Das Frauentaxi, das man nicht so nennen darf

Yvonne Nather ist eine der wenigen Mietwagenunternehmerinnen Wiens. Und fährt statt Politikern lieber Promis durch die Stadt - und Frauen, für die sie einen eigenen Service anbietet. Die WIENERIN hat die sympathische Taxi-Chefin gesprochen.

Wenn Popstars durch Wien chauffiert werden, sind die Chancen groß, dass eine Frau am Steuer sitzt. Yvonne Nather gehört zu den wenigen Mietwagenunternehmerinnen der Stadt. 2010 hat die 36-Jährige das Business von ihrem Vater übernommen. Einige männliche Fahrer sind damals abgesprungen, dafür hat sie viele Frauen ins Team geholt. Wenn - im im Kabinett Kurz/Strache geschehen - ein österreichisches Ministerium weibliche Fahrer ablehnt, reagiert die Chefin pragmatisch: "Im Grunde es ist ein Wahnsinn, aber ich ärgere mich nicht, sondern setze meine Mitarbeiterinnen für die coolen Promi-Transporte ein." Für normale Frauen bietet die sympathische Unternehmerin das Sternenmädchen-Service: Eine Fahrerin holt die Kundin ab, bringt sie an ihre Wunschdestination, steigt mit ihr aus und wartet, bis sie sicher das Haus betreten hat. (www.viennto.at)

Frauentaxi Sternenmädchen viennto.at

Die WIENERIN hat mit Yvonne Nather über das "Frauentaxi", das man nicht so nennen darf, gesprochen.

WIENERIN: Yvonne, du hast 2010 die Firma von deinem Vater übernommen. Wolltest du immer schon ins Taxi- und Mietwagengeschäft einsteigen?

Yvonne Nather: Ganz und gar nicht. Ich hab eine HAK-Matura gemacht, bin dann in die Gastronomie gegangen und hab mit voller Leidenschaft im Catering gearbeitet. Ich bin natürlich mit Autos aufgewachsen. Mit Nylonstrümpfen Keilriemen fixieren, Reifenwechseln und soetwas, das hab ich von klein auf gelernt, aber den Job selbst zu machen, war nicht geplant.

Warum dann doch?

Mein Papa ist von einem Tag auf den anderen krankheitsbedingt ausgefallen, er war nach einer Operation zwei Monate im Koma. In der Zeit haben meine Mama, meine Schwester und ich versucht, das Unternehmen irgendwie aufrecht zu erhalten. Er hat sich zurück ins Leben gekämpft, Gott sei Dank. Für mich hat sich da aber dann ernsthaft die Frage gestellt, ob ich nicht doch übernehmen will. Und so hab ich dann mit 26 Jahren meinen alten Job gekündigt und den Taxischein gemacht.

Wie haben das Personal und die Kunden auf die junge Chefin reagiert?

Es gab schon Ressentiments. Mit meinen Erneuerungen und Modernisierungsmaßnahmen sind nicht alle zurecht gekommen. Viele Fahrer sind gegangen, weil sie mir das als Frau mit dem Alter einfach nicht zugetraut haben. Für die meisten Kunden war das kein Thema. Es gibt bis heute immer wieder Fälle, wo keine weiblichen Fahrerinnen gewünscht sind. Ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern und sehe das ganz pragmatisch: Meine tollen Fahrerinnen machen anstelle die Produktionen mit den coolen Bands.

Wie? 2019 gibt es Kunden, die ausdrücklich sagen, dass sie keine Fahrerinnen möchten?

Ja leider. Kürzlich sogar ein österreichisches Ministerium. Mit dem fadenscheinigen Argument, es würde „in der Reihe“ nicht so gut ausschauen. Häh? Die Saudi-Arabische Botschaft ist auch ein jahrelanger Kunde von uns, da fahren wir Frauen auch nur das Gepäck. Es ist aber okay. Wie gesagt, wir wollen keine Befindlichkeiten revolutionieren und ich freue mich mehr, wenn wir als Fahrerinnen Teil einer lässigen Musik-Produktion sein dürfen. Mit Stars wie Sir Paul McCartney oder so zu arbeiten, das kann schon was.

Es gibt aber auch Menschen, die ganz gezielt nach Frauen fragen.

Genau. Das hat mich auch auf ein Service, das wir seit zwei Jahren anbieten, gebracht. Sternenmädchen bedeutet: Eine weibliche Mietwagenlenkerinnen holt die Kundin ab, bringt sie an ihre Wunschdestination, steigt mit ihr aus und wartet, bis sie sicher das Haus betreten hat.

Frauentaxi also.

Ja, aber so dürfen wir das Baby nicht nennen. Bei Taxis gilt Beförderungspflicht. Anders als Alkoholisierte, Menschen in Waffenbesitz oder Hunde, sind Männer halt kein Ausschließungsgrund. Es ist kompliziert! Aber das ist nicht unser einziges Problem. Als Mietwagenfirma sind wir nicht mit TX-Kennzeichen unterwegs, keine Taxi-Anzeige und kein Taxameter. Es wäre doch eigenartig, würden wir bei Staatsgästen und Co. mit dem Mercedes S samt Taxileuchte und Taxameter vorfahren. Aber das neue Gesetz, das mit Mai 2020 in Kraft treten soll und das eigentlich gegen Uber vorgeht, trifft mich genauso.

Was hältst du von Uber?

Ich finde Uber großartig. Also die Marke, die sie geschaffen. In Filmen werden heute keine Taxis, sondern ein Uber bestellt. Auch die Innovationen wie Uber eats etc. die sie umsetzen, sind genial. Nur: Es werden die Gesetze schlicht weg gebrochen und alle, die für Uber fahren, müssen meiner Meinung nach geisteskrank sein. Wer möchte nach 16 Stunden Arbeiten einen Lohn bekommen für den man sich grad ein Wurstsemmerl kaufen kann?

Wie geht’s jetzt weiter?

Ich müsste alle Autos auf Taxi umrüsten. Das ist unmöglich. Ob ich als Sternenmädchen, Band-Transport oder als Flughafentransfer Viennto unterwegs bin, die Autos sind immer dieselben. Es ist die Dienstleistung, die uns besonders macht. Aber anders als der Krankentransporter oder die Stretchlimousine, die in dieselbe Kategorien fallen wie wir, werden wir nicht automatisch eine Ausnahmebewilligung bekommen

 

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