Darf man Kinderschuhe weitervererben?

Für jedes Kind neue Schuhe zu kaufen, kann ganz schön teuer werden. Wir haben die Orthopädin gefragt, ob das wirklich nötig ist oder ob man Schuhe an Geschwister- und Freundeskinder weitervererben kann. Plus: Was man beim Kinderschuhkauf unbedingt beachten sollte.

Kaum fängt das Kind zu gehen an, merken Mamas und Papas schnell: Nichts scheint so schnell zu wachsen wie Kinderfüße! Besonders in den ersten Jahren haben Schuhe eine Halbwertszeit von wenigen Monaten - und sind gleichzeitig oft genauso teuer wie Modell für die Großen. Jede Saison neue Kinderschuhe zu kaufen kann also ganz schön ins Geld gehen. Wie bei Kindersachen üblich, wird also gerne weitervererbt: An Geschwister und Kinder im Freundes- und Verwandtenkreis. Aber ist das auch gut? Oder kann es der Entwicklung des kindlichen Fußes gar schaden? Wir haben mit der Expertin gesprochen.

Ist der Schuh in Ordnung, darf er ruhig weitergegeben werden

Orthopädin Dr. Karin Riedl: „Prinzipiell spricht nichts gegen das Weitergeben von Schuhen, sofern sie keine Schäden an Nähten, Sohle oder Innenfutter oder einseitige Abnutzungen aufweisen.“ Durch die kurze Tragedauer und kaum auftretende Fehlstellungen oder Fußkrankheiten sind Kinderschuhe aus den ersten zwei bis drei Lebensjahren laut Dr. Riedl am geeignetsten für die Weitergabe. Über dieses Alter hinaus sind jene Modelle gut vererbbar, die von Haus aus „fester“ sind, wie Snowboots, Gummistiefel oder Bergschuhe. Dr. Riedl: „Je fester der Schuh, desto weniger hat er sich wahrscheinlich an Fußform und Gangbild des älteren Kindes angepasst. Besonders anfällig für solche spezifischen Abnützungen sind im Vergleich Ballerinas und Sneakers.“

Grundsätzlich darf man der Orthopädin zufolge aber in jedem Fall auch auf den Hausverstand vertrauen: „Man sollte sich einfach die Frage stellen: Würde ich den Schuh noch mit ruhigem Gewissen dem Kind einer Freundin weitergeben beziehungsweise im Gegenzug vom Kind einer Freundin annehmen?“

Frau probiert mit Kindern Gummistiefel

Kinderschuhe kaufen: Die wichtigsten Tipps

1. Jedes Alter braucht andere Schuhe: Besonders im ersten Jahr des völlig freien Gehens empfiehlt die Orthopädin den Kauf von knöchelhohen Schuhen. Diese haben in der Regel außerdem eine Fersenkappe eingearbeitet, die der Ferse und damit dem ganzen Fuß mehr Stabilität gibt. Für Kinder bis etwa drei Jahre setzt Dr. Riedl auch im Sommer auf Sandalen mit Zehenkappe, die Verletzungen beim Stolpern oder Hinfallen vermeiden können.

2. Das Material macht’s: Innenfutter aus Leder verhindert schnelles Schwitzen und sorgt dafür, dass entstehender Schweiß besser absorbiert wird. Dafür sollte das Leder natürlich nicht mit Chemikalien behandelt worden sein.

3. Lang genug, breit genug: Solange der Fuß noch wächst, sollten beim Kauf neuer Schuhe immer 12 bis 17 Millimeter Luft zwischen längster Zehe und Schuh sein, das entspricht der klassischen Daumenbreite.
Tipps zum richtigen Messen: Vor allem kleine Kinder ziehen bei Druck von außen oft die Zehen ein. Deshalb lieber, wenn möglich, die Innensohle aus dem Schuh nehmen und das Kind direkt drauf stellen oder den Fuß des Kindes auf einem Karton abzeichnen, die erwähnten 12 bis 17 Millimeter dazugeben, die Schablone ausschneiden und in den Schuh stecken – passt die Schablone, passt der Schuh.

4. Ruckedigu, der Schuh ist zu klein: Hat ein Schuh vor der längsten Zehe (das ist nicht immer automatisch die Große Zehe!) weniger als fünf Millimeter Platz, ist er zu klein. Denn der Fuß benötigt beim Gehen und Laufen genau diese fünf Millimeter als Schubraum für die Zehen.

5. Weiche Sohle, hart in Nehmen: Vor allem vorne am Fuß, unter dem Zehenballen, findet der Abrollvorgang statt – eine steife, harte Sohle hindert das Kind am Erlernen des richtigen Abrollens.

6. Doppelt hält besser: Nicht nur während eines Wachstumsschubes können Füße unterschiedlich groß sein, deshalb immer linken UND rechten Schuh probieren.

Dr. Karin Riedl ist Orthopädin und seit 2005 an der Abteilung für Kinderorthopädie im Orthopädischen Spital Speising in Wien tätig. Sie widmet sich dort schwerpunktmäßig kindlichen Fußfehlstellungen wie dem Klumpfuß, Hüftultraschall und Wirbelsäulenerkrankungen wie der Skoliose.
Seit 2014 führt Dr. Riedl außerdem ihre eigene Praxis in Wien Liesing. Sie ist verheiratet und Mutter einer fünfjährigen Tochter.

www.ortho-riedl.at

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