Darling, ich bin im Cafe

Klassisch oder modern, elegant oder doch im Retro-Look? DIVA WOHNEN machte sich auf die Suche nach dem besten Kaffeehaus der Stadt. Ein Erfahrungsbericht.

Café Korb

Susanne Widl ist die wohl bekannteste Cafetière Wiens, ihr »Café Korb« in der Brandstätte 9 in der Wiener Innenstadt eine Ikone der Kaffeehauskultur - und seit langer Zeit ein beliebter Treffpunkt der Kunstszene.
Künstlerin, Model, Muse - Susanne Widl hatte nie Angst vor der großen weiten Welt des internationalen Starrummels, ihre Wurzeln hat sie deshalb aber nie verleugnet. Und so ist das »Korb«, in dem sie schon als Kind mithalf und das sie seit der Jahrtausendwende im Alleingang führt, irgendwie auch eine Heimkehr von einer Selbstfindungsreise.
Mit Respekt vor der über hundertjährigen Tradition des Kaffeehauses - hervorzuheben ist hier der legendäre Apfelstrudel und die besten Würstel mit Saft der Stadt -, aber mit viel Verständnis für Ansprüche der Jetztzeit und dank tatkräftiger Mithilfe von Kapazundern wie Günter Brus, Peter Kogler und Lebensmensch Peter Weibel widmete Widl 2002 die ehemalige Kegelbahn im Keller in eine - gleich mehrfach preisgewürdigte - Art-Lounge um.


Diese Fusion aus 60er-Jahre-Charme und Club-Atmosphäre funktioniert perfekt, nicht zuletzt dank stilechter Ausstattung mit entsprechenden Accessoires und ebenso standesgemäßen Kunstwerken an den Wänden, unter anderem aus der Hand von Oswald Oberhuber, Arnulf Rainer und Konsorten sowie einem wohl einzigartigen Zeitungs- und Magazin-Potpourri. Der legendäre - und (aus Sicht des Gastes leider) immer voll besetzte - Gastgarten blieb natürlich bestehen, lediglich das Mobiliar wurde durch bequemere und farbenfrohe Stühle von Designer Jasper Morrison und dazupassenden Tischchen sowie Garten-Begrenzungen verjüngt.
Eine gelungene und von Susanne Widl immer effektiv gelebte Kombination aus Tradition und Moderne, auf die die charmante »Korb«-Doyenne von ihrem Lieblingsplatz aus blickt - über ihr gemalte und fotografische Porträts aus Schlüsselzeiten eines im wohl ausschließlich positiven Sinne bewegten Lebens im Grenzland zwischen Kunst, Kultur und Glamour.

Theatercafé

Was macht man mit einer Institution wie dem Szene-Treffpunkt »Theatercafé« am Naschmarkt, das sich als beliebter Insidertipp für Nachtschwärmer allen Adaptionsversuchen erfolgreich widersetzt? Ganz einfach: Man nehme einen erfahrenen Profi, injiziere behutsam ein paar frische Ideen, verzichte zugunsten des richtigen Bauchgefühls aber vollständig auf geziertes Gehabe.
Leo Doppler, Patron des »Hansen« und mit dem »Vestibül« auch theatererfahren, öffnete die Wienzeilen-Institution »Theatercafé« einem breiteren Publikum. Das zeigt sich einerseits am erfreulich unprätentiösen Design, für das Hermann Czech noch einmal Hand anlegen durfte, andererseits aber auch an der Speisekarte, die mit ihrem starken französischen Einschlag eine wohltuende Nische im Naschmarkt-Viertel auftun konnte. Durchmachen kann man zwar nicht mehr - aber dafür umso besser entspannen.


Mehr Kaffeehäuser auf Seite 2.

Zeitlose Institution mit Kultcharakter Café Korb, Brandstätte 9, 1010 Wien, www.cafekorb.at

Bistro-Style am Naschmarkt Theatercafé neu, Linke Wienzeile 6, A-1060 Wien www.theatercafe.cc

Modern way of Coffee Prince Coffee Club, Hoher Markt 8–9, A-1010 Wien www.prince-coffee-club.com

Eine Legende geht in die Verlängerung Café Markusplatz, Tuchlauben 16, A-1010 Wien www.markusplatz.at

Prince Coffee Club

Internationale große Kaffeehausketten sind Traditionalisten oft ein Dorn im Auge. Das liegt vielleicht weniger an der Art der Präsentation als am offensichtlichen Ketten-Charakter dieser Institutionen. Sven Lindlbauer, Betreiber des »Prince Coffee Club«, aber hat den scheinbar unmöglichen Spagat zwischen Wiener Café und modernem, zeitgemäßem Wohlfühl-Ambiente geschafft - und trägt so ganz nebenbei mit seiner Betonung auf Fairtrade-Sorten zum Öko-Gedanken bei.
Doch halt! Lindlbauer ist ja gar kein geborener Wiener! Was bringt einen Werber aus München in die Hauptstadt der Kaffee-Kultur? »Die Liebe zu genau diesem Café-Konzept, das ich an so vielen Orten dieser Erde schätzen und lieben gelernt habe. Genau das hat mir gerade in Wien aber gefehlt. Also musste ich es einfach machen.« Das selbstbewusste Konzept geht auf - und fügt sich passgenau ins Wiener Stadtleben ein.

Café Markusplatz

»Mir war von Anfang an klar, dass das >Markusplatz< ein historisches Juwel ist«, so Markus Muliar liebevoll. Das ist auch der Grund dafür, dass der Enkel von Schauspiel-Doyen Fritz Muliar im Zuge seiner Übernahme ein Maximum an Sorgfalt walten ließ. Diese behutsame Behandlung wurde nur ganz wenigen 60er-Überbleibseln unter Wiens Cafés zuteil. Natürlich machte Muliar notwendige Zugeständnisse an die moderne Jetztzeit, die lassen sich aber leicht zusammenfassen: »Mief raus, gute Luft rein.« Ansonsten wurde lediglich leicht adaptiert, die gut bestückte Karte befriedigt auch Feinspitze, und der ursprüngliche Charme der Institution blieb zur Gänze erhalten.
Dass dieses Café die Neuübernahme mit ungebrochenem Zulauf dankte, liegt an Muliars äußerst entspannter Einstellung in Sachen Zielgruppen-Definition: »Ich habe schlichtweg keine Zielgruppe - das >Markusplatz< soll allen Gästen gehören!«

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