Das Labyrinth der Wörter

Gérard Depardieu, Frankreichs hedonistische Allzweckwaffe gegen schlechte Laune, schlechtes Essen und schlechte Filme, hat wieder seine Obelixhose übergezogen: Den Zaubertrank mixt diesmal Gisèle Casadesus und entführt ihn in die Welt der Literatur.

Germain (Gérard Depardieu) sieht eigentlich immer so aus als hätte er gerade einen Clown gefrühstückt. Richtig komisch ist er aber nur, wenn unbeholfen versucht seinen Senf zum aktuellen Stadtgespräch beizusteuern. Spätestens dann brechen seine Kumpel in schallendes Gelächter aus. Schon seit Kindertagen wegen seiner Leseschwäche gehänselt, macht der 50-jährige Gelegenheitsarbeiter um Druckwaren aller Art einen Riesenbogen. Um seine Schulbildung steht es nicht besonders. Er spricht lieber mit seiner Katze oder füttert die Tauben im Park.

Im Park Tauben zu zählen ist Germains liebstes Hobby. Unerwartete Gesellschaft erhält er von Margueritte Escoffier (Gisèle Casadesus). Margueritte, ihrerseits bekennende Leseratte und Buchnärrin, macht es sich gleich beim ersten Kennenlernen zur Aufgabe, den Latzhosenträger die Welt der Literatur schmackhaft zu machen: Als "Einstiegsdroge" dient Albert Camus Roman "Die Pest", in dem es vor Tauben und Ratten nur so wimmelt ... Margueritte ist eine leidenschaftliche Vorleserin. Ihre Passion für das geschriebene Wort ist ansteckend. Sogar für Analphabeten. Passage um Passage, Buch um Buch gewinnt sie Germains Herz für eine bahnbrechende Horizonterweiterung: Lesen.

Seine "literarischen Abenteuer" machen aus Germain einen anderen Menschen. Sein Wortschatz verändert sich auffällig und auch seine süße Freundin Annette muss eifersüchtig feststellen, dass sie nicht mehr die einzige große Liebe in seinem Leben ist . Bis sie erfährt, dass ihre "Rivalin", die bezaubernde Margueritte, mitten in ihrem 95. Lebensjahr steht ...

Der Koloss und die Koryphäe. Selten hat eine zierliche Dame einen Gigant mit dem Kampfgewicht eines Sumo-Ringers so leicht an die Wand gespielt. Die Pariserin Gisèle Casadesus, Jahrgang 1914, und Gérard Depardieu trennen – vierzig Jahre und mindestens hundert Kilo.
Casadesus, Mitglied der Comédie-Française und auch im wirklichen Leben überaus belesen und von unwiderstehlichem Charme, stand schon mit Jean Gabin vor der Kamera.
. Neben dieser Legende wirkt sogar der wie immer großartige Depardieu wie ein kleines Kind.
Diesem warmherzigen, französischen Gespann aus Akademikerin und Analphabeten würden wir in JEDES Labyrinth der Welt folgen ...

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