Daheim im Tonstudio

Missy May (22) über ihren Künstlernamen, Ziele & Motivation, Etikett, Popsternchen, 20 kg abspecken und die letzten Meter zum Durchbruch.

Stört es Dich, immer Popsternchen genannt zu werden? Genau wie die von Castingshows.
Popsternchen nimmt die österreichische Medienlandschaft für jeden her, der Popmusik macht und ein Mädchen ist; bestimmt gar nicht abwertend, sondern eher süß gemeint. Trotzdem muss es nicht unbedingt sein. Aber: Zumindest wird man wahrgenommen. Das ist in Österreich schon sehr viel. Was mich von den Leuten von Castingshows unterscheidet: Die müssen erst erfahren, wie es ist, im Meer zu schwimmen und gegen Haie zu kämpfen. Mit der Einstellung "Schau ma mal ..." kommt man nicht weit. "Dort muss ich hin!", muss es heißen.

Was fehlt Dir noch, um den Weg zum Popstar zu Ende zu gehen?
Gar nicht mehr viel. Fertig ausgebildet bin ich. Und bereit sowieso. Jetzt heißt es nur noch: hab den richtigen Song zur richtigen Zeit am richtigen Ort! That's it!

Noch vor einigen Jahren hattest Du 20 kg mehr. War Druck da, dass Du abnehmen musstest?
Nein, gar nicht, den habe ich mir nur selbst gemacht. Irgendwann bin ich an meine Grenzen gestoßen, die lächerlich waren. Die Kurzatmigkeit auf der Bühne, eine ständige Müdigkeit und unreine Haut, die nicht so förderlich ist, wenn man Fotoshootings hat und erst am Anfang steht. Aber ich habe mich nie hässlich gefühlt - im Gegenteil. Ich habe es körperlich einfach nicht mehr geschafft. Und ich wollte natürlich auch nicht zu irgendwelchen illegalen Substanzen greifen, damit es doch klappt.

Wie hast Du's geschafft, so viel abzunehmen und wie hältst Du Dich fit?
Gesunde Ernährung, viel Sport und Wasser - das ist der Masterkey. Jeder lächelt schon darüber, weil man das in jedem Magazin liest. Weil Stars auch immer dasselbe sagen, wenn sie nach ihrem Erfolgsrezept gefragt werden. Aber es stimmt. Der Job, den ich habe, ist ein 24-Stunden-Job, der viel Energie und Kraft braucht. Und nur so kannst du ihn durchziehen.

Als Sängerin ist doch aber auch nicht schlecht, wenn man schlank ist und gut aussieht?
Aussehen hat nichts mit Schlankheit zu tun. Es gibt viele schöne, üppige Frauen. Wenn du schlank bist, hast du nur weniger Angriffsfläche. Die Leute können nicht sagen "Ach, die dicke Kuh auf der Bühne". Das fällt natürlich weg, dafür bist du halt z.B. die "perfekte Barbiepuppe". Wenn die Leute an dir was aussetzen wollen, können sie das auch. Es wird immer welche geben, die auf alles schimpfen, was du bist und was du machst. Da muss man drüberstehen.

Welcher war der schönste Moment in Deinem Leben?
Der hat natürlich mit Musik zu tun: bei der Eröffnung der Wiener Festwochen, wo ich in einem wunderschönen Kleid auf die Bühne gegangen bin und dort 50.000 schreiende Leute gestanden sind und nur auf mich gewartet haben. Das war ein Moment, den kann man gar nicht beschreiben. So wunderschön, das entschädigt dich für alle Momente, in denen du geglaubt hast, es geht nicht mehr.

Und der traurigste Tag in Deinem Leben?
Wahrscheinlich der Tag, an dem mein Papa gestorben ist. Das war 2005 und ein Tag, den ich nie hätte verarbeiten können, wenn ich nicht die Musik gehabt hätte. "Everything Breaks" ist der Song, der vollkommen die Gefühlswelt beschreibt, in der ich war. Etwas Persönlicheres wird es von mir auch wahrscheinlich nicht mehr geben. Es geht darum, dass alles im Leben vergänglich ist; dass nichts bleibt und man jeden Tag genießen muss.

Was hat er Dir für Dein Leben mitgegeben?
Mein Papa hat mich sehr gefördert. Er war ein Visionär, genauso wie ich. Ich sollte nie mein Ziel aus den Augen verlieren und das mach ich.

Wie hast Du Deinen Freund kennengelernt?
Beim Arbeiten in der Türkei. Typisch! Ich war Animateurin und er Technik-Coach. Zuerst hat es nur nach einer Urlaubsromanze ausgesehen, dann ist doch sehr viel mehr daraus geworden.

Was ist das Besondere an Eurer Beziehung?
Dass wir beide sehr kreative Menschen sind und uns so viel Freiraum lassen, dass jeder leben kann. Das finde ich das Wichtigste. Ich werde ihn nie anrufen und fragen, wo er ist, wann er kommt und was er gerade macht. Das würde auch er nie tun. Ich hab wirklich keine Zeit für irgendwelche Eifersüchteleien.

Hier ist ja nur Dein vorübergehendes Quartier, bis Dein Album fertig ist. Freust Du Dich, wenn Du mal zu Hause bist?
Ehrlich gesagt will ich am Wochenende auch nicht nach Hause. Wenn Lorenz nicht wäre, dann würde ich wahrscheinlich auch am Wochenende hier sein.

Hier gibt es ja nicht mal eine Dusche!
Eh nicht. Duschen und Haarewaschen tu ich im Fitnesscenter. Dort wohne ich ja schon. Dort habe "meine" Dusche und "meine" Sauna und auch immer den gleichen Spind. Der gehört mittlerweile mir, mit meinen Sachen drinnen. So habe ich hier alles, was ich für mein Musikerleben brauche.

Aktuell