„Das katholische Frauenbild ist antiquiert“

Petra Schäffer ist Wiener Diözesansprecherin der Plattform "Wir sind Kirche". Sie sagt, dass die Kirche Frauen vor allem in der Küche sehen will - und sie sonst keine Aufstiegsmöglichkeiten haben.

„Eine Wende hin zur vollen Anerkennung der Personwürde der Frau, ihrer Gottebenbildlichkeit und damit zu ihrer gleichrangigen Stellung in der Kirche kann nur durch eine korrekte Aufarbeitung der Frauendiskriminierung in der Geschichte der Kirche erreicht werden, die bis heute aussteht, - basiert doch der Ausschluss der Frauen von Ordination und priesterlichem Amt eindeutig auf dieser bis heute nicht überwundenen Diskriminierung der Frau!“

Das steht auf der Homepage der Initiative „Wir sind Kirche“, die sich unter anderem dafür einsetzt, dass Frauen innerhalb der katholischen Kirche mehr Rechte bekommen. Wir haben mit Mag. Petra Schäffer, Diözesansprecherin in Wien, über das veraltete katholische Frauenbild gesprochen.

Frau Schäffer, haben Frauen in der katholischen Kirche zu wenig zu sagen?

PETRA SCHÄFFER: Generell ja. Es gibt in Österreich erst sehr wenige Frauen in Leitungspositionen, z.B. die Pastoralamtsleiterinnen in Wien und in Innsbruck, oder die Schulamtsleiterinnen in Wien und Innsbruck oder die Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Innsbruck - aber das sind noch immer Einzelfälle. Und in Rom gibt es derzeit nur eine einzige Frau, die eine päpstliche Universität leitet.

Die Mehrheit der Katholiken sind Frauen, viele Frauen engagieren sich in der Kirche: als Pfarrhaushälterin, als Pfarrsekretärin, als Krankenhausseelsorgerin, als Pastoralassistentin oder als Religionslehrerin. Doch das Priesteramt ist ihnen verwehrt und somit eine Karriere in der Kirche, die immer noch mit der Priesterweihe zusammenhängt.



Auf der Homepage von „Wir sind Kirche“ steht, dass die Frauendiskriminierung in der Geschichte der Kirche noch nicht korrekt aufgearbeitet worden ist. Was muss hier noch passieren?

SCHÄFFER: Im Neuen Testament erfahren wir von vielen wichtigen Frauen, die in der Urkirche Hausvorsteherinnen, Diakoninnen und Mitarbeiterinnen von Paulus waren. Die Ämter haben sich erst viel später entwickelt. Wir alle, Frauen wie Männer, haben jedoch durch die Taufe Anteil am Allgemeinen Priestertum. Die Kirche verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie die Frauen nicht mit einbezieht. Durch die Schöpfung haben Frauen und Männer die gleiche Würde erhalten und sind somit auch gleichberechtigt. Deshalb braucht es gleiche Rechte und Pflichten sowie gleiche Ämter für Männer und Frauen.



Wie würden Sie das Frauenbild der katholischen Kirche beschreiben? Hat es sich gewandelt, was ist gleich geblieben?


SCHÄFFER: Das katholische Frauenbild ist antiquiert und hat eine lange Tradition. Frauen gehören demnach in die Küche und zu den Kindern und sind für öffentliche Ämter nicht geeignet. Folglich wird den Frauen auch die Priesterweihe vorenthalten. Die katholische Kirche sollte jedoch eine Vorreiterrolle in Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit haben. Mit ihrer Diskriminierung leistet sie Vorschub, dass diese (daher auch die Frauenarmut) auf der ganzen Welt bestehen bleiben darf.

Papst Franziskus hat in seinem ersten Apostolischen Schreiben "Evangelii gaudium" die Verantwortlichen in der Kirche aufgefordert, auch hohe Leitungspositionen mit Frauen zu besetzen. Wir warten auf die erste Leiterin eines vatikanischen Ministeriums! Zwar hat der Papst, wie seine Vorgänger, ein "Nein" zum Frauenpriestertum gesagt, er hat aber von einer Tür gesprochen, die verschlossen ist. Aber eine Tür kann jederzeit aufgemacht werden.

Zusätzlich gibt es viel Bewegung: namhafte TheologInnen aus Europa und den USA fordern das Frauenpriesteramt. Aktuell im Jahr 2013, im Jahr der Papstwahl, wurde ein Ansuchen an den Papst weitergeleitet, dass Frauen auch zu Kardinälinnen ernannt werden, denn dafür ist laut Kirchenrecht keine Priesterweihe notwendig.



In welchen anderen Bereichen muss sich die Kirche Ihrer Meinung nach noch modernisieren?

SCHÄFFER: Viele Menschen, vor allem die Jugendlichen, finden die Kirche sexualneurotisch, frauenfeindlich, undemokratisch, vormodern, also out. Es sind genau die Themen des Kirchenvolksbegehrens und der Familiensynode. Diese Stolpersteine müssen aus dem Weg geräumt werden.

Mag. Petra Schäffer, Theologin und Religionslehrerin, ist Diözesansprecherin der Plattform "Wir sind Kirche" in Wien.

"Wir sind Kirche" ist eine Initiative aus Österreich, die das Kirchen-Volksbegehren im Jahr 1995 organisiert hat. Ihr Ziel sind grundlegende Reformen innerhalb der katholischen Kirche. Von der römisch-katholischen Kirche selbst wird die Initiative nicht anerkannt.

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