"Das ist das Gesicht häuslicher Gewalt": Die Geschichte von Megan Montgomery ist kein Einzelfall

Drei Wochen nach ihrer Hochzeit zeigte die 31-Jährige ihren Mann zum ersten Mal an, zehn Monate später wurde sie von ihm ermordet. Ein Facebook-Posting über Megan zeigt: Viele Frauen haben Ähnliches erlebt.

+++++ Trigger-Warnung: Der folgende Artikel enthält Darstellungen von häuslicher Gewalt und kann für Betroffene retraumatisierend wirken. +++++

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Wer sich Megan MontgomerysInstagram Account ansah, sah eine junge, lächelnde Frau, ehemalige Cheerleaderin. Ihre Bilder zeigen sie beim Sport, mit Freundinnen, bei der #datenight mit ihrem Freund und späteren Ehemann, darunter Kommentare wie "Aww, gorgeous couple!".

Hinter dem perfekten Insta-Feed versteckte sich die Geschichte einer Frau in einer missbräuchlichen Beziehung. Eine Geschichte, die kurz nach der Hochzeit beginnt und zehn Monate damit endet, dass der Mann die Frau auf einem Parkplatz erschießt.

Megan und Jason Bragg McIntosh heirateten am 2. Februar 2019 in New York. Am 23. Februar wurde McIntosch, damals noch Police Officer, wegen häuslicher Gewalt verhaftet; er hatte Megan in den Arm geschossen. Es war Vertrauten von Megan zufolge nicht die erste Gewalttat.
Megan wandte sich an die Polizei, erwirkte vor Gericht eine einstweilige Verfügung und wollte sich scheiden lassen. Zehn Monate nach der Hochzeit war sie tot.

Am Abend vor dem Mord saß sie mit Menschen, die sie kurz zuvor bei einer Sportveranstaltung kennengelernt hatte, in einem Lokal, als McIntosh plötzlich hereinkam, Megan an der Schulter nahm und mit den Worten "Das ist meine Ehefrau, sie kommt mit mir" mit sich nach draußen führte. Einer der anderen Leute am Tisch erzählte später in einem Facebook-Posting: "Sie hatte Angst, aber ich nahm an, er hätte sie bloß dabei erwischt, etwas hinter seinem Rücken zu tun, nicht, dass es Angst um ihr Leben war. [...] Ich hatte keine Ahnung von der einstweiligen Verfügung, oder dass sie mitten in der Scheidung steckte," erzählt der Mann. "Ich sah sie mit ihm weggehen, in Panik, und wusste nichts. Keiner von uns tat das, aber wir waren die letzten, die sie lebend gesehen haben."

Die Frauenhelpline gegen Gewalt bietet rund um die Uhr gratis und anonym telefonische Erst- und Krisenberatung für Frauen, Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betrof­fen sind: 0800/222 555.

Facebook-Posting zu häuslicher Gewalt: Frauen teilen ihre eigenen Geschichten

Die Seite Feminist News postete auf Facebook die Geschichte von Megan Montgomery und teilte Fotos von der Hochzeit mit Josh McIntosh mit der Notiz: "SO sieht das Gesicht von häuslicher Gewalt aus".
Unter dem Posting sammelten sich zahllose Kommentare und Erzählungen von Frauen über ihre eigenen Erfahrungen mit häuslicher Gewalt. Von Manipulation von Partnern, die sie glauben ließen, die Gewalt wäre ihre eigene Schuld. Wie lange sie die Tatsache ignorierten, wie schwer es war, aus der Spirale auszubrechen, von der Angst, der ehemalige Partner könnte nicht aufhören.

Häusliche Gewalt: Warum sich Überlebende oft nicht lösen können

Jene, die missbräuchliche Beziehungen nicht erlebt haben, können sich oft schwer vorstellen, wieso Menschen wie Megan ihre Partner*innen nicht sofort verlassen. Die Dynamiken von Missbrauch - emotionale Manipulation, Gaslighting, die Zerstörung des Selbstwertgefühls, Angst und Scham - sind jedoch vielfältig. Und oft tödlich.
Die Erhöhung des Strafmaßes für häusliche Gewalt wird, zuletzt auch in Österreich, oft als abschreckendes Mittel zur Bekämpfung des Problems herangezogen. Tatsächlich benötigt es vor härteren Strafen vor allem die Behandlung jener Thematiken, die später zu häuslicher Gewalt führen können beziehungsweise die es für Frauen - sie sind die Hauptbetroffenen von häuslicher Gewalt - schwierig machen, ihre Partner zu verlassen: Frauenarmut, Gleichberechtigung, Gewalterfahrung in der Kindheit.

Zum Thema: Der WIENERIN Podcast "Scho wieder?!": Gewaltschutz in Österreich - Eine Chronologie der Versäumnisse

Österreich galt lange als Vorreiter, wenn es darum ging, Frauenmorde zu verhindern. Doch der Opferschutz wurde in den vergangenen zwei Jahren gefährdet - obwohl sich die ÖVP-FPÖ-Regierung genau diesen medienwirksam auf die Fahnen geheftet hat.

Mit Jänner 2020 tritt das neue Gewaltschutzgesetz in Kraft. Bereits im Vorfeld wurde es stark kritisiert – auch von jenen Expert*innen, die im Rahmen der Taskforce der schwarz-blauen Regierung an seiner Entwicklung beteiligt waren. Wie kann das sein?

Eine Recherche von Eja Kapeller und Magdalena Pötsch

TRIGGERWARNUNG: In dieser Folge sprechen wir über Partnergewalt. Opfer von Gewalt können sich kostenlos und anonym an die Frauenhelpline wenden: 0800 222 555

 

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