Darum finde ich Krampusgruppen und -läufe am Land furchtbar

Unsere Redakteurin ist am Land aufgewachsen und ist der Meinung: Scheiß auf Brauchtum. Von manchen Bräuchen kann man sich auch verabschieden. Ganz oben auf der Liste: Krampusse.

Darum finde ich Krampusgruppen und -läufe am Land furchtbar

Bevor es jetzt zu aufgeregten Kommentaren kommt, dass ich als Mensch, der in der Stadt wohnt, keine Meinung zu dem Thema haben brauche, lasst mich die Situation erklären. Ich bin am Land aufgewachsen. In einem winzigen 1000 Einwohner-Dorf in Oberösterreich. Ich habe dort 2/3 meines bisherigen Lebens verbracht und bin mit Brauchtum aufgewachsen. Ich finde Brauchtum wichtig. Aber nicht ungefragt, nicht ungeprüft. Und etwas, das ich hiermit zur Prüfung stellen möchte ist der Brauchtum des Krampus.

Jedes Jahr am 5. und 6. Dezember ziehen junge Männer aus unserem Ort und den Nachbarorten stinkende Felle an und setzen hässliche Masken auf und fahren mit einem Traktor plus Anhänger durch den Ort, um Kinder zu besuchen (und zu Tode zu erschrecken). Und ich bin der Meinung, dass damit Schluss sein muss:

Kinder werden traumatisiert

Die Grundidee ist, dass der Krampus mit dem Nikolaus kommt. Während der Nikolaus freundlich ist und Geschenke bringt, sollen die Krampusse Angst machen und die Kinder abschrecken, sich im nächsten Jahr nicht daneben zu benehmen. Häufig kommt eine ganze Gruppe Krampusse ins Haus, die nur grölende Geräusche von sich geben, mit ihren Ketten rasseln, mit ihren Ruten gegen Möbel schlagen und damit signalisieren, wie furchteinflößend sie sind. Die Drohung ist dabei immer, dass die schlimmen Kinder von den Krampussen mitgenommen werden.

Manchmal lassen die Gruppen Karten mit Bildern der Krampusse im Haus, damit die Mutter jederzeit anrufen kann, sollten die Krampusse kommen und die Kinder abholen müssen, weil sie schlimm waren. Muss ich dazu mehr sagen? Dass das Erziehungstechnisch nicht mehr zeitgemäß ist, merkt ihr selbst oder?

Gewalt wird glorifiziert

Ich erinnere mich noch gut an eine Szene in der Volksschule. Ja, in der Volksschule. In der großen Pause wollten unsere Jungs Krampus spielen. Denn das hieß, dass sie uns ungefragt und ohne Konsequenzen hauen durften. Und es hörte dort nicht auf. Als wir Jugendliche waren, hatten unsere Freunde keinerlei Skrupel uns mit ihren Routen zu schlagen, sobald sie die Maske aufhatten. Durch diesen Brauch wird Gewalt glorifiziert und selbstverständlich gemacht. Männer bekommen das Gefühl, dass sobald sie die Krampus-Maske aufhaben, alles erlaubt ist und es gibt einen Grund, wieso es jedes Jahr zu Unfällen kommt.

Ich möchte übrigens klar unterscheiden zwischen richtigen Perchtenvereinen und dem Krampusbrauch. Mitglieder von Perchtenvereinen wissen häufig, welche Macht sie haben und was sie repräsentieren. Das ist bei jungen Männern, die zweimal im Jahr ihre Masken aufsetzen und einen Freibrief bekommen, ganz anders.

Es wird zu viel getrunken

Was passt noch besser zu toxischer Männlichkeit als Gewalt und Verkleidung? Richtig. Alkohol. Denn wo viele Männer sind, ist häufig auch viel Alkohol. Nicht selten kommen die Krampus-Gruppen bei den Häusern der Kinder bereits stark alkoholisiert an und trinken über den Abend verteilt teilweise bis zum kompletten Filmriss. Wenn bei uns als Kinder ein Nikolaus bestellt wurde, wurde häufig versucht einen der frühen Slots zu bekommen – nicht weil die Kinder sonst zu müde wären, sondern um nicht zu betrunkene Krampusse im Haus zu haben.

Es ist gefährlich

Eigentlich reicht die Kombi aus den oben erwähnten Punkten aus, um zu erklären, wieso es nicht notwendig ist, an diesem Brauch festzuhalten. Aber zusätzlich zu all diesen Punkten ist es gefährlich. Häufig werden die betrunkenen Männer auf den Anhängern von Traktoren transportiert und sogar wenn der Fahrer nüchtern ist (ich sage wenn), passieren jährlich Unfälle, wenn betrunkene verkleidete Männer von den Anhängern fallen, überfahren werden, sich gegenseitig übermütig runterschupsen oder Ähnliches.

Toxische Männlichkeit wird gefeiert

Grölende, grunzende, betrunkene Männer in Masken, die das Recht haben zuzuschlagen und Angst zu machen, klingt nach dem absoluten Albtraum vieler Frauen. Ist es auch, nur dass wir es hier unter dem Deckmantel des Brauchtums spielen und dem Ganzen den schönen österreichischen Titel "Aber war doch schon immer so" geben. Immer mehr Familien möchten nicht mehr, dass der Nikolaus ins Haus kommt, wenn er Krampusse dabeihat. Grund dafür sind häufig die fehlenden Regeln der Gruppen bezüglich Alkohols und des Benehmens. Ich sage nicht, dass alle Männer, die diesen Brauch mittragen, so sind. Aber es sind zu viele. Dieser Brauch gehört entweder abgeschafft oder neu durchdacht.

 

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