen Geschichte große Zusammenhänge aufzuzeigen und uns mit dem intimen Blick hinter die Kulissen ihrer Kultur näher zu bringen.

Die Revolution ist nicht aufzuhalten, auch wenn der Preis, den sie ihren kämpferischen Töchtern abverlangt ein sehr hoher ist.

Das Mädchen Wadjda ab 30. August 2013 im Kino!

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