Darf ich erfahren, was der Kollege verdient?

Die Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern ist immer noch Realität. In unserer neuen Serie versuchen wir ein paar Grundsatzfragen zu klären, wenn es um Arbeit geht – z.B. ob wir erfahren dürfen, was unsere Kollegen verdienen.

Jedes Jahr im Herbst wieder aufgewärmt, dazwischen gerne vergessen: Der Gender Pay Gap. Frauen verdienen heute immer noch deutlich weniger als Männer. Wir fragen diesmal nicht, warum das so ist, sondern was wir selbst dagegen tun können.

Habe ich das Recht, zu erfahren, was der Kollege verdient?

Bianka Schrittwieser von der Arbeiterkammer Wien gab uns darauf zwei Antworten. Eine kurze und eine längere. Erst mal die kurze: „Nein, leider nicht. Sie können den Arbeitgeber fragen, aber Sie haben kein Recht auf Information über die Entlohnung des Kollegen.“

1. Einschalten des Betriebsrates

Sie haben ein paarMöglichkeiten“, so Schrittwieser: „Sie können sich an den Betriebsrat wenden. Der hätte dann Möglichkeiten, in Lohn- und Gehaltsdaten Einblick zu nehmen, darf allerdings Informationen nicht an Sie selbst weitergeben. Auf Wunsch kann er Sie aber bei weiteren Schritten unterstützen.“

2. Einschalten der Gleichbehandlungsanwaltschaft

„Sie haben auch noch die Möglichkeit, sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft zu wenden. Diese kann den Arbeitgeber auffordern, Unterlagen vorzulegen, aus denen ersichtlich ist, ob eine Ungleichbehandlung vorliegt oder nicht.“


Was bringt mir das?


Die AK-Expertin: „Wenn tatsächlich eine Entgeltdiskriminierung vorliegt, dann können Sie drei Jahre rückwirkend die Entgeltdifferenz nachverlangen. Das geht auch, wenn sie nicht mehr in der Firma sind.


Und wie sieht das in der Praxis aus?


Leider nicht sehr rosig. Bianka Schrittwieser: „Im Berichtszeitraum (2014 bis 2015) wurden 18 Fälle von Entgeltdiskriminierungen bei der GBK eingebracht. Die durchschnittliche Verfahrensdauer betrug 18 Monate. In manchen Fällen kann aber das Verfahren auch mehr als drei Jahre dauern. Ein Gerichtverfahren dauert je nach Komplexität zwischen 1 bis 2 Jahren in erster Instanz.“

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