"Danke, dass du nicht Papa bist": Edeka-Spot macht sich über Väter lustig

Zum Muttertag ist der Lebensmittelhändler Edeka ganz schön ins Fettnäpfchen getreten. Die deutsche Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU) ist empört und spricht von einem "Anti-Väter-Spot".

Die Sinnhaftigkeit des Muttertags, mit all seiner Glorifizierung und Kommerzialisierung, lässt sich ja grundsätzlich hinterfragen. Der Feiertag, der 1923 eingeführt wurde und unter den Nationalsozialisten stark für Hausfrauen- und Brutpropaganda instrumentalisiert wurde, wird aber gerade in der Werbung gerne als Kaufanreiz verwendet.

So auch vom Handelsriesen Edeka, der mit seinen aufwändig produzierten Werbevideos spätestens seit der legendären #heimkommen-Opa-Werbung vielen ein Begriff ist. Nun legte Edeka anlässlich des Muttertags erneut mit einem Werbespot nach.

Papa kann's halt nicht

Der Spot irritiert: er zeigt Szenen mit Vätern, im Off redet eine Kinderstimme, die sich für diverse Zuwendungen bedankt. Die Väter scheinen sichtlich überfordert und bekommen nichts auf die Reihe. Dann folgt endlich die Erlösung: Mama tritt ins Bild und das Kind spricht: "Danke, Mama, dass du nicht Papa bist". Halleluja, die Welt ist gerettet.

Zum Glück gibt es Mama, denn Papa ist offenbar unfähig zu erziehen, zu kochen oder diese ganzen anderen "weichen" Aufgaben zu übernehmen, die eben Mama traditionell schon so gut kann. Edeka spielt ganz bewusst mit traditionellen Rollenbildern, in denen Frauen für unbezahlte Care-Arbeit und Haushalt zuständig sind und macht im selben Atemzug auch noch die Väter schlecht. Was für ein Schachzug!

Kritik und Häme im Netz

Das kommt freilich auch bei den ZuseherInnen eher so mäßig an. Sich bei Mama auf Kosten von Papa bedanken? Mehhh, das war selbst schon 2010 ziemlich uncool, Edeka. "Danke Papa, dass du nicht bei Edeka einkaufst", kommentiert ein Nutzer unter dem Video auf YouTube, das bereits binnen weniger Tage über eine Million Mal gesehen wurde. Andere finden für den Muttertags-Spot noch härtere Worte, wenige bewerten das Video aber auch als "lustig".

Edeka hat sich bereits zu den Vorwürfen geäußert und scheint die Kritik relativ gelassen zu nehmen: "Mit dem Spot möchten wir Väter keinesfalls schlecht darstellen, sondern etwas überspitzt und auf humorvolle Art und Weise allen Müttern anlässlich des Muttertags Danke sagen. Es tut uns leid, wenn dir der Film nicht gefällt", schreibt das Unternehmen auf Social Media.

Der Spot sorgt mittlerweile aber nicht nur im Netz für Diskussionsstoff. Die deutsche Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU) ist empört und spricht am Mittwoch sogar von einem "Anti-Väter-Spot". "Eltern zu sein, ist kein Wettbewerb um die Zuneigung der Kinder. Väter sind nicht die schlechteren Elternteile", betonte die Ministerin, die es für Unsinn hält, Mütter und Väter gegeneinander auszuspielen.

Womöglich hat man beim Lebensmittelhändler mit der Kritik auch genau sein Ziel erreicht: die große Diskussion unter dem Video hat dem Unternehmen jede Menge Klicks gebracht. Solche Aktionen mögen auf kurze Sicht super für die Reichweite sein. Ob man damit nachhaltig sein Image pflegt, nun, das sollten die Edeka-KundInnen für sich selbst entscheiden.

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