Das Leben ist (k)ein Ringelspiel

Für viele ist der Wurstelprater ein Schlaraffenland. Für manche ist er ein hartes Geschäft. Die WIENERIN blickte hinter die Vergnügungsfassade.

Er ist ein Ort, an dem Geschichte spürbar ist – und an dem Kindheitsträume wahr werden. Für viele ist der Wurstelprater ein Schlaraffenland. Für manche ist er ein hartes Geschäft. Die WIENERIN blickte hinter die Vergnügungsfassade.

Text Marion Genetti FotosKonrad Limbeck
„Einsteigen! Bitte alles einsteigen“, dröhnt es aus den Lautsprechern. Schnell noch den Gurt festgezurrt und schon geht es los. Die Achterbahn rast in schwindelerregende Höhen. Und katapultiert uns gleichzeitig zurück. In unsere Vergangenheit. In eine Zeit, als die Welt noch bonbonfarben und zuckerwatteweich war. Ein Tag im Wurstel­prater ist für viele wie ein Besuch in der eigenen Kindheit.
Andere, die keine Prater-Erinnerungen oder Angst vor der Geschwindigkeit haben, treten die Zeitreise gemächlicher an. Mit einer Fahrt im Riesenrad. In der Gondel scheint die Zeit stillzustehen. Und doch erstreckt sich zu ihren Füßen eine 250-jährige Geschichte. Die damit begann, dass Kaiser Joseph II. im Jahr 1766 sein Jagdrevier der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die ersten Vergnügungen: eine Bierausschank und ein Kasperl-Theater für Erwachsene.

Im Laufe der Zeit war der Prater für Schriftsteller, Musiker und Filmemacher Themengeber und Schauplatz. Für Franz Lehar, Heimito von Doderer und Orson Welles, um nur einige zu nennen. Und er ist es bis heute. Der Dokumentarfilm Prater der Filmemacherin Ulrike ­Ottinger kommt im September in die Kinos. Sie sagt: „Der Prater hat mich seit meinem ersten Besuch nicht mehr losgelassen. Ich mag Orte, an denen Geschichte spürbar ist. Allein an den Automodellen beim alten Karussell kann man die 1930er, 1940er und 1950er festmachen.“
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Einer, der den Prater auch gut kennt, ist der Soziologe Roland Girtler. Mit der Polizei auf Streife ist er gefahren, hat mit Sandlern gesprochen und die Praterhuren im Stuwerviertel interviewt. Was den Prater als Studienort so interessant macht? „Hier kommen die Menschen zusammen. Schon ein altes arabisches Sprichwort sagt: ‚Geht’s dir schlecht, geh auf den Markt.‘ Am besten natürlich auf den Vergnügungsmarkt.“

Alice Kolnhofer, Elis Veit, Elisabeth Kolarik - wie diese Frauen im Prater ihr Geld verdienen, können Sie in der August-Ausgabe der WIENERIN lesen.

Mit 22 Jahren erfand Unternehmerin Elisabeth Kolarik die Luftburg.

Zu den Betrieben, die Alice Kolnhofer im Prater führt, gehört unter anderem das Geisterschloss.

Elis Veit, ausgebildete Schauspielerin, spielt seit 15 Jahren im Prater Kasperltheater.

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