Darum schreibt diese Prostituierte einen offenen Brief an ihre Freier

In einem offenen Brief rechnet die ehemalige Prostituierte Tanja Rahm mit ihren Freiern ab.

Die Dänin hat 3 Jahre lang als Prosituierte gearbeitet und ist heute Therapeutin. In ihrem offenen Brief rechnet sie mit ihren ehemaligen Freiern ab. Der Brief erschien ursprünglich auf ihrem Blog tanjarahm.dk.

Dänische Sex-Arbeiterin rechnet mit Freiern ab

Lieber Sex-Käufer,

falls du glaubst, dass ich mich jemals zu dir hingezogen gefühlt hab, liegst du schrecklich falsch. Nicht ein einziges Mal bin ich mit Lust zu meinem Job gegangen. Das Einzige, was mich beschäftigt hat, war, schnelles Geld zu verdienen. Verwechsle das nicht mit leicht, denn leicht war das nicht. Aber schnell, ja. Weil ich mit der Zeit viele Tricks lernte wie du am schnellsten kommst... damit du einfach wieder von mir ablassen würdest.

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Wenn du geglaubt hast, du wärst ein Heiliger, weil du mich fragtest, was so ein niedliches Mädchen wie ich denn da mache, dann hast Du Deinen Heiligenschein verloren, als du mich kurz darauf gebeten hast, mich auf den Rücken zu legen – um dann durch Deine Berührungen meinen Körper mit blauen Flecken zu markieren, als sei es dein Revier. Es wäre mir echt lieber gewesen du hättest dich einfach flach hingelegt und mich meinen Job machen lassen.

Dachtest du, du könntest deine Männlichkeit stärken, in dem du mich zum Höhepunkt bringst? Ich habe ihn jedes einzelne Mal vorgespielt! Ich war so gut darin, dass die Rezeptionistin jedes Mal vor lachen vom Stuhl fiel, als ich das Hotel verließ.

Verachtung für die Freier

Du warst vielleicht Nummer drei, Nummer fünf oder Nummer acht an diesem Tag. Glaubtest Du wirklich, dass ich mental oder physisch angetörnt werden kann von einem Mann, den ich mir nicht selbst ausgesucht habe? O nein. Mein Unterleib brannte. Von Gleitcreme und Kondomen.

Und ich war müde. So müde, dass ich mich zwingen musste, die Augen offen zu halten, während mein Gestöhne routiniert ablief.

Falls du geglaubt hast, dass du für ein freundliches Schwätzchen oder für Loyalität bezahlt hast, dann musst du umdenken. Deine Erklärungsversuche waren mir gleichgültig. Ob nun deine Frau eine Beckenringlockerung hatte und du ja nicht ohne Sex auskommen konntest oder du andere dämliche Erklärung für deinen Besuch bei mir und die Tatsache hattest, dass Du mich für Sex bezahlt hast. Wenn du geglaubt hast, dass ich dafür Verständnis hatte, dann log ich. Ich hatte nur Verachtung für dich übrig. Gleichzeitig hast du etwas in mir zerstört, du hast nämlich Zweifel in mir gesät.

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Prostituierte gibt es nur wegen deinem frauenverachtenden Weltbild

Wenn du Sex kaufst, sagt es sehr viel über dich aus, deine Ansichten über Menschen und über deine Sexualität. In meinen Augen ist es ein ziemlich großes Zeichen von Schwäche, selbst wenn du es mit einer kranken Form von Macht und Status verwechselst. Du glaubst, Du hast ein Recht dazu. Die Prostituierten sind ja ohnehin da. Aber weiß du was?

Die Prostituierten sind nur da, weil Männer wie du einem gesunden und respektvollen Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Weg stehen. Die Prostituierten existieren nur, weil Männer wie du sich berechtigt fühlen, ihre sexuellen Bedürfnisse in den Körperöffnungen anderer Menschen zu befriedigen.


Die Prostituierten sind nur da, weil du und deine Gleichgesinnten behaupten, dass eure Sexualität es fordert, ständig Zugang zu Sex zu haben, wann immer es euch passt. Prostituierte gibt es nur, weil Ihr ein frauenverachtendes Weltbild habt und Ihr mehr an euren sexuellen Bedürfnissen interessiert seid als an dem Verhältnis, in dem diese sexuellen Ausschweifungen stattfinden.

Du hast Sexualität nicht verstanden

Wenn du Sex kaufst, heißt das, dass du den Kern deiner eigenen Sexualität nicht gefunden hast. Ich finde, das ist schade für dich. Wirklich. Dass du so mittelmäßig bist zu glauben, Sexualität handelt davon, einen Orgasmus in einer fremden Scheide zu bekommen. Und wenn keine in Reichweite ist, ist sie doch nicht weiter weg als der Weg mit dem Auto in eine Straße, in der eine Frau wartet, die du dafür bezahlst, dich in einer Plastikhülle in eine ihrer Körperöffnungen entleeren zu dürfen. Du musst ein verschmähter und frustrierter Mann sein.

Ein Mann, der es nicht schafft, tiefe und nahe Beziehungen herzustellen, in denen Verbundenheit mehr zählt als ein Höhepunkt. Ein Mann, der seinen Gefühlen nur durch einen Orgasmus freien Lauf lassen kann. Der es nicht schafft, über seine Gefühle zu sprechen, sondern sie lieber in seine Geschlechtsteile drückt, aus denen sie dann abfließen können. Gleichzeitig muss deine Männlichkeit auf einem ziemlich niedrigen Stand sein. Ein maskuliner Mann würde sich niemals selbst erniedrigen und für Sex bezahlen.

Was Deine Menschlichkeit angeht, so glaube ich an das Beste, auch in dir. Ich weiß, dass tief in Dir drin auch ein Gewissen schlummert. Dass Du Dich im Stillen schon gefragt hast, ob das, was du machst, ethisch und moralisch in Ordnung ist.

Körper sind keine Ware

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Lass uns rufen, dass Sex keine Ware ist, aber dass es großes menschliches Leid gibt, wenn es wie eine solche angesehen wird. Lass uns in die Welt rufen, dass Geld und Sex nicht zusammengehören, sondern dass Sex unter ganz anderen Gesichtspunkten stattfinden sollte. Dann gewinnst Du meinen Respekt wieder, und ich werde Dich als den Menschen ansehen, der Du bist – und nicht als Sexkunden, der sich von einer Illusion leiten lässt.

Herzliche Grüße, Tanja Rahm

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