Das könnt’ ich NIE!

Alleine in einer Krisensituation? Schwierig. Besonders, wenn man sonst im Duo an alle familiären Probleme herangeht. Als „bepartnerte“ Mutter kann man vor Alleinerziehenerinnen nur den Hut ziehen oder Blumen streuen. Wir machen gerne beides!!!

Wer ein Kind kriegt, entwickelt zwangsläufig Superkräfte: Seit ich Mutter bin, vertreibe ich ekelige Ohrenschlüpfer und andere widerliche Insekten - wenn es sein muss - mit bloßen Händen- repariere verstopfte Toiletten (!) und mutiere zur verkehrswidrigen Formel 1-Pilotin, wenn es darum geht, die Kids rechtzeitig abzuholen.

Trotzdem, in ein paar entscheidenden „Mama-Minuten" habe ich gekniffen: Als mein damals drei jähriger Sohn genäht werden musste, hat sein Vater ihn gehalten. Auf der Schipiste bei Minus 15 Grad war ich nicht dabei und auch nicht beim ersten schmerzhaften Zahnarztbesuch. So ist es eben in einer Partnerschaft, die Aufgaben sind verteilt: Wenn das fiebernde Kind nachts erbricht, kümmert sich der eine ums Kind und der andere macht den Dreck weg.

Alleine hätte ich Krisensituationen nervlich keine Chance: Ein 6 Monate altes Baby mit Schüttelfrost, ein Vier-Jähriger zwischen Nachtschreck und Mittelohrentzündung, Aufprall mit dem Kopf auf einen Betonboden aus 2 Meter Höhe... Wäre ich allein gewesen, hätte ich gleich den Notarzt gerufen ...

100 % Verantwortung 24 Stunden täglich& den Löwenanteil an finanzieller Last

Wie schaffen das eigentlich die Alleinerzieherinnen? „Wenn du in der Situation wärst, könntest DU es sicher auch!" sagt meine Freundin Nina (2 Kinder von 2 Vätern) aufmunternd. Vor mir steht Superwomen: Berufstätig, erzieherisch konsequent, warmherzig & hilfsbereit. Wie all meine alleinerziehenden Freundinnen, ist auch in Ninas Haushalt Geld Mangelware. Die Väter zahlen das gesetzliche Minimum der Alimente. Gekämpft wird immer, geklagt aber nie. Es geht sich alles „irgendwie aus". Einsam ist Nina dank eines ausgetüfftelten Netzwerks aus Patchwork-Familie und Freunden nie.

Sonnigen Gemüts ist auch meine alleinerziehende Freundin Susanne. Sohn Daniel ist hyperaktiv, was dem 2. Klassler schon einen Schulwechsel eingebracht hat. Zwar kann Susanne dem Bewegungsdrang ihres Sohnes ausreichend Auslauf verschaffen, zum Verbessern seiner schulischen Leistungen reicht ihre Energie dann leider nicht immer. Daniels Vater lebt im Ausland und existiert - abgesehen von sporadischen Wien-Besuchen - nicht. „Teilt ihr euch wenigstens die Kosten für Daniels teure Therapie?" frage ich unverblümt. „Daniels Vater hat mit bis heute keinen Cent Alimente bezahlt!" ist die Antwort. Auch diese Satz kommt ohne Groll aus Susannes Mund „Mir passt es so!" höre ich zu meiner Verblüffung „Ich treffe alle Entscheidungen allein und muss mir nix dreinreden lassen!"

Zugegeben, das klingt nach Vorteil!

Während Alleinerzieherinnen im reißenden Strom des Lebens alle Stunts selbst erledigen, hab ICH ein unbezahlbares Double:
Ein Erziehungs-Double in Streitfragen, einen Kratzbaum und einen notfalls auch einen Finanzier, wenn's hart auf hart kommt. Sollte ich mal zusammen krachen, ruf ich den Ersatzspieler rein. Der ist nämlich mindestens genauso zuständig.

Falls es aber auch mal mit dem Ersatzspieler nicht klappt, dann beiß’ ich die Zähne fest zusammen und versuche für ein paar Stunden, Tage oder Minuten so stark zu sein wie Ihr Alleinerziehende! Respekt, Ladies! Ihr inspiriert mich!

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