Das ist ja wie im Film

Ewig lange Sandstrände, tropische Regenwälder, türkisblaues Wasser: Mit der Karibikinsel Antigua hat es der liebe Gott besonders gut gemeint.

Ewig lange Sandstrände, tropische Regenwälder, türkisblaues Wasser. Und weil’s ohne nicht geht, sogar noch ein Haufen Bergerl für schnuckelige Buchten. Mit der Karibikinsel Antigua hat es der liebe Gott – oder ein begnadeter Hollywood-Regisseur– besonders gut gemeint.

Text &Fotos Alex Schütz

Leeward-Inseln, West Indies – klingt gut. Der Big Boss hier? Her Majesty, the Queen, natürlich. Lacht von jedem Geldschein, jeder Münze. Die Autos? Haben das Lenkrad rechts, fahren auf der Straße links. Welcome to Antigua, dem schönsten Flecken im Commonwealth, mitten in der Karibik, fast am Ende jener Perlenschnur, die sich von den Florida Keys bis Venezuela hinunterzieht. Mit Spanien oder Südamerika will man hier so viel zu tun haben wie der Teufel mit dem Weihwasser. Jeder Versuch, das Wörtchen eloquent auf Spanisch auszusprechen, wird mit einem „We say An-TI-GA!“ quittiert. Dass Christopher Columbus 1493 die Insel entdeckt und sie nach der Kirche Santa ­Maria La Antigua in Sevilla benannt hat, tut nichts zur Sache. Denn 1632 kamen die Briten auf die Insel. Seitdem wird das „u“ in Antigua konsequent unterschlagen.

Gut, dafür muss sich auch niemand mit Spanisch herumschlagen. „We speak English!“ Einfaches Englisch, befreit von Grammatik und Zeitenformen. „Wir haben wenig Zeit, alles muss schnell gehen“, sagt Keyon und lacht. „Da haben wir die Sprache von überflüssigem Ballast befreit.“ Sagt er. Und grinst bis über beide Ohren.

Keyon ist „um die dreißig“. Sein Vater arbeitet als Fischer, ihn zieht es hingegen in die Luft. Eine Pilotenlizenz hat er bereits, aber – noch – darf er gewerblich keine Passagiere fliegen, also offiziell nicht. „Eine Frage von wenigen Wochen“, sagt er voller Stolz. Den Unmut des Vaters hat er sich aber so oder so schon zugezogen. Als er mit einer geliehenen Piper PA-18 Super Cub auf offener See über dessen Fischerboot gedonnert ist. Und der Herr Papa beinahe einen Herzinfarkt bekommen hätte, weil er geglaubt hat, ein zweites Pearl Harbour zu erleben ...

Seine Urgroßeltern haben noch auf den Zuckerrohrplantagen gearbeitet, erzählt Keyon. Deren Urgroßeltern wiederum kamen als Sklaven nach Antigua. Alles Geschichte. Heute dreht sich (fast) alles um den Tourismus. Auf dem internationalen Flughafen V.C. Bird International Airport landet täglich ein Dutzend großer Flugzeuge der Marken Boeing und Airbus. Im Hafen von St. John machen täglich bis zu sechs Kreuzfahrtschiffe fest – und zwar nicht irgendwelche, sondern jene vom Typ Queen Mary, Freedom of the Seas, Diamond Princess und Aida. Konkret bedeutet dies, dass mit der Landung von mehr als 10.000 Kreuzfahrtpassagieren am Morgen die „Einwohner“-Zahl der Insel um ein Sechstel anwächst. Entsprechend hektisch ist das Treiben im kleinen Duty-Free-Boutiquenviertel von St. John’s. Ehe man sich umsieht, ist die Invasion auch schon wieder vorbei. Am Nachmittag heißt es nämlich husch, husch zurück ins Körbchen. Äh. Kabinchen.

Den totalen Kontrast zur hektischen Duty-Free-Atmosphäre gibt es nur wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt: Hier lacht einen jenes Bilderbuch-Antigua an, dass die meisten Kreuzfahrer live nie sehen werden. „Das ist ja wie im Film“ – immer wieder schießt dieser Gedanke durch den Kopf. So eine Postkartenidylle zieht natürlich auch immer mehr Prominente an.

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Wen man auf Antigua trifft, was man dort trinkt und wieso die Insel zehn Oscars verdient hätte, erfahren Sie in der Februar-WIENERIN.

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