Das hat mein Erziehungsstil mit dem meiner Eltern gemein

Redakteurin Catherin vergleicht ihren Erziehungsstil mit dem ihrer Eltern, und trotz Differenzen haben sie eines gemeinsam: Humor.

Den Erziehungsstil meiner Eltern Anfang der 70er Jahre kann in drei Worten beschreiben: Streng, fordernd und - trotzdem - unfassbar komisch. Auf den Ernst des Lebens sollte ich vorbereitet werden, in all seiner Härte. Dafür dass dabei aber auch der Spaß nicht zu kurz kommt, sorgten meine Eltern mit spontanen, kabarettistischen Einlagen und Parodien (meiner Frisur, meines Üble-Laune-Gesichts, meines Teenager-Makeups) und mit beißendem Wortwitz aus der Position siegessicherer Erziehungs-Champions. Beleidigt war ich anfangs schon, gelacht habe ich am Ende immer. Und zwar über mich selbst.

Vom pädagogischen Zeigefinger und der Narrenfreiheit

Erziehung braucht Glaubwürdigkeit, Leichtigkeit und Gelassenheit. Wer sich selbst nicht treu bleibt, hat schon verloren. "Behalten Sie Ihren Humor!" rät Familienberater Dr. Jan-Uwe Rogge „Sie werden ihn brauchen ..." Der Praxistest im Alltag einer berufstätigen Mutter mit drei Kindern gibt dem Experten recht: Wenn der pädagogische Zeigefinger versagt, hilft die Clown-Nummer. Eigentlich ein Witz, oder? Man(n) braucht gar keine rote Nase und Riesenschuhe um Kinder zum Lachen und vor allem zum Nachdenken zu bringen. Spaßmacher haben Narrenfreiheit und dürfen Problem ehrlich ansprechen.

„Das Lachen schafft Gemeinschaftsgefühle: Dem anderen ergeht es ja ganz ähnlich, und ich stehe nicht allein da mit meinen Problemen. Im Lachen akzeptiert man kleine und große Schwächen, bekennt sich zu seiner Unvollkommenheit. Lachen erdet. Lachen ist die beste Medizin, eine Medizin mit guten Nebenwirkungen, denn der (Erziehungs)Alltag wird auf wundersame Weise leichter", fassen die Experten Dr. Jan-Uwe Rogge und Angelika Bartram in ihrer Spaß-Bibel zusammen.

Humor ist die beste Waffe

Der italienische Psychologe und Psychotherapeut Osvaldo Poli schlägt in seinem Erziehungsratgeber sogar martialische Töne an: „Der Feind* (*damit sind Kinder gemeint, die ihre Mütter tyrannisieren, Anmerkung der Redaktion) schlägt uns immer mit der Waffe, die wir ihm selbst in die Hand geben."

Ganz in Polis Sinne - und natürlich der Tradition meiner Eltern folgend - möchte ich meinen Kindern auch eine ordentliche Waffe auf ihrem steinigen Weg durchs Leben mitgeben: Eine ordentliche Portion Humor. Es lohnt sich!

Osvaldo Poli.
"Wenn Mütter zu sehr lieben. Erziehen heißt Grenzen setzen." 2011.

Jan-Uwe Rogge und Angelika Bartram. "Viel Spaß beim Erziehen! Ein Buch für alle unvollkommenen Eltern." 2009.

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