Coronavirus: Wenn aus Angst Rassismus wird

Menschen, die asiatisch aussehen, erfahren seit Aufkommen des Coronavirus vermehrt Rassismus. Journalistin Nhi Le hat via Twitter auf die Missstände aufmerksam gemacht – woraufhin ihr Account gesperrt wurde.

Coronavirus Tweet

Personen, die die Straßenseite wechseln, sich in den Öffis wegsetzen oder einem lieber nicht die Hand geben wollen, prüfende Blicke und vermeintlich ~witzige~ Kommentare: Unter den Hashtags #JeNeSuisPasUnVirus (zu Deutsch: "Ich bin kein Virus") bzw. #IAmNotAVirus teilen aktuell zahlreiche Menschen ihre rassistischen Erfahrungen, die sie im Zuge der Verbreitung des Coronavirus erleben.

Journalistin wehrt sich gegen Rassismus

Nhi Le, deutsche Journalistin mit vietnamesischen Wurzeln macht online darauf aufmerksam, wie sich diese Form des Rassismus auch im deutschsprachigen Raum zusehends verbreitet. "Es ist das eine, sich (irrational) vor dem Coronavirus zu fürchten. Es ist das andere, alle Asiat*innen der Infektion zu bezichtigen und unter Generalverdacht zu stellen. Letzteres ist rassistisch und passiert gerade jeden Tag", schreibt Nhi Le auf Instagram.

Der Generalverdacht an sich sei schon rassistisch, sagt Nhi Le gegenüber deutschlandfunkkultur.de, aber auch, alle Asiat*innen als Chines*innen zu sehen und damit das Infiziertsein in Verbindung zu bringen. Dahinter würden auch ältere rassistische Stereotype brodeln, etwa dass "Asiaten im Allgemeinen dreckig seien oder teilweise sogar unzivilisiert seien".

Dass Medien wie die BILD-Zeitung das "Ankommen des Virus in Deutschland" mit einem gelbstichigen Foto einer asiatischen Familie bebildern und mit "So kam das Coronavirus zu uns" titeln, trägt wohl auch zur Verbreitung rassistischer Denkmuster bei.

Wer sich beschwert, wird gesperrt

Nhi Les Twitter-Account wurde in der Folge lahmgelegt. Auf Instagram schreibt die Journalistin und Moderatorin: "Ich bin aufgrund dieses Tweets (siehe oben) auf Twitter gesperrt worden und musste ihn löschen. Das ist ziemlich lächerlich, denn während Nazi-Tweets oder Gewaltfantasien auf Twitter nicht 'gegen die Richtlinien verstoßen', wurde ich gebanned."

Instagram- und Twitter-User*innen, darunter deutsche Grünen-Politikerin Anja Schillhaneck, zeigen sich solidarisch und kritisieren Twitter für die Kontosperre:

 

Aktuell