Darum ist ein Glas Rotwein am Tag doch nicht gesund

Die "Rotwein-Story" hält nicht wirklich, belegen zahlreiche Studien.

Alkohol schützt nicht das Herz oder die arteriellen Blutgefäße. Die "Rotwein-Story" hält nicht wirklich. "Eine Reihe von neuen Studien kommen zum Ergebnis, dass niedriger bis moderater Alkoholkonsum offenbar doch keine herz- und gefäßschützende Funktion hat", berichtete der Wiener Kardiologe Franz Weidinger (KH Rudolfstiftung), vom Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Rom (bis 31. August).

Keine Hinweise auf positive Auswirkungen


So zeigte eine über 20 Jahre laufende dänische Studie mit fast 19.000 Krankenschwestern ("The danish nurses' cohort study") nach der Bereinigung um Gesundheits-, Lebensstil- und psychosoziale Faktoren keine Hinweise auf einen signifikanten günstigen Zusammenhang zwischen niedrigem oder moderatem Alkoholkonsum und der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Es ging dabei um die Bestimmung von Schlaganfall-, Herzinfarkt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit insgesamt. Weidinger: "Die Studienautoren fanden auch keinen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigem bis mittlerem Alkoholkonsum mit den separaten Endpunkten Schlaganfall und Herzinfarkt."

Ausgewertet wurden Fragebögen zum individuellen Alkoholkonsum in Kombination mit dem dänischen Diagnose-spezifischen Krankenhausentlassungs-Register, Todesursachen und Gesundheitsstatus. Eine weitere auf dem ESC-Kongress präsentierte Studie aus Israel und den USA untersuchte den Einfluss moderaten Alkoholkonsums auf das Fortschreiten der Atherosklerose der Halsschlagader (Carotis) bei Patienten mit gut kontrolliertem Diabetes Typ 2, die ansonsten keinen Alkohol zu sich nahmen.

Weitere Studien zeigen keine signifikanten Veränderungen


Während der zweijährigen Untersuchungsdauer der CASCADE-Studie wurden die Probanden in drei Gruppen aufgeteilt und erhielten täglich entweder 150 Milliliter Mineralwasser, Weißwein oder Rotwein. Alle Studienteilnehmer unterzogen sich einer mediterranen Diät ohne Beschränkung der Kalorienzahl. Zu Studienbeginn und nach zwei Jahren wurden das Gesamt-Plaque-Volumen der Halsschlagader und das Gefäßwandvolumen mittels 3D-Ultraschall gemessen. Es lagen verwertbare Ultraschall-Bilder von 174 Patienten vor, bei der Erstuntersuchung wurden bei 55 Prozent Plaque in der Halsschlagader gefunden.

Das durchschnittliche Gesamt-Plaque-Volumen veränderte sich in der Gesamtgruppe nicht signifikant, ebenso wenig in den Kontrollgruppen. "Wir konnten in unserer zweijährigen Studie keine signifikante Wirkung des Weinkonsums auf die Gesamt-Plaque-Volumen der Halsschlagader oder das Gefäßwand-Volumen in der Gesamtgruppe feststellen", schrieben die Studienautoren zusammenfassend.

Die Datenlage ist widersprüchlich


Dazu sagte Weidinger: "Es gibt seit mehreren Jahren immer wieder Untersuchungsergebnisse über den möglicher Weise günstigen Einfluss eines moderaten Konsums unterschiedlicher alkoholischen Getränken, speziell von Wein, auf die Herz- und Gefäßgesundheit. Andere Studien wiederum bestätigten diese günstige Wirkung nicht, die Datenlage ist also widersprüchlich. Eine eventuell ungünstige Wirkung maßvollen Weintrinkens auf die Herzgesundheit ließ sich allerdings auch nicht zweifelsfrei belegen. Ungeklärt sind auch die oft behaupteten Mechanismen eines möglichen Herzschutzes, die manchmal auf den Alkohol selbst, dann wieder zum Beispiel auf sekundäre Pflanzeninhaltstoffe der Traube zurückgeführt werden."

Wer also für seine Herz- und Gefäßgesundheit etwas Positives tun wolle, benötige dazu keinen Alkohol. Starker Alkoholkonsum kann sich negativ auf viele Organe auswirken, auch auf das Herz. Der Konsum sollte deshalb vermieden werden, so die Studien.

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