Das Lolita-Prinzip

Nicht nur Männer träumen von jungen Mädchen, auch Millionen Teenies. Stars wie Miley Cyrus werden geschaffen und mittels Skandalen vermarktet.

Seit Vladimir Nabokovs Roman Lolita träumen Männer von jungen Mädchen. Und jetzt auch Millionen Teenies. Stars wie Miley Cyrus werden geschaffen, um beiden Konsumenten gleichermaßen zu gefallen – und mittels Skandalen vermarktet. Ein Report über den inszenierten Sündenfall.

Text Julia Wagner Fotoswww.viennareport.at, AP, Corbis

Der Blick ist unschuldig, die Lippen rot und die Haare wie vom Wind zerzaust. So blickte Miley Cyrus in der Juni-Ausgabe der amerika­nischen Vanity Fair in die Kamera, während sie nur in ein Leintuch gewickelt war, das notdürftig ihre Brust bedeckte. Ein ästhetisch anspruchsvolles Bild der Starfotografin Annie Leibovitz, keine Spur anrüchig. Oder doch? Immerhin lässt das Foto auch Spielraum für Interpretationen, was nicht so schlimm wäre. Aber Miley Cyrus ist gerade mal 15.

Das prüde Amerika war empört. Aus dem kreuzbraven Disney-Star Miley Cyrus, bekannt aus der Erfolgsserie Hannah Montana, war über Nacht ein böses Mädchen und eine ver­führerische Lolita geworden. Noch vor ­Erscheinen der Ausgabe entschuldigte sie sich öffentlich und gab zu, sich für die Bilder zu schämen. Sie habe einen „künstlerischen Anspruch“ erwartet und sei da zu ­etwas überredet worden. Das Image des jungfräulichen Teenagers schien angekratzt.

Sogar Disney-Channel-Boss Gary Marsh sagte: „Eltern haben in ihre Frömmigkeit investiert. Wenn Cyrus dieses Vertrauen missbraucht, wird sie es nicht mehr zurückerlangen.“ In einem weiteren Statement wetterte der Konzern dann gegen Vanity Fair: „Hier wurde eine 15-Jährige manipuliert, um den Magazinverkauf anzuregen.“ War da etwa eine Marketingstrategie des kinderfreundlichen Senders ordentlich in die Hosen gegangen? Und hatten sich Miley Cyrus und ihre Eltern da auf etwas eingelassen, was sie so nicht wollten? Mitnichten.

„Images wie das von Cyrus sind auf dem Reißbrett entworfen. Da wird nichts dem Zufall überlassen“ , sagt Doris Klietmann, Senior Partner der Image-Consulting-Firma Optimum in Boston, deren Dienste schon Brad Pitt in Anspruch nahm. „Solche Medienauftritte werden vorher sehr sorgfältig besprochen.“ Fakt ist, dass Cyrus’ ­Eltern beim Termin mit Annie Leibovitz anwesend waren und die digitalen Fotos sahen, kurz nachdem sie aufgenommen worden waren, wie auch ein Sprecher von Vanity Fair bestätigt. Abgesehen davon ist es schwierig, sich vorzustellen, dass einem Konzern wie Disney, der regelmäßig Kinderstars aufbaut, so vollkommen die Kontrolle entgleiten sollte.

„Leute wie Cyrus unterzeichnen eher Masterpläne als einfache Verträge“, erklärt Klietmann. „ Solche Marketingpläne eines Teeniestars umfassen deren ganzes Leben.“ Kein Wunder, denn die Merchandise-Maschinerie des Stars der Serie Hannah Montana, in der sich Cyrus vom braven Schulmädchen nachts in einen wilden Rockstar verwandelt, ist äußerst lukrativ. Unter der Marke wurden bisher 15 Millionen Bücher verkauft, ihre beiden Alben mehrfach mit Platin ausgezeichnet, ihre Konzerttour war ausver­kauft – und der gleichnamige Film ein Kassenschlager. Abgesehen davon finden auch Artikel wie Hannah Montana-Butterbrotdosen, -Bettwäsche und -MP3-Player reißenden Absatz. Der Disney-Konzern scheffelt mit der 15-Jährigen Millionen. Die New York Post prophezeite, dass Cyrus bis zu ihrer Volljährigkeit ein Vermögen von einer Milliarde Dollar erwirtschaftet haben wird und somit Amerikas reichster Jungstar sein wird, wenn alles weiterhin so läuft. Also, warum dann Öl ins Feuer gießen?

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Der inszenierte Sündenfall – lesen Sie in der August-WIENERIN, welche Lolitas schon vor Miley Cyrus gekonnt vermarktet wurden.

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