Darum habe ich keine Angst vor meinem 30. Geburtstag

Ernsthaft, wir müssen aufhören so ein Drama darum zu machen. Ich würde um nichts in der Welt nochmal 20 sein wollen. Ein Kommentar.

Darum habe ich keine Angst vor meinem 30. Geburtstag

Es ist noch knapp ein Jahr, bis ich meinen 30. Geburtstag begehe. Mir ist das ehrlich gesagt sehr egal, aber viele Menschen in meinem Umfeld haben viele große Emotionen dazu und fragen mich gerne und häufig, ob ich denn nervös sei, bzw. Angst hätte oder es schlimm fände. Die Antwort ist nein. Denn ich bin unglaublich gern Ende 20 oder dann eben Anfang 30. Ich hatte Anfang 20 nicht mehr Spaß und mein Leben war ganz bestimmt nicht leichter und ich bin mir sicher eures auch nicht, ihr habt euch das nur schöngeredet:

Oh, the Drama

Erinnert ihr euch daran, als ihr Anfang 20 wart und gefühlt alles ein Weltuntergang war? Alles wurde tausendmal durchgedacht, jedes kleine Missgeschick war ein Weltuntergang, eure Nerven waren während des Studiums permanent so dünn, dass ihr nicht einmal, sondern mehrmals auf den Uni-Toiletten geweint habt? Genau. Ich war damals absolut gar nicht resilient. Ein Weinanfall und Nervenzusammenbruch jagte den nächsten. Alles war unglaublich überfordernd für mich. Heute muss schon viel passieren, damit sich etwas wie ein Weltuntergang anfühlt. Das liegt einerseits daran, dass ich gelernt habe, was wirklich wichtig ist und wofür es sich nicht lohnt Tränen zu vergießen, weil die Welt morgen wirklich ganz anders aussieht.

Die Zukunft

Mit 20 hatte ich keine Ahnung, wie meine Zukunft aussehen würde. Ich hatte Hoffnungen, Wünsche und Vorstellungen, aber wirklich gewusst habe ich es nicht. Und das hat mir Angst gemacht. Ich bin nachts wach gelegen und habe mich gefragt, in welche Richtung sich mein Leben entwickeln wird. Vor jeder Entscheidung hatte ich Angst, es könnte die Falsche sein. Heute weiß ich, wer ich bin und habe eine gute Idee, wie mein Leben weitergehen wird. Und ich weiß, dass wenn mir diese Richtung nicht gefällt ich sie jederzeit ändern kann. Denn mit 30 bin ich auch dafür noch jung genug.

Let’s talk about Sex

Funfact: ich habe zu meinem 20. Geburtstag mein erstes Sextoy von Freunden zum Geburtstag bekommen. Damals war mir das so unglaublich peinlich, ich wäre am liebsten im Boden versunken. Über Sex sprechen? Auf gar keinen Fall. Tipps mit Freund*innen austauschen: Hell no! Heute stehe ich zu meiner Sexualität und bin diejenige, die Freund*innen zu Sextoy-Partys einlädt (ich hab sogar meine Mama überredet, welche zu testen). Ich weiß was mir gefällt, was mir nicht gefällt und bin bereit Dinge zu probieren, weil ich mich nicht mehr dafür schäme gerne Sex zu haben. Und das macht so viel mehr Spaß als mit Anfang 20.

Die Männer

Ich bin seit mehreren Jahren in einer sehr stabilen und glücklichen Beziehung. Und ja, stabil heißt, dass wir gestern Abend damit verbracht haben alle unsere Socken wieder mal zusammen zu suchen und neu zu sortieren. Ich sortiere gerne gemeinsam Socken, diskutiere was wir zu Abend essen oder höre den Gossip über meine Schwägerinnen. Und wisst ihr was: Ich liebe es.

Bevor sich jetzt jemand denkt: Schön für dich, möchte ich sagen: Ich hatte nicht zwingend Glück, sondern ich suche nach was anderem. Nicht mehr jeder Fuckboy ist mein Traummann. Ich habe nicht mehr dauernd das Gefühl, dass es "zu einfach" ist. Beständigkeit ist plötzlich sexy.

Meine Dating-Zeit rund um 20 war intensiv. Es gab immer Drama, Tränen, Erwartungen, die nicht erfüllt wurden. Und ich vermute (und wenn ihr ganz ehrlich mich euch selbst seid wisst ihr das auch) gab es Drama, weil ich das Drama wollte. Und jetzt will ich das nicht mehr. Um es mit Meredith Greys Worten zu sagen: All the boys and bars and obvious daddy issues, I was done because I found the person I was going to spend the rest of my life with. Ich will nicht zurück in diese Zeit und ich vermisse kein bisschen davon!

Fußabtreter

Ganz ehrlich, die jüngere Version von mir wollte vor allem eines: Nicht anecken. Ja keinen Streit produzieren, ja nicht ungut auffallen, von ALLEN gemocht werden. Diese Fähigkeit hab ich irgendwann zumindest zum Teil abgelegt. Ich bin immer noch nett, aber ich habe auch Grenzen für mich festgelegt. Und wenn man diese überschreitet, dann schlucke ich meine Gefühle nicht mehr runter, sondern beschwere mich auch mal und beharre auf mein Recht. Und ich mag das an mir und ich bin stolz, dass ich diese Entwicklung machen konnte.

Geld

Ja, dieser Punkt kommt vermutlich zu spät in dieser Reihung, aber lasst uns bitte kurz darüber sprechen, dass wir uns endlich Dinge leisten können. Das ist doch verdammt großartig! Als Student trinken wir deswegen die grausligen 2 Euro-Cocktails (ja, das war vor der Inflation :D ) weil wir uns nichts anderes leisten konnten und wir den Alkohol brauchten um unser Drama und unsere Unsicherheit zu ertragen. Heute stehen wir mit beiden Beinen im Leben, bekommen monatlich Geld auf unser Konto überwiesen und können ehrlich überlegen, welche Art Urlaub wir uns leisten wollen, ob wir für ein Konzert auch mal die besseren Plätze kaufen oder ob es nicht der billige Ikea-Tisch sein soll sondern etwas teureres. Also Hallelujah!

Ich habe noch so viel Zeit

Überlegt mal: mit 10 seid ihr noch in der Volksschule und wahrscheinlich habt ihr ein Lieblingskuscheltier. Mit 20 habt ihr vermutlich einen Lieblings-Shot in eurer Studenten-Bar. Das sind die einzigen beiden runden Geburtstage, die ihr bereits hattet. Lieblings-Kuscheltier und Lieblings-Shot. 30 ist also die nächste Stufe und nichts davon sagt aus, dass ihr alt seid, sondern ihr habt noch soooooo viele Runde Geburtstag vor euch. Ihr habt noch so viel Zeit. Und ihr seid gerade erst aus dem Alter voller Zu-viele-Shots-Auf-der-Uni-am-Klo-Weinen-oder-Kotzen draußen. Das ist doch verdammt großartig. Also freuen wir uns doch einfach drauf!

 

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