Darum sind Weihnachtsgeschenke das Schlimmste an der Adventzeit

WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas findet Weihnachtsgeschenke ziemlich anstrengend.

Unsere stellvertretende Chefredakteurin Ursula Neubauer findet Schenken übrigens ganz super. Ihre Pro-Meinung lesen Sie hier.

Die Liste! Die verdammte Liste. Ich muss anfangen, bald, jetzt. Ich bin verloren. Doch die Geschenke-Liste ist noch nicht geschrieben, denn das Leben abseits von „Was schenke ich zu Weihnachten?“ ist auch recht dicht gefüllt mit Leben. Eben. Und so schau ich verzwickt auf meinen feschen Adventkranz und da brennt jetzt schon die dritte Kerze und meine Liste ist so jungfräulich wie Maria einst gewesen sein soll ehe der Engel Gabriel.. na, Sie wissen schon.

Viel Familie, viel Liebe

Warum ich mich so aufrege über diese Liste? Es fängt damit an, dass ich in einer großen Familie lebe. Ich habe sechs Geschwister, die ihrerseits fast alle Partner und großteils auch Kinder (mehrere) haben. Von einem Teil dieser Kinder, die in allen Altersstufen vorhanden sind, bin ich auch abwechselnd Tauf- oder Firmpatin (dieses katholische Land, herrje), also habe noch einen Extra-Job außer bloß die Tante zu sein. Das ist mein Background, Nr. 1. Dann hab ich einen Mann geheiratet, der netterweise Eltern hat, die sich scheiden ließen, um sich glücklich neu zu verheiraten – also vier Stück Schwiegereltern. Die liebe Uromi lebt auch noch – und ich freue mich jeden Tag darüber, echt! Darum geht’s gar nicht. So, dann habe ich mit meinem Mann auch ein paar Kinder bekommen, zwei eigene, aber auch zwei Stiefkinder. Tolle junge Frauen, auch hier will ich mich nicht beschweren. An sich. Das ist Background Nr. 2

Vollzeitjob: Geschenke aussuchen

ABER: Wenn man jeder und jedem in dieser Waltons-Mega-Familie etwas schenken möchte, dann sollte man dafür eigentlich eine berufliche Auszeit nehmen. Oder überhaupt in Klausur gehen. Und man sollte – was ich natürlich nicht tue – Buch führen über Dinge, die in den letzten 15 Jahren geschenkt wurden. Duftkerzen für die Schwägerinnen? Keine üble Idee, aber war da nicht was? Hab ich nicht erst vor 2 Jahren den ganzen Fragonard Online-Shop leergekauft für die lieben Damen? Sie sehen, was ich meine. Was Persönliches? Schwierig, ich bin zu weit weg. Was Schickes? Eh, aber das genau treffen? Da sollen sich bitte meine Brüder vulgo Ehemänner drum scheren. Ein Buch? Vielleicht, aber weiß ich, ob nicht längst Herr Kindle bei all den Leuten eingezogen ist? Und konzentrisch gehen die Kreise zusammen. Den Kindern Spielzeug (unter stressigsten Abstimmungs-Telefonaten mitten im Spielzeug-Geschäft streicht man Dinge, verhandelt mit den Müttern usw.).

Die Post arbeitet gegen mich

Und will man die schöne Online-Welt nützen statt des Herumgeschubses in der Stadt? Nicht zu früh freuen, Lieferzeiten – aber hallo. Und dann muss man ja jedem Packerl höchstpersönlich irgendwohin nachrennen, weil Postler in diesem Land nicht einmal mehr versuchen auf eine Klingel zu drücken, sondern einen Zettel picken und weg sind sie. Die anderen Zustelldienste sind da nix besser, keine Sorge, liebe Post. Und Shops, wie Westwing zB, die superschön sind und wo man sich online auch gut austoben kann und sicher viel Geschenk-Potenzial haben, haben freilich auch einen Haken: Den mit Abstand absurdesten Lieferplan. Hier wird nämlich quasi jede Zierpolsterhülle extra in ein Packerl gesteckt. Heißt im Klartext: 10 mal dem Ganzen hinterherrennen. Und die Nerven? Naja, ich halt nicht. Und wenn man alle diese must-have Geschenke einmal außen vor lässt, kommt man zum Kern des ganzen Desasters.

Glänzende Augen durch Zeit schenken

Meine Liebsten. Ja, freilich will ich denen was schenken, freilich freue ich mich über die berühmten glänzenden Kinderaugen (sollte es die tatsächlich geben). Nur leider ist in meinem Kopf und in meiner Seele nicht mehr viel Spielraum für kreative, von Herzen kommende Dinge. Also mach ich vermutlich folgendes: Ich werfe alle pädagogischen Konzepte über den Haufen und besorge Dinge, die ich im Grunde verachte – pinken Prinzessinnen-Kram und so was. Dem Mann schenke ich das (gefühlt tausendste) Foto unserer lieben Familie – diesmal wieder mit Kindern, die ein Jahr älter sind. Oder: Ich fange endlich an mit dieser Liste. Und schreibe drauf. „Ich schenke allen in diesem Jahr das, was wir alle am dringendsten brauchen. Zeit. Miteinander.“ Frohe Weihnachten!

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