Darf ich bitte ums Haustier trauern?

Eva Longorias Hund und meine Katze. Beide leben nicht mehr. Sie trauert ganz selbstverständlich im Netz. Und ich finde: Dass man um sein Haustier trauert, sollte auch wirklich endlich normal sein.

"Wenn uns wer zuschaut, die würden uns für komplett verrückt halten", sagt meine Mama, als wir Tränen in den Augen haben und auf die Decke schauen, wo sie immer lag. Die Katze, mit der meine Eltern 17 Jahre lang zusammengelebt haben, die Katze, die schon im Haus war, als ich noch Schülerin war. Die Katze, von der wir jede Eigenheit kannten. Die Katze, die wir leider gehen lassen mussten und die jetzt nie wieder auf dieser Decke liegen wird. Sie fehlt.

Trauer ums Haustier: Verrückt oder ganz normal?

Eva Longoria hat unlängst ein Bild von sich mit ihrem Hund gepostet. Sie hat geschrieben, wie traurig sein Tod sie macht. So ganz selbstverständlich. Dass sie das ausspricht, finde ich sehr schön und ja, eigentlich auch wichtig. Denn noch immer heißt es schnell "War ja nur ein Tier", wenn es um Haustiertrauer geht. Noch immer traut man sich diese Traurigkeit kaum auszusprechen, weil man glaubt, dass einen - wenn überhaupt - nur andere HaustierbesitzerInnen verstehen könnten. Und Nichthaustierbesitzer einen wohl eher als unzurechnungsfähig behandeln lassen würden. Und die Blicke gibt's auch wirklich. Die, die sagen "Jetzt stell dich doch wegen eines Tieres nicht so an" oder die, die ausdrücken "Phu, na hoffentlich passiert dir nichts wirklich Schlimmes, wenn du deswegen schon leidest".

Aber eine Beziehung zu einem Tier kann einfach total eng sein, total innig, voller Liebe. Total echt. Und dann ist das ein total realer, total ernstzunehmender Schmerz, wenn es stirbt und nicht mehr da ist. Das macht traurig, das tut weh. "Das ist eine ganz normale Trauerreaktion, von der ich mir wünsche, dass sie enttabuisiert wird", sagte Birgit U. Stetina von der Mensch-Tier-Ambulanz der Sigmund-Freud-Uni-Wien einmal in einem Gespräch mit der WIENERIN. "Ein selbstverständlicherer Umgang damit würde vielen Menschen helfen. Denn wir wissen einfach, dass Abschiedsrituale wichtig sind, auch wenn es um den Abschied von einem Tier geht. Wenn jemand stirbt, der einem nahe steht, dann trauert man. Das ist einfach so."

Abschied tut halt weh

Vielleicht tu ich mir ja eigentlich eh leichter als andere, weil wir als Familie mehrere sind, denen diese Katze jetzt fehlt. Und weil wir genau wissen und nachfühlen können, wie es den anderen geht. Weil wir innerhalb der Familie die Trauer natürlich gut ausdrücken können. Und vielleicht reicht das in Wahrheit ja auch. Aber das wünsche ich schon jedem und jeder: Dass es da zumindest irgendjemanden gibt, der diese Traurigkeit ernst nimmt. Denn, jetzt muss ich mal kurz kitschig klingen: Unsere geliebten Haustiere sind einfach nie "nur Tiere".

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