Das Band der Pandora

Die WIENERIN hat sich in einer der größten Schmuckmanufakturen der Welt umgesehen – und bei der Produktion ein wenig mitgeholfen.

Bis aus einem Klumpen Silber ein hübsches Bettelarmband wird, vergeht eine Menge Zeit. In einer der größten Schmuckmanufakturen der Welt läuft das wie am Schnürchen. Die WIENERIN hat sich das in Thailand genauer angesehen – und bei der Produktion ein wenig mitgeholfen.

Text & Fotos Katharina Reményi

Der Lärm ist ohrenbetäubend. Ohne Ohrenschützer hält man es in dieser Fabrikshalle nicht lange aus. Ich bin bei Pandora, der wohl größten Schmuckfa­brik der Welt. Durch riesige Glasscheiben sehe ich die umliegenden Montageräume. Aufgefädelt wie auf einer Perlenkette sitzen hier Arbeiterinnen, die flink wie die Ameisen kleine Glaskugeln an einem Draht fixieren. Es ist mucksmäuschenstill. Die Hände der Arbeiter arbeiten wie Maschinen. Ich höre nur mein verzweifeltes Stöhnen. Denn ich darf selbst mit Zange und Golddraht ausprobieren, die Schmuckstücke zu fertigen. Was aussieht wie ein Bastelkurs für Kleinkinder, wird für mich zur Herausforderung. Denn den Orden für besondere Fingerfertigkeit wird mir in nächster Zeit niemand an die Brust heften.

Eigentlich geht gerade mein Kindheitstraum in Erfüllung. Mit fünf Jahren war Die Sendung mit der Maus meine Lieblings­sendung. Ich konnte mir damals nichts Besseres vorstellen, als am Fließband zu stehen und Zahnpastatuben oder Ähnliches zu kontrollieren …& amp; amp; amp; lt; /p>

Die Werkshallen von Pandora liegen in einem Randbezirk von Bangkok. Die Einfahrt zum Firmengelände erinnert eher an die Auffahrt einer Villa in Hollywood als an Arbeit. Palmen, Springbrunnen und Menschen in Uniform, die dem ­Fahrer den Weg zum richtigen Gebäude zeigen. Kaum zu glauben, dass zwischen all dem Grün Hallen stehen, in denen mehr als 1.200 Leute arbeiten, die monatlich mehr als eine Tonne Silber- und Goldkugeln mit Edelsteinen und Perlen produzieren und in die ganze Welt verschicken. Und trotzdem in erheblichem Produktionsrückstand sind, da die Nachfrage enorm ist. Allein in Österreich wollen mehr als 115 Juweliere mit den Sammlerstücken beliefert werden.

Die Erfolgsstory von Pando­ra hört sich an wie eine dieser Tellerwäscher-zum-Millionär-Storys. Vor zehn Jahren saß der Besitzer Per Enevold­sen, 54, nämlich noch in seinem acht Quadratmeter großen Juweliergeschäft in Kopenhagen und hatte viel Zeit zum Nachdenken. So lange, bis ihm die Idee kam, die er so erfolgreich umsetzte, dass er sich gestern spontan einen weißen Bentley gekauft hat: Bettelarmbänder mit Anhängern aus Silber, Gold oder Muranoglas. ­Diese Geschichte ist kaum zu fassen. Auch nicht, wenn man sie in zwei Zahlen erzählt: 1999 Firmengründung, 2007 mehr als 400 Millionen Euro Umsatz.

Als ich das klimatisierte Fabriksgebäude betrete, bin ich ein wenig enttäuscht. Vom Sendung mit der Maus-Fließband ist weit und breit nichts zu sehen. Jesper ­Nielsen, Geschäftsführer für die deutschsprachigen Länder, sagt dazu nur gelassen: „ Pandora ist kein Modeschmuck, sondern echtes Goldschmiede­handwerk. Jedes einzelne Teil ist handgemacht.“

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Vom Entwurf zum fertigen Armband – lesen Sie mehr über die Schmuckherstellung bei Pandora in der Juli-Ausgabe der WIENERIN.

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Jedes Stück ist handgefertigt: Vom Wachsmodell bis zu den fertigen Schmuckstücken wandert ein Anhänger durch 1.200 Hände.

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Wenn WIENERIN-Modechefin Katharina Reményi nicht an der Werkbank sitzt, ist die Produktion der Anhänger wesentlich effektiver.

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