Darum wollen Männer nicht über ihre Gefühle reden

In der aktuellen WIENERIN checken wir mit Coachin Nicole Siller, ob es stimmt, dass Männer nicht über ihre Gefühle reden wollen. Wo Frauen ja so gerne ... Hier die Antworten.

Wollen Männer wirklich nicht über Gefühle reden? Oder unterstellen wir ihnen das? In den meisten Fällen ist es tatsächlich so, sagt Coachin Nicole Siller, wobei sie auch gleich anmerkt, dass der Satz so nur die Frauenperspektive erzählt. Ein Mann würde wohl eher sagen: "Frauen wollen viel zu viel über ihre Gefühle reden." Die Forderung, dass er es tut, ist eine größere als wir uns vorstellen. Denn bevor man(n) über ein Gefühl reden kann, muss er es wahrnehmen können, es in seine Gedankenwelt holen und dann auch noch in Worte fassen ... puh ...

Männer haben ihre Gefühlswelt ein wenig begraben


Laut dem Männertherapeuten und Autor von "Männerseelen" (Goldmann, € 9,20) haben Männer den Zugang zu ihrer Gefühlswelt ein bisschen vergraben. Sie haben natürlich nicht weniger Gefühle als Frauen, sondern nehmen sie oft nur nicht so stark wahr - und tun sich deshalb auch schwerer, sie zu artikulieren, logisch.

Wobei Gefühle wie Stolz, Freude und Ärger einem Mann von der Gesellschaft durchaus zugestanden werden, sagt Nicole Siller. Aber kleinen Buben wird oft noch gesagt, sie sollen sich zusammenreißen, wenn sie traurig sind.

Wirklich gut zulassen können Männer Gefühle am Fußballplatz, weil sie dort unter sich sind oder im Umgang mit kleinen Kindern, erklärt die Coachin.

Gespräche mit anderen Männern tun gut


Nicht nur, weil es Beziehungen gut tun würde, wäre es für Männer manchmal wichtig "reden" zu können - auch wenn es um andere Baustellen in ihrem Leben geht, wäre das vorteilhaft für sie, schreibt Daza Szekely in "Das Schweigen der Männer" (Blanvalet, € 17,50) und empfiehlt, sie sollten es einfach üben. Denn Reden lerne man durch Reden - am besten, so sind sich viele Experten einig, durch Gespräche mit anderen Männern. Denn "es tut ihnen gut, sich mit ihren Männerproblemen nicht allein zu fühlen, sondern sie zu teilen und mitzuteilen", schreibt Szekely.

So können Frauen mithelfen


Wünscht sich eine Frau, dass ihr Partner öfter über seine Gefühle redet, kann sie zunächst einmal fördern, dass er sie wahrnimmt, meint Nicole Siller: etwa, indem sie ihm das vorlebt, und in Momenten, wo sie sich besonders freut, das auch sagt. Oder ihn bei Kleinigkeiten zum In-sich-Hineinspüren anregt. Also ihn ihm Restaurant z.B. fragt, ob er das Essen, den Abend, auch so genießt. "Dieser Anstoß zum Hineinspüren, die sanfte Einladung dazu sind bessere Wege, als stures Einfordern", sagt Siller.

Was Männern Angst macht


Frauen wollen so gerne "extra" über ihre Gefühle sprechen und das ist genau der Punkt, den Männer oft nicht nachvollziehen können, meint die Coachin. Frauen mögen diese "Extragespräche", wo es mal nur um den Beziehungstatus geht, und die Forderung danach macht Männern oft Angst, dann stecken sie lieber den Kopf in den Sand. Aus ihrer Sicht drücken sie ihre Zuneigung nämlich ohnehin (ständig) aus: Sie zum Essen einzuladen, besonders hart zu arbeiten oder der Ausflug am Wochenende, all das kann er genauso als Liebeserklärung meinen. Auch das will gesehen werden.

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