Das können Männer von Frauenfreundschaften lernen

Frauen führen Freundschaften ganz anders als Männer. Warum sich Männer da was abschauen könnten? Das lesen Sie hier:

Frauen haben es gut

... denn jede Frau hat ihre beste(n) Freundin(nen), die einfach immer für einen da sind. Für uns Frauen scheint das ganz selbstverständlich zu sein. Aber wissen Sie was? Das ist noch viel großartiger und mehr Grund zur Freude, als wir ohnehin schon dachten. Denn die Art und Weise, wie Frauen Freundschaften führen, ist eine, die glücklich macht, gesund ist und sich positiv aufs Seelenheil auswirkt. Das sind intime Freundschaften, die stützen und Halt geben – etwas, was Männer in der Regel so nicht haben.

Männerfreundschaften sind keine Freundschaften

„Männerfreundschaften sind keine Freundschaften“, behauptet Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Denn es würden ihnen die wichtigsten Elemente einer Freundschaft fehlen: echte Intimität und Nähe. „Während der Kern von Frauenfreundschaften immer das Gespräch ist und auf dem Vertrauen basiert, dass man über alles sprechen kann, reden Männer meistens nur über sachliche Dinge und sind auf Unternehmungen beschränkt.“ Sie besteigen miteinander Berge, anstatt sich über ihr Gefühlsleben auszutauschen, verausgaben sich beim Fußball, statt sich einfach mal zum Plaudern zu treffen oder reparieren gemeinsam Autos, statt offen über ihre Beziehungsprobleme zu reden. Nur 30 Prozent vertrauen sich bei Liebeskummer einem Freund an, nur ein Drittel aller Männer redet mit Freunden über wirklich Persönliches.


Dabei wäre das lebensnotwendig, meint der Psychotherapeut. Krüger glaubt, die Selbstmordrate von Männern ist deshalb dreimal so hoch wie die von Frauen, weil Männer sozial nicht so gut vernetzt sind. Eine These, die er so begründet: „Männerfreundschaften fehlt es meistens an Offenheit. Und gerade in einer Krise ist die wichtig! Da muss man einfach reden, da hilft es nichts, schweigend miteinander das Matterhorn zu besteigen.“

Die Jacobs Studie 2014 vom Institut für Demoskopie Allensbach hat „Freundschaften“ umfassend untersucht. Hier einige Umfrageergebnisse, wie unterschiedlich Frauen und Männer das Ganze bewerten:

  • 53 % der befragten Männer und 57 % der Frauen halten Frauen- und Männerfreundschaften für sehr unterschiedlich.
  • 80 % der Frauen geben an, ­ausgiebig miteinander zu reden, wenn sie mit Freundinnen zusammen sind.
  • 47 % der Frauen und nur 23 % der Männer trinken einfach mal einen ­Kaffee miteinander und plaudern.
  • 35 % der Männer sagen, sie können auch gut mit Freunden zusammen sein, ohne dass viel geredet wird.
  • 76 % der Frauen ist es wichtig, dass man sich gegenseitig Mut zuspricht oder einander tröstet, 77 % wollen mit Freundinnen über alles reden können.

Helden sind nun mal nicht schwach

Wer aber Vorbilder wie Winnetou, Superman oder Rambo im Hinterkopf hat und jahrtausendelang aufgefordert wurde, stark zu sein, dem fällt es eben nicht leicht, auch mal Schwächen einzugestehen, erklären Experten das Phänomen der schweigenden Männer. „Männer sind Helden, Probleme zu haben und sie Freunden gegenüber zuzugeben, würden sie als Versagen empfinden“, sagt Wolfgang Krüger.

