Das Beste kommt noch

Guter Schmäh, offenes Lachen und die Intelligenz, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen: Hilde Dalik ist derzeit wahrscheinlich in den besten Jahren ihrer Schauspielkarriere. Dabei steckt viel mehr in der Niederösterreicherin, als Castingdirektoren wahrhaben wollen.

Junge Frauen, zumal hübsche, haben ein Problem auf der Leinwand. Sie dürfen sich retten lassen, und sind im besten Falle Mädchen zum Pferdestehlen. Aber selber erobern, womöglich die Welt? Hilde Dalik (35) ist damit so unglücklich wie viele Kolleginnen. Dabei ist sie derzeit gut im Geschäft: Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt, Fernsehauftritte, gelegentlich ein Kinofilm. Und manchmal passiert das Wunderbare:

Da sieht ein Regisseur etwas in mir, von dem ich immer schon wusste: Das bin ich auch, das kann ich!
Hilde Dalik

Die erfreuliche Ausnahme ist Andreas Schmied, Regisseur der steirischen Arbeiterkomödie „Die Werkstürmer". Dalik spielt darin die Gewerkschaftsanwältin Babs Brossmann, die in ihren Heimatort am Erzberg zurückkehrt: Gehaltskürzungen im örtlichen Stahlwerk haben die Arbeiter auf die Barrikaden getrieben, der Betrieb ist von der Schließung bedroht - ein hochaktuelles Thema, wie nicht zuletzt die Insolvenz des Baukonzerns Alpine demonstriert.

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Die fesche Dalik, eine Gewerkschafterin? „Ich hab jemandem erzählt, dass ich eine Gewerkschaftsvertreterin spiele, und der hat nur gelacht. Aber was soll's - wenn der keine Phantasie hat, ist mir das doch egal", sagt sie.

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Babs ist allerdings nicht nur Gewerkschaftsvertreterin, sondern auch die Exfreundin von Patrick Angerer (Michael Ostrowski), einem Protagonisten des Streiks. Und ihr Kollege Ulf (Oliver Rosskopf) betrachtet sie eher als Assistentin und Sidekick denn als Partnerin - und sie lässt sich das gefallen, obwohl sie ihn demnächst heiraten will.

Zuerst hat sie noch gehofft, dass es besser wird mit ihm. Aber dann schluckt sie mehr und mehr runter - bis sie draufkommt: Das kann es doch nicht gewesen sein!
Hilde Dalik
Männer dürfen die Welt retten und kriegen obendrauf noch das sexy Mädel zur Belohnung, aber für uns soll die Erfüllung die Hochzeit sein? Da pfeif ich doch drauf!" Dalik wird grantig, wenn sie damit anfängt: „Viel spannender sind doch Frauenfiguren, die selber begehren, und nicht einer Erwartungshaltung entsprechen wollen.
Hilde Dalik
Man muss auch Geld verdienen, da hab ich gar nichts dagegen. Aber die besonderen Rollen sind schon die, in denen mich jemand anders sieht.
Hilde Dalik

Auf dem Filmplakat trägt Hilde Dalik Brautkleid und dazu genagelte Schuhe. Was davon ihr lieber? „Eher die Protestpatscherl, nicht das rüschige Hochzeitskleid. Für mich ist das nichts." Das ist ein Aspekt, der Dalik an ihrer Filmfigur besonders gefällt: Dass sie sich nicht einfach so heiraten lässt.

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Ursprünglich wollte Dalik Regisseurin werden:„Ich war schon als Kind ein riesiger Kinofan, und hab mir vorgestellt, Regie muss der beste Beruf von allen sein. Du kannst eine eigene Welt mit eigenen Regeln erfinden. Da geht nix drüber!" Mit Freunden hat sie Zirkusaufführungen im Garten veranstaltet, „und mit Super-8-Kameras und später auf Video habe ich Krimis gedreht."


Dass das Filmemachen ein ernsthafter Job werden könnte, wirkte damals fern; naheliegender schien ein Studium der Philosophie und der Theaterwissenschaft. Aus einer Hospitanz am Burgtheater ergaben sich erste Schauspielengagements, der logische nächste Schritt war die Schauspielschule. Heute spielt sie an der Josefstadt, hat Kinoerfolge wie „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" hinter sich, und spielt in Fernsehserien mit - vom „Bergdoktor" bis zu „Soko Kitzbühel".

Nach wie vor sind sie in der Minderheit, die Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten, die sich trauen, die Schubladen ein wenig weiter aufzuziehen, und echte Frauen im Kino zu zeigen, eben solche wie Hilde Dalik, für die ihre Arbeit und ihr sozialesEngagement - etwa für minderjährige unbegleitete Asylsuchende, die von der Diakonie betreut im Laura-Gatner-Haus leben - spannender sind als ein unzeitgemäßes Rollenbild einer Frau, die ihrem Mann den Rücken freihält. „Ich will meine Entscheidungen nicht von der Angst abhängen lassen, nach dieser oder jener Rolle wieder in die falsche Schublade einsortiert zu werden", so Dalik.

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