Darf es vegan sein?

Selbstversuch vegan leben, Teil 2. Der Plan: Völlig auf tierische Nahrungsmittel zu verzichten. Gar nicht so einfach, musste unsere Redakteurin in der 1. Woche ihres Selbstversuches erfahren. Eier, Milch und Milchpulver verstecken sich in mehr Produkten als erwartet. Doch es gibt auch positive Überraschungen.

Eigentlich bin ich gescheitert. Und zwar ausnahmsweise nicht am eigenen Schweinehund. Schuld ist vielmehr meine Unwissenheit, welche Produkte überhaupt Stoffe tierischen Ursprungs enthalten. So können die eierfreien Nudeln eines bekannten italienischen Herstellers laut Zutatenliste auf der Verpackung durchaus Spuren von Eiern enthalten und der fertige Pizzateig, der sich eigentlich aus nicht viel mehr als aus Mehl, Wasser, Olivenöl, Salz und Hefe zusammensetzen sollte, enthält Milch. Sogar Laugenstangerl wären aufgrund der enthaltenen Laktose eigentlich tabu.

Mit all diesen Punkten hatte ich nicht gerechnet. Auf die Schnelle war auch kein Ersatz aufzutreiben und unter anderem deshalb war meine erste vegane Woche nicht ganz so vegan wie ursprünglich geplant. Aber auch deshalb, weil ich die vegane Küche erst langsam für mich entdecken muss. Da durften natürlich einige Verkostungen von veganen und nicht veganen Produkten nicht fehlen. Schließlich bildet man sich das beste Urteil immer bei einem direkten Vergleich.

Besser oder schlechter als das Original?

Für viele Lebensmittel gibt es veganen Ersatz: Statt Kuhmilchprodukten gibt es Sojamilchprodukte. Die Auswahl dabei ist schon mal nicht schlecht: Milch, Joghurt, Butter, Pudding. Fleisch lässt sich mit Tofu ersetzen. Dabei gibt es sogar eigene Bolognesesoßen aus Tofu, Tofu-Würstel und Tofu-Cordon-Bleu. Und Eier können, je nachdem wo sie eingesetzt werden, mit Maismehl, Banane oder Avocado ausgetauscht werden.

Die Praxis schaut leider etwas anders aus, denn Sojamilch hat eine ganz eigene, leicht bittere Note. Pur oder im Kaffee treffen sie meinen Geschmack nicht. Hingegen mit Mais- und Dinkelvollkornmehl zu Palatschinken verarbeitet finde ich sie schon wieder ganz okay. Mein Partner merkt nicht einmal, dass diese etwas anders schmecken als sonst und das obwohl ich ein bisschen zu viel Maismehl erwischt habe und der Teig etwas zu dickflüssig war.

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Eine vegetarische Freundin verrät mir, dass Reismilch dezenter schmeckt und die Phase der Ernährungsumstellung erleichtert. Reismilchjoghurts kann ich im Supermarkt jedoch keine entdecken, denn auch die Sojajoghurts sind nicht so ganz meines. Doch das bleibt nicht das einzige Manko: Auch die Käseauswahl bleibt gering und kann den Kuhmilchkäse vom Geschmack her auf keinen Fall ersetzen. Dafür muss ich Tofu-Würstel wirklich loben. Bei einer Verkostung von Tofuwürsteln, Käsekrainern, Berner Würsteln, Frankfurtern und Bratwürsteln stimmt der Familienrat sogar eindeutig für die fleischlose Variante.

Auch veganes Naschen kann sich sehen lassen: In der Apotheke finde ich sogar Gummibärchen ohne Gelatine, Spekulatiuskekse kommen ohne tierische Inhaltsstoffe aus und Bioschokokürbiskerne mit dunkler Schokolade sind ebenfalls lecker.

Vegan ist eine Frage der...

Aber wie konsequent muss man bei veganer Ernährung wirklich sein? Denn letztendlich ist das nicht nur eine Frage des Geschmacks und der Tierliebe, sondern auch des Budgets. Vegane Produkte sind einfach teurer. Vielleicht tut es aber auch eine konsequentere Umstellung auf mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Pseudogetreide Reis, Mais, Amaranth und Couscous?

Eine Recherche in Internetforen und auf veganen Blogs deutet jedenfalls darauf hin, dass mein bisheriger Ansatz falsch ist. Statt Lebensmittel zu ersetzen, sollte ich versuchen anders zu kochen. Bleibt die Frage, was der Rest der Familie zu den etwas anderen Gerichten sagt? Fortsetzung folgt.

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