Die Frau, die Gefährtin

Deshalb machen viele Männer ihre Partnerin oder Ehefrau zur einzigen Vertrauten. Ha! Sie reden manchmal also doch, werden Sie jetzt vielleicht denken, dann ist ja alles in Ordnung. Ja, irgendwie schon, aber … relativiert das der Psychotherapeut gleich wieder, denn für eine Beziehung kann es auch sehr belastend sein, wenn Mann alle seine Probleme bei seiner Frau ablädt. „Männer machen sich dadurch stark von ihren Frauen abhängig, überfordern die Partnerin vielleicht, und die Beziehung kann irgendwann zur reinen Freundschaft werden. Man muss aufpassen, dass die erotische Spannung nicht verloren geht“, warnt der Fachmann. Er empfiehlt Frauen deshalb, sich als einzige Ansprechpartnerin auch mal zu verweigern und den Mann zu mehr eigenen Freundschaften zu animieren. Klingt wahrscheinlich leichter, als es ist ...

Ausweg Frauen-Männer-
Freundschaft

Für manche Männer scheint der Ausweg aus dieser Misere die Freundschaft zu einer Frau, die nicht die Partnerin ist, zu sein. Psychotherapeut Krüger hält das grundsätzlich für eine gute Idee: „Männer haben schon in der Kindheit gelernt: Mit der Mutter kann ich reden. Ist eine Frau in eine Freundschaft involviert, gibt es darin mehr Nähe.“ Bleibt noch die Frage, ob Frauen und Männer wirklich einfach befreundet sein können. Laut Studien glauben nur 50 Prozent der Befragten, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen funktionieren können. Und auch der Psychotherapeut schränkt ein, eine Frau-Mann-Freundschaft funktioniere nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa: „Wenn sie als mögliche Sexualpartnerin für ihn nicht ­infrage kommt, er erotisch abgesättigt oder schwul ist oder die ­beiden über Gespräche eine so große emotionale Nähe herstellen können, als würden sie miteinander ins Bett gehen.“

Grafiker Wolfgang Lehmann erklärt, warum er auch gerne eine Frauenfreundschaft führen würde:

„Ich finde es total schade, dass es unter uns Männern immer um ­Kon­kurrenz geht. Es ist so schön, dass bei euren Frauenfreundschaften das Gefühl eine so große ­Rolle ­spielen darf! Emotionen sind erlaubt, bei uns Männern ist das nur so, wenn es um Fußball geht. Männern wird eingeimpft, sie dürfen ja keine ­Gefühle zeigen, sonst gelten sie sofort als ,weich‘, und oft habe ich wirklich den Eindruck, Männern seien soziale Aspekte weitgehend egal. Das ist schade und ich pflege jetzt mehr Freundschaften zu Frauen. Das finde ich großartig, setzt aber voraus, dass man sich in die Denkweise des anderen Geschlechts hineinversetzen kann – auch nicht immer so einfach. Und schade ist, dass ein intimes Verhältnis zwischen Mann und Frau von der Gesellschaft sofort mit sexuellem Interesse gleichgesetzt wird, das muss nämlich überhaupt nicht sein. Auch wir Männer wollen manchmal einfach nur reden.“

Sich von einander was abschauen

Männer setzen auf Aktivitäten und prahlen vor Freunden schnell mit Erfolgen. Und dadurch schaffen sie sofort eine Atmosphäre der Rivalität, die wiederum Intimität verhindert, meinen Experten. Damit auch Männer „richtige“ Freundschaften führen können, müssen sie noch viel dazu lernen, sagt Psychologe Wolfgang ­Krüger: „Sie müssten lernen ihre Fassade aufzugeben, vom hohen Ross zu steigen, wirklich offen zu sein und auch über Ängste oder peinliche Situationen zu reden. Wenn sie erkennen, dass das wirklich weiterhilft, wäre das ein großer Gewinn für sie.“ Hoffen und es ihnen wünschen, darf frau ja.
Und auch wenn wir Frauen den Männern in Sachen Freundschaft ein großes Stück voraus sind, gibt es doch auch ­etwas, was wir uns von den ­Herren der Schöpfung abschauen ­könnten, ergänzt der ­Therapeut: „Bei all dem ­Sprechen über ­Schwächen und Probleme, bei all dem ­Einander-Stützen, ­vergessen Frauen manchmal, ihre Erfolge miteinander zu teilen. Aber sie dürfen ja auch mal stolz auf ihre Leistungen sein und sich miteinander drüber freuen. In diesem Punkt haben die Frauen noch ein bisschen Aufholbedarf.“

